#zeitfokus.

Mittwoch, 03 Jun 2020
EZB
EZB Foto: Kerstin Herrmann / CC0 (via Pixabay)
 1-2 Minuten Lesezeit  383 Worte im Text  vor 251 Tagen

Geschichte wiederholt sich doch - und im Fall des vorzeitigen Abgangs von Sabine Lautenschläger aus dem EZB-Direktorium sogar in doppelter Hinsicht: Anfang 2014 war die Deutsche quasi über Nacht in die EZB-Chefetage aufgerückt, nachdem ihr Vorgänger Jörg Asmussen aus persönlichen Gründen Hals über Kopf hingeschmissen hatte - und nun wählt sie einen ähnlich spontan-spektakulären Abgang. Und genauso wie der Amtsantritt von EZB-Chef Mario Draghi Ende 2011 zusammenfiel mit dem Rücktritt von Jürgen Stark aus Protest gegen die EZB-Krisenpolitik, so wird Draghis Abschied zum 31. Oktober nun begleitet vom Lautenschläger-Abgang. Ein Hammer, wie es auch in Teilen der EZB heißt.

empty alt
Foto: rauter25 / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Wo der Handel stirbt, sterben Stadtzentren und Dorfgemeinschaften

Art und Zeitpunkt der Mitteilung lassen wenig Zweifel daran, dass die jüngste Entscheidung für eine neuerliche Lockerung der ohnehin sehr expansiven Geldpolitik eine und wohl auch die zentrale Rolle gespielt hat. Mit der Neuauflage der Nettoanleihekäufe (Quantitative Easing, QE) und dem neuen Zinsausblick (Forward Guidance) haben Draghi und seine Mitstreiter die ultralockere Geldpolitik für Jahre zementiert. Damit sind sie über das Ziel hinausgeschossen. Für Lautenschläger ist damit das Fass wohl endgültig zum Überlaufen gebracht worden.

Es ist aber sicher nicht nur die Entscheidung selbst, sondern auch die Art der Entscheidungsfindung. Draghi & Co. haben ihr Paket gegen beispiellosen Widerstand im EZB-Rat durchgepaukt und dabei selbst langjährige Unterstützer gegen sich aufgebracht. Draghi mag geglaubt haben, Fakten schaffen zu müssen, bevor er das Zepter an Christine Lagarde übergibt, die als konsensorientiert gilt. Tatsächlich aber hinterlässt er der Französin nun einen tief zerstrittenen EZB-Rat - oder anders formuliert: verbrannte Erde.

In jedem Fall wird der Abgang Lautenschlägers das Unbehagen in der deutschen Öffentlichkeit über die EZB verstärken. Man muss sicher nicht jedes Wehklagen deutscher Banken für bare Münze nehmen. Und genauso wenig gibt es ein Recht des Sparers auf einen positiven Zins. Wenn aber das Vertrauen breiter Teile der deutschen Öffentlichkeit in die EZB schwindet, wird es gefährlich. Ohne diesen Rückhalt ist eine Zukunft für den Euro und die EZB kaum vorstellbar. Lagarde muss die Deutschen wieder mit der EZB versöhnen.

Dazu gehört wahrscheinlich auch ein Grundsatzdiskussion darüber, was eine Zentralbank tun soll - und was nicht. Darüber im Euroraum wieder - oder erstmals - einen Konsens herzustellen, ist wichtiger als zu diskutieren, ob das EZB-Ziel nun 1,6 Prozent oder 1,9 Prozent beträgt. Lagarde steht da vor einer Mammutaufgabe.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
#mehrNachrichten
Der Open-Skies-Vertrag erlaubt den Vertragsstaaten eine bestimmte Zahl an Aufklärungsflügen im Luftraum der anderen.
Foto: 12019 / CC0 (via Pixabay)

US-Kündigung des Open-Skies-Vertrag

US-Präsident Donald Trump und seine Abnicker im Außen- und Verteidigungsministerium haben entschieden, dass sich die USA aus dem Open-Skies-Vertrag zurückzuziehen. Er erlaubt den Vertragsstaaten...
Die Bedenken vor Überwachung sind groß.
Foto: Omni Matryx

Gefährliche Verschwörung

Nein, es wird nicht an einer Impfpflicht mit heimlicher Einpflanzung eines Überwachungs-Mikrochips gearbeitet, und das Coronavirus ist auch keine Erfindung des Staates zur Unterdrückung seiner...
Lars Klingbeil
Foto: SPD Schleswig-Holstein / CC BY 2.0 (via Flickr)

SPD in Wahlkampfvorbereitung

Die SPD fährt im Schatten der Corona-Krise ihre Wahlkampfvorbereitung hoch und geht dabei einen neuen Weg: "Mit Blick auf die Bundestagswahl starten wir ein neues Format. Ich organisiere für die...
Herbert Reul
Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Reul pocht auf Rechte der Länder beim Katastrophenschutz

Die Pläne für eine stärkere Rolle des Bundes beim Bevölkerungsschutz als Reaktion auf Versorgungsengpässe in der Corona-Krise stoßen in NRW auf Widerstand. "Ich halte das für den falschen Weg. Der...
Die Grenzen können nicht ewig geschlossen bleiben. Doch in der Debatte um die Lockerungen gilt es zu bedenken, dass das Coronavirus mitreist.
Foto: Erik Odiin

Das Coronavirus reist mit

In der Debatte um Grenzöffnungen geht es um viel mehr als um den kleinen Grenzverkehr und die Frage, wie Lieferanten, Handwerker, Angestellte und Liebespaare diesseits und jenseits der Grenzen ihren...
Unter-den-Linden, Berlin, 3. Juni 1945
Foto: No 5 Army Film & Photographic Unit, Hewitt (Sgt) / Gemeinfrei (via Wikimedia Commons)

Die Grenzen der Befreiung

Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung: Das ist die Kernaussage in Richard von Weizsäckers großer Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes in Europa 1985. Auch heute, 75 Jahre nach der deutschen...
Hamsterkäufe wurden in der Vergangenheit je nach Naturell belächelt oder verurteilt.
Foto: Erik Mclean

Toilettenpapier 2.0

Ein L, U, V oder W? Dieser Buchstabensalat veranschaulicht die Billion-Dollar-Frage für Kapitalmarktinvestoren und Unternehmen. Denn ob sich die Konjunktur in Europa und Amerika nach der...
Back To Top