Min

Wo der Handel stirbt, sterben Stadtzentren und Dorfgemeinschaften

Foto: rauter25 / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Wo der Handel stirbt, sterben Stadtzentren und Dorfgemeinschaften

.

Angesichts immer weiter abnehmender Kundenzahlen hat der Handelsverband Deutschland (HDE) in einem Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer vor dramatischen Folgen gewarnt. "Die Probleme der Händler bringen ganze Innenstädte ins Wanken. Wo der Handel stirbt, sterben Stadtzentren und Dorfgemeinschaften", so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ), der der Brief vorliegt. Genth bezeichnete den Handel gerade in ländlichen Regionen als "Kitt für die gesamte Gesellschaft", da sich drei Viertel der Händler überbetrieblich für das Gemeinwohl engagieren würden. Das finanzielle Engagement inklusive aller Sach- und Geldleistungen beliefe sich geschätzt auf etwa eine Milliarde Euro im Jahr.

"Auch mit Blick auf diese gesellschaftliche Funktion des Handels ist es von größter Dringlichkeit, dass Politik und Gesellschaft zeitnah die Weichen richtig stellen, um den Handel in der gesamten Fläche als Innenstadt- und Heimatpfleger zu erhalten", forderte Genth weiter. Um Leerstände zu vermeiden, sieht der Handelsverband auch Immobilienbesitzer in der Pflicht. In einem Elf-Punkte-Plan für attraktivere Innenstädte, den der Handelsverband ebenfalls an den Bundesminister schickte, warnt er: "Sinkende Umsätze im stationären Handel werden bei gleichbleibenden oder steigenden Fixkosten zukünftig immer häufiger zu Leerständen in den Innenstädten führen." Eine Ursache seien die vielfach starren Mieten für Ladenlokale, die in Zeiten von Umsatzverlusten einzelner Handelsbranchen nicht mehr in die Zeit passten. "Handel und Immobilieneigentümer müssen deshalb wieder zu einer Mietpartnerschaft zusammenfinden."

Unterstützung erhält der Handelsverband hier vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. "Insbesondere Eigentümer von Handelsimmobilien sind aufgerufen, eine angemessene Mietpreispolitik zu betreiben und neue Formen, wie etwa frequenzabhängige Mietstaffelungen, umzusetzen", forderte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg gegenüber der NOZ. Das könne den inhabergeführten Einzelhandel unterstützen und im Ergebnis zu einer Stabilisierung der Innenstädte, der "Visitenkarte der Stadt", beitragen.



Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung
279 Wörter im Bericht.

Wirtschaft (Top 10/365)

  • Handelsabkommen: Der freie Handel lebt
    Freitag, 01. Februar 2019

    Heute ist ein großer Tag für den freien Handel. Ab heute gilt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, zudem halten China und USA eine Einigung in ihrem Handelsstreit endlich für möglich....

  • Deutsche Wirtschaft lehnt Altmaiers Industriestrategie ab
    Samstag, 23. Februar 2019

    Deutschlands Industrie lehnt Pläne von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) klar ab, mit staatlicher Beteiligung "nationale Champions" zu schaffen. "Politische Eingriffe mit dem Ziel, bestimmte...

  • BASF: Gründlich verschätzt
    Dienstag, 09. Juli 2019

    In den vergangenen Tagen war im Markt geradezu stündlich mit einer Gewinnwarnung der BASF gerechnet worden. Die Investoren waren auf schlechte Nachrichten aus dem weltgrößten Chemiekonzern...

  • Handelsstreit: Zwei Milliarden Euro Verlust
    Montag, 13. Mai 2019

    Der US-China Handelskonflikt belastet die deutsche Exportwirtschaft. Bleiben die neuen US-Zölle bestehen, wird China reagieren – das kostet die deutschen Exporte im kommenden Jahr zwei Milliarden...

  • Nationale Industriestrategie 2030: Im Ansatz richtig
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Die Industrie ist ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat deshalb eine neue Strategie vorgelegt, mit der er die politischen Rahmenbedingungen für die nächsten...

  • Autozölle: Gefahr für das deutsche Geschäftsmodell
    Montag, 18. Februar 2019

    Auch 2018 exportierte Deutschland in kein anderes Land so viel wie in die USA. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn Trump tatsächlich hohe Strafzölle auf Autos einführt. Sollte der US-Präsident Autoimporte...

  • Reform der Grundsteuer muss endlich umgesetzt werden
    Mittwoch, 05. Juni 2019

    Vor dem Hintergrund anhaltender Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition drängen die Gewerkschaften auf eine schnelle Grundsteuerreform. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell...

  • Fusionspläne Deutscher Bank und Commerzbank: Mehr als 20.000 Arbeitsplätze im Feuer
    Montag, 18. März 2019

    Der Deutschen Bank und der Commerzbank stehen angesichts der Fusionspläne massive Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft bevor. Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet eine "intensive und...

  • Ausländische Investitionen: Die EU erweitert Spielräume der Mitgliedstaaten
    Freitag, 15. Februar 2019

    Bisher hat nur jedes zweite EU-Land ein eigenes Verfahren, um außereuropäische Investitionen formal zu überprüfen. Die EU wird auch weiterhin die Entscheidung darüber allein den Mitgliedstaaten...

  • Hauptziel der Streiks bei Amazon bleibt ein Tarifvertrag
    Dienstag, 14. Mai 2019

    Am 14. Mai 2013 traten an den Amazon-Standorten Bad Hersfeld und Leipzig Beschäftigte zum ersten Mal in einen Tagesstreik. Sechs Jahre nach den ersten ganztägigen Streiks bei Amazon in Deutschland...