#zeitfokus.

Sonntag, 29 Mär 2020
Foto: Geogast / CC0 (via Wikimedia Commons)
 1-2 Minuten Lesezeit  362 Worte im Text  vor 40 Tagen
Weichenstellung. Die globale Bahnindustrie hat schon viele misslungene Koppelungsmanöver erlebt. Im Jahr 2017 wollte Siemens ihr Zuggeschäft mit Bombardier zusammenspannen, zwei Jahre später stoppte erst die EU-Kommission eine Kombination mit Alstom, und nun haben Alstom und Bombardiereine Verbindung ihrer Aktivitäten besiegelt. Was bedeutet dies für Siemens? Die Münchner dürften das Geschehen aufmerksam, jedoch unaufgeregt verfolgen. Noch ist nicht klar, ob eine dominierende Nummer 2 der Branche hinter dem chinesischen Primus CRRC entsteht. Auch wenn Alstom und Bombardier handelseinig wurden, kann das Votum der Wettbewerbshüter auch dieses Projekt noch zum Stillstand bringen. Schließlich kommt das Duo in spe auf hohe Marktanteile in einigen Regionen (wie in Frankreich) und in wichtigen Sparten (wie dem Regionalverkehr). Das letzte Wort hat mit Margrethe Vestager jene EU-Wettbewerbskommissarin, die Siemens/Alstom ausgebremst hatte. Ihre Prüfung wird hart werden. Dies bedeutet nicht, dass das Ziel für Alstom unerreichbar ist. Die Franzosen haben vor einem Jahr gelernt, mit welchen Zugeständnissen in Brüssel gepunktet wird. Doch ein Erfolg des Duos müsste Siemens nicht in Schockstarre versetzen. Die Partner hätten nicht nur eine Fusion zu bewältigen, sondern vor allen Dingen die Qualitätsprobleme von Bombardier in den Griff zu kriegen. Dieser Weg kann lang werden. Effizienzgewinne müssten gehoben werden, doch diese Aufgabe wird erschwert durch den Fabrikationsschwerpunkt in Deutschland - die IG Metall macht bereits mobil. Siemens als dritter großer westlicher Bahntechnik-Hersteller kann trotzdem nicht die Hände in den Schoß legen. Unverändert verlangt die Digitalisierung nach hohen Investitionen, die nur ein Multi gut stemmen kann. Außerdem gilt es dem Champion aus China Paroli zu bieten. Die institutionellen Investoren hatten auf der Hauptversammlung deutlich gemacht, dass sie Handlungsbedarf für die Mobility-Sparte sehen. Eine gemeinsame Klammer mit dem übrigen Geschäft gibt es aus ihrer Sicht kaum. Dies könnte die neu zu formierende Siemens-Spitze anders sehen. Wenn man glaubt, das Projektgeschäft im Griff zu haben, ließe sich Bahntechnik sehr wohl als Infrastrukturaufgabe und damit als Kerngeschäft definieren. Es locken, bei guter Positionierung im Konsolidierungsspiel, ansehnliche Margen. Siemens hatte schon im November ein Update über die Bahn-Strategie für das Frühjahr angekündigt. Die Ungewissheit für die Sparte dauert schon lange an. Nun müssen die Weichen gestellt werden - so oder so. Quelle: ots/Börsen-Zeitung

Die globale Bahnindustrie hat schon viele misslungene Koppelungsmanöver erlebt. Im Jahr 2017 wollte Siemens ihr Zuggeschäft mit Bombardier zusammenspannen, zwei Jahre später stoppte erst die EU-Kommission eine Kombination mit Alstom, und nun haben Alstom und Bombardiereine Verbindung ihrer Aktivitäten besiegelt. Was bedeutet dies für Siemens?

Es ist ein großer Fehler, dass die EU keine koordinierte Strategie zur Bekämpfung des Coronavirus und dessen wirtschaftliche Auswirkungen hat.
Foto: 𝓴𝓘𝓡𝓚 𝕝𝔸𝕀

Ökonomen warnen wegen Coronavirus vor neuer Banken- und Staatsschuldenkrise

Die Münchner dürften das Geschehen aufmerksam, jedoch unaufgeregt verfolgen. Noch ist nicht klar, ob eine dominierende Nummer 2 der Branche hinter dem chinesischen Primus CRRC entsteht. Auch wenn Alstom und Bombardier handelseinig wurden, kann das Votum der Wettbewerbshüter auch dieses Projekt noch zum Stillstand bringen. Schließlich kommt das Duo in spe auf hohe Marktanteile in einigen Regionen (wie in Frankreich) und in wichtigen Sparten (wie dem Regionalverkehr). Das letzte Wort hat mit Margrethe Vestager jene EU-Wettbewerbskommissarin, die Siemens/Alstom ausgebremst hatte. Ihre Prüfung wird hart werden.

Dies bedeutet nicht, dass das Ziel für Alstom unerreichbar ist. Die Franzosen haben vor einem Jahr gelernt, mit welchen Zugeständnissen in Brüssel gepunktet wird. Doch ein Erfolg des Duos müsste Siemens nicht in Schockstarre versetzen. Die Partner hätten nicht nur eine Fusion zu bewältigen, sondern vor allen Dingen die Qualitätsprobleme von Bombardier in den Griff zu kriegen. Dieser Weg kann lang werden. Effizienzgewinne müssten gehoben werden, doch diese Aufgabe wird erschwert durch den Fabrikationsschwerpunkt in Deutschland - die IG Metall macht bereits mobil.

Siemens als dritter großer westlicher Bahntechnik-Hersteller kann trotzdem nicht die Hände in den Schoß legen. Unverändert verlangt die Digitalisierung nach hohen Investitionen, die nur ein Multi gut stemmen kann. Außerdem gilt es dem Champion aus China Paroli zu bieten.

Die institutionellen Investoren hatten auf der Hauptversammlung deutlich gemacht, dass sie Handlungsbedarf für die Mobility-Sparte sehen. Eine gemeinsame Klammer mit dem übrigen Geschäft gibt es aus ihrer Sicht kaum. Dies könnte die neu zu formierende Siemens-Spitze anders sehen. Wenn man glaubt, das Projektgeschäft im Griff zu haben, ließe sich Bahntechnik sehr wohl als Infrastrukturaufgabe und damit als Kerngeschäft definieren. Es locken, bei guter Positionierung im Konsolidierungsspiel, ansehnliche Margen.

Siemens hatte schon im November ein Update über die Bahn-Strategie für das Frühjahr angekündigt. Die Ungewissheit für die Sparte dauert schon lange an. Nun müssen die Weichen gestellt werden - so oder so.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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