Mittwoch, 08 Jul 2020
ThyssenKrupp-Hauptquartier
ThyssenKrupp-Hauptquartier Foto: Tuxyso / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
 1-2 Minuten Lesezeit  344 Worte im Text  vor 287 Tagen

Das Urteil des Thyssenkrupp-Aufsichtsrats über Vorstandschef Guido Kerkhoff hätte härter kaum ausfallen können: Zu langsam habe er den Umbau vorangetrieben, Beschlüsse nicht punktgenau umgesetzt und nicht klar gesagt, wo er hin will. Das wird aus dem Umfeld des Kontrollgremiums berichtet. Deshalb soll Kerkhoff nun - nach 14 Monaten an der Konzernspitze mit vier Gewinnwarnungen und zwei Strategie-Volten - das Amt an Aufsichtsratschefin Martina Merz abgeben, die ebenfalls erst vor sieben Monaten als sechste Wahl ins Amt kam. Zuvor hatten fünf andere Kandidaten abgesagt.

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Wie der Führungswechsel vollzogen wird zeigt, wie groß das Chaos schon ist. In einem normalen Unternehmen hätte man gewartet, bis der gesamte Aufsichtsrat zugestimmt hat - nicht nur das Präsidium. Offenbar wurde Kerkhoffs Leistung zuletzt so schlecht bewertet, dass man zu der Einschätzung kam, der Konzern sei eher von einer interimistisch agierenden Aufsichtsratschefin Merz zu retten als von einem langsamen CEO Kerkhoff. Ob das Tempo nun tatsächlich wächst, ist zu bezweifeln. Eher ist Lähmung zu befürchten.

Nur in einer Hinsicht könnte mehr Geschwindigkeit aufkommen: beim Verkauf der Aufzugssparte an einen Konkurrenten. Vielleicht hat der schwedische Finanzinvestor und Großaktionär Cevian mit dem Rauswurf von Kerkhoff den Weg frei bekommen für die von Cevian-Chef Lars Förberg schon lange angestrebte Fusion von Thyssenkrupp Elevator mit dem finnischen Aufzugshersteller Kone. Anstatt vier großer und global tätiger Aufzugshersteller würde es dann nur noch drei geben, die umso besseres Geld verdienen.

Auf 15 Mrd. Euro wird der Wert der Aufzugssparte geschätzt. Thyssenkrupp braucht das Geld, das durch einen Teilverkauf hereinkäme, sehr dringend: für neue Wertkorrekturen auf die Problemsparten für Automobilteile, Großanlagenbau und Stahl, für die andauernden Umstrukturierungen mit dem Abbau von 6000 Stellen. Und nicht zuletzt auch für eine Kartellstrafe und für die 8 Mrd. Euro schweren Pensionslasten. Die Schulden sind doppelt so hoch wie das Eigenkapital. Neue Aktien kann der Konzern nicht so einfach ausgeben. Dafür bräuchte es eine außerordentliche Hauptversammlung.

Den 160000 Beschäftigten ist zu wünschen, dass der Umbau schneller Früchte trägt als die Rezession kommt. Wenn das misslingt, steht Thyssenkrupp nicht mehr am finanziellen Abgrund, sondern ist einen Schritt weiter.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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