Donnerstag, 13 Aug 2020
Eine Mitarbeiterin der Post packt aus. Anonym berichtet sie "ZDFzoom"-Autorin Julia Friedrichs von der sozialen Schieflage.
Eine Mitarbeiterin der Post packt aus. Anonym berichtet sie "ZDFzoom"-Autorin Julia Friedrichs von der sozialen Schieflage. Foto: ZDF / Oliver Hans Wolf
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Rund 1,5 Millionen Angestellte wissen nicht, ob ihr Lohn zum Leben reicht. Sie arbeiten auf Abruf – nur wenn der Chef sie braucht.

Andreas Stoch
Foto: Ra Boe / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

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Wartezeiten werden nicht bezahlt, ein Zweitjob ist unmöglich. "ZDFzoom" berichtet am Mittwoch, 22. März 2017, 23.10 Uhr, über "Ausgebeutet – Arbeit nur auf Abruf".

Betriebe haben viele Vorteile von dieser Vertragsform: Sie können ihre Flexibilität steigern, Leerzeiten minimieren und Arbeitskosten reduzieren. Für die Angestellten ist das Modell mit großer Unsicherheit verbunden. Arbeit auf Abruf, heißt im Fachjargon: "KAPOVAZ, kapazitätsorientierte, variable Arbeitszeit." Die Beschäftigten haben einen Teilzeitvertrag, sind also richtige Angestellte im Unternehmen, doch es wird ihnen nur eine Mindestzahl an Arbeitsstunden zugesichert. Der Rest läuft über Mehrarbeit auf Abruf. Die Zeit dazwischen wird ihnen nicht bezahlt.

Nach Auswertungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung arbeiten 1,5 Millionen Menschen in Deutschland so. "Man kann davon reden, dass das in Richtung eines modernen Tagelöhnertums geht", sagt Arbeitsmarktforscher Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Interview.

"ZDFzoom"-Autorin Julia Friedrichs begegnet zahlreichen Menschen, die unter diesen Arbeitsverträgen leiden und das Gefühl erleben, ausgebeutet zu werden. So erzählt eine junge Mode-Verkäuferin: "Es gibt Monate, da arbeite ich 40 Stunden, manchmal 90, 100 oder sogar 150. Mal verdiene ich 400 Euro, mal 1100 Euro." Sie würde gerne heiraten, eine Familie gründen, doch sie sagt auch: "Auf solch einem Vertrag kann ich doch kein Leben aufbauen." "ZDFzoom" erklärt, wie sehr die Arbeitgeber ihren Vorteil nutzen und zum Beispiel bei den Lohnnebenkosten sparen.

Es geht auch anders: In Österreich haben Gerichte und Gesetzgeber die "Arbeit auf Abruf"-Praktiken gestoppt. So wissen Angestellte sehr genau, wie häufig sie arbeiten und wieviel sie verdienen.



Quelle: ZDF


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