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Investoren erlangen offenbar häufig ohne Wissen der Behörden Kontrolle über Immobilien in Deutschland

Foto: Photomat / CC0 (via Pixabay)

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Investoren erlangen offenbar häufig ohne Wissen der Behörden Kontrolle über Immobilien in Deutschland

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Zahlreiche Immobilien in Deutschland wechseln offenbar ihre Besitzer, ohne dass Mieter und deutsche Behörden etwas davon mitbekommen. Wie Recherchen des NDR zeigen, können Investoren Anteile an Immobilien hin und her schieben und so auch Veräußerungsverbote umgehen. So verkaufte ein israelischer Investor die Mehrheit der Firmenanteile an einem Wohnkomplex in Schwerin, obwohl er sich dazu verpflichtet hatte, die Immobilien zehn Jahre lang zu halten. Dadurch wollte die Stadt Spekulationen mit ihrem Wohnraum verhindern. Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft, die den Immobilienkomplex privatisiert hatte, wusste vom Verkauf der Anteile offenbar nichts.

Die Recherchen des Radiosenders NDR Info und des NDR Magazins „Panorama 3“ ergaben in diesem sowie in weiteren Fällen, dass die Wohnungsgesellschaften, die die Immobilien halten, zwar in Deutschland registriert sind, aber Firmen auf Zypern gehören. Dabei handelt es sich um Briefkastenfirmen, die von einer zyprischen Anwaltskanzlei verwaltet werden. Auftraggeber sind internationale Investoren. Über das von der Bundesregierung 2017 in Deutschland eingeführte Transparenzregister war nicht zu ermitteln, wer hinter den Firmen steckt. Der NDR hatte in die Registereinträge von 15 Wohnungsgesellschaften und Unternehmen Einsicht genommen – ohne Ergebnis.

Möglich ist der Anteilsverkauf durch so genannte „Share Deals“. Investoren erwerben dadurch zwar nicht die Immobilien selbst, sondern Mehrheitsanteile an den Firmen, denen die Immobilien gehören. De facto erlangen sie aber die Kontrolle über die Gebäude. Dadurch können Investoren zudem Steuern sparen. Derzeit müssen sie keine Grunderwerbssteuer zahlen, wenn sie weniger als 95 Prozent der Immobilien-Anteile übernehmen. Die Bundesländer hatten an diesem Anteilshandel zuletzt starke Kritik geübt. Nach Schätzungen des hessischen Finanzministeriums entgehen dem Staat durch die „Share Deals“ bis zu eine Milliarde Euro pro Jahr. Voraussichtlich noch im Frühjahr wird sich der Bundestag mit diesem Thema beschäftigen.

„Panorama 3“ sendet eine ausführliche Dokumentation der Recherchen am Dienstag, 9. April, um 21.00 Uhr im NDR Fernsehen. NDR Info berichtet über dieses Thema ausführlich am 9. und am 10. April, unter anderem in einem halbstündigen Feature am Mittwoch, 10. April, um 20.30 Uhr.



Quelle: NDR
321 Wörter im Bericht.

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