Min

Ein Schachzug gegen den wachsenden iranischen Einfluss

Foto: Kurdishstruggle / CC BY 2.0 (via Flickr)

Meinung
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Ein Schachzug gegen den wachsenden iranischen Einfluss

.

Entgegen der Ankündigung des amerikanischen Präsidenten, seine Truppen vollständig aus dem Norden Syriens abziehen zu wollen, sollen nun doch US-Soldaten dort verbleiben, um, nach offizieller Lesart, mit Hilfe der kurdisch dominierten Demokratischen Streitkräfte Syriens (SDF) Ölquellen zu schützen. Die Erklärung, diese Ölquellen in der Provinz Hasakeh dürften nicht wieder der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in die Hände fallen, ist vor allem für das außenpolitisch wenig versierte amerikanische Publikum gedacht. So zynisch sie auch ist - Ölquellen sollen geschützt werden, das Schicksal der kurdischen Bevölkerung im Norden Syriens ist egal - ist sie doch einleuchtend.

Terroristen dürfen keine Einnahmequellen haben. Abgesehen davon, dass diese Begründung auch ein Misstrauensvotum gegen den Nato-Partner Türkei darstellt, der in der Vergangenheit bereits im begründeten Verdacht stand, mit dem IS Ölgeschäfte gemacht zu haben, erklärt sie die neue amerikanische Volte nur unzureichend. Tatsächlich dürfte irgendwer im Pentagon dem außenpolitisch wie geografisch mit völliger Blindheit geschlagenen Präsidenten mit Nachdruck erläutert haben, dass ein Rückzug der US-Truppen dem Iran in die Hände spielen würde. Teheran plant seit längerem drei Landbrücken über den Irak und Syrien an das Mittelmeer und in den Libanon. Das würde den ohnehin gewaltig gewachsenen iranischen Einfluss in der Region zementieren und ausbauen. Die südliche dieser Routen führt über das syrische Al Tanf, wo US-amerikanische Truppen stationiert sind und den Weg verstellen. Die mittlere über Abu Kamal ist offen. Im Norden führt eine Route über das irakische Shingal-Gebirge, das mit dem Iran verbündete Milizen kontrollieren, die syrische Provinz Hasakah und dann entlang der syrisch-türkischen Grenze. Verließen die US-Amerikaner die Region, wären also zwei Landbrücken offen, was eine hinreichende Begründung für die Strategen im Pentagon ist, die Rückzugspläne ihres Präsidenten zu durchkreuzen. Die Kurden und ihre syrischen Verbündeten sind nur Bauern in diesem geopolitischen Spiel. Sie werden geopfert, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.



Quelle: ots/Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung
311 Wörter im Bericht.

Meinung (Top 10/365)

  • Von der Leyens EU-Ambitionen
    Mittwoch, 03. Juli 2019

    Falls die Strippenzieher in der EU geglaubt hatten, mit ihren jüngsten Personalentscheidungen dem europäischen Gedanken und der Demokratie einen Dienst zu erweisen - sie erreichten das genaue...

  • Zwist der Ministerpräsidenten mit Scholz über Flüchtlingskosten
    Donnerstag, 21. März 2019

    Es ist auf den ersten Blick nicht zu entscheiden, ob vier oder fünf Milliarden Euro die Summe sind, mit der der Bund die Integrationskosten der Länder und Kommunen angemessen mildern sollte, und wie...

  • Der nächste Schritt - Krieg?
    Mittwoch, 08. Mai 2019

    Genug ist genug, sagen die iranischen Machthaber und setzten - ein Jahr nachdem die USA einseitig das völkerrechtlich verbindliche Atomabkommen gekündigt und Sanktionen verschärft haben - Teile des...

  • Weisheiten von gestern
    Freitag, 08. Februar 2019

    Ideologien sterben nicht durch ihre Widerlegung - man zieht sie schlicht aus dem Verkehr. Dieses Schicksal wird wohl auch den sogenannten Neoliberalismus ereilen. Er verschwindet langsam. Aber...

  • Korruptionssumpf Regensburg - Übrig blieb davon nichts
    Mittwoch, 03. Juli 2019

    Endlich Gewissheit. Nach 60 Prozesstagen verlässt Joachim Wolbergs das Landgericht Regensburg ohne Strafe. Die Richter wischten in der Urteilsbegründung Anklagepunkt um Anklagepunkt vom Tisch. Übrig blieb...

  • Grüne: Schlechter Tag für die Freiheit des Internets
    Dienstag, 26. März 2019

    Die Grünen im Europäischen Parlament haben mit scharfer Kritik auf die Billigung der Urheberrechtsreform durch das Europaparlament reagiert. Der Spitzenkandidat der deutschen Grünen für die...

  • Die Demokratie muss sich wehrhaft zeigen
    Mittwoch, 26. Juni 2019

    Durch das Geständnis im Fall Lübcke wird zur erschütternden Gewissheit, dass zum ersten Mal in der Nachkriegszeit ein rechtsextremistisch motivierter Mord an einem Staatsvertreter verübt wurde....

  • Ultrakonservative im Iran wittern Chance zur Machtübernahme
    Dienstag, 26. Februar 2019

    Die Rücktrittsankündigung des iranischen Außenministers Mohammed Dschawad Sarif ist für den iranisch-deutschen Schriftsteller und Publizisten Bahman Nirumand Ausdruck eines sich intensivierenden...

  • Future Combat Air System (FCAS) - Das nächste Milliardengrab?
    Montag, 17. Juni 2019

    Die heute von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) unterzeichneten Verträge für das milliardenschwere Rüstungsvorhaben eines europäischen Kampfjets stoßen bei der Opposition auf...

  • Integration soll gemeinnützig werden
    Donnerstag, 11. April 2019

    Vereine, die Integrationsarbeit leisten, sollen nach dem Willen von Bremens zuständiger Senatorin Anja Stahmann (Grüne) künftig steuerliche Vorteile genießen. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung"...