Sonntag, 27 Sep 2020
  • Auch wenn der Name China in dem rund 50-seitigen neuen Weißbuch der EU-Kommission zur Wettbewerbspolitik nicht vorkommt und die Behörde dies strikt von sich weist: Es ist völlig klar, gegen wen sich die vorgeschlagenen neuen Instrumente richten. Denn in den vergangenen Jahren waren es immer wieder finanzstarke chinesische Unternehmen und Investoren, die mit staatlich subventionierten Shoppingtouren auf dem europäischen Binnenmarkt für Schlagzeilen sorgten. Stichwort: Kuka.

  • Werner Wenning ist nicht zu beneiden: Schon vor Jahren hat der Aufsichtsrats-Chef die Gefahr gesehen, dass Bayer zum Spielball zerschlagungswilliger Investoren wird. Den Ausweg suchten er und sein Adlatus Werner Baumann im größten Zukauf, den je ein deutscher Konzern wagte. Doch sie kauften mit Monsanto offenkundig die falsche Firma. Und nun ist passiert, was Wenning immer verhindern wollte: Elliott, eine Heuschrecke, ist in Leverkusen eingestiegen.

  • Das Bundesarbeitsgericht hat am Mittwoch die Klagen zweier Bauarbeiter der Mall of Berlin abgewiesen. Investoren von großen Bauprojekten müssen daher nicht haften, wenn Bauarbeiter wegen der Insolvenz von Nachunternehmern keinen Lohn bekommen haben.

  • Der Bundesfinanzminister hat mit seinem Vorpreschen in Sachen Einlagensicherung den Koalitionspartner CDU vor den Kopf gestoßen. Sich öffentlich zu dem Thema zu äußern, ohne vorher mit den Kabinettskollegen aus der Union geredet zu haben, löst eine neue Belastungsprobe für Schwarz-Rot aus. Dabei kann eine große Koalition, deren Fortbestand durch Diskussionen über Grundrente, Verteidigungspolitik und Spitzenpersonal stärker in Frage steht denn je, keinen zusätzlichen Sprengstoff gebrauchen.

  • Zahlreiche Immobilien in Deutschland wechseln offenbar ihre Besitzer, ohne dass Mieter und deutsche Behörden etwas davon mitbekommen. Wie Recherchen des NDR zeigen, können Investoren Anteile an Immobilien hin und her schieben und so auch Veräußerungsverbote umgehen. So verkaufte ein israelischer Investor die Mehrheit der Firmenanteile an einem Wohnkomplex in Schwerin, obwohl er sich dazu verpflichtet hatte, die Immobilien zehn Jahre lang zu halten. Dadurch wollte die Stadt Spekulationen mit ihrem Wohnraum verhindern. Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft, die den Immobilienkomplex privatisiert hatte, wusste vom Verkauf der Anteile offenbar nichts.

  • Es liegt in der Logik des Begriffes, dass ein Immobilien-Investor vor allem eines hat: Interesse an Immobilien. Insofern ist das absehbare Ende der Hängepartie beim Verkauf der SB-Warenhauskette Real eine gute Nachricht für das Käufer-Konsortium, das Warenhäuser in meist guten Lagen kauft. Und für die Real-Muttergesellschaft Metro. Sie kann endlich einen Schlussstrich unter das Kapitel Real ziehen und sich auf das konzentrieren, was das Unternehmen einst groß gemacht hat: den Großhandel mit seinen neuen Erscheinungsformen und Aufgaben.

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