Lesezeit: 2 Min

Scheinriese: Geplanten Fusion von Peugeot Citroën und Fiat Chrysler

Foto: TTTAAA / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Scheinriese: Geplanten Fusion von Peugeot Citroën und Fiat Chrysler

.

Noch auf der Automesse IAA im September hat PSA-Chef Carlos Tavares der Idee eines Zusammenschlusses von Peugeot Citroën mit Fiat Chrysler (FCA) eine klare Absage erteilt. "Wir brauchen keine Allianz und konzentrieren uns auf uns." Die intensive Nabelschau hat offenbar zu dem Ergebnis geführt, dass der italienisch-amerikanische Autobauer mit der starken Position im US-Markt wohl doch ganz gut ins wachsende Tavares-Imperium passen würde. Jedenfalls sind die Gespräche mittlerweile kurz vor dem Abschluss, wie es aus Kreisen heißt.

Die Erfolgsaussichten sind tatsächlich höher einzuschätzen als beim gescheiterten Werben von FCA um Renault. Bei den Franzosen war nach der Verhaftung des langjährigen CEO Carlos Ghosn ein Führungschaos ausgebrochen. Der französische Staat, der 15 Prozent an Renault kontrolliert, fürchtete um seinen Einfluss. Zwar hält Frankreich auch an PSA 12 Prozent. Die Vorzeichen sind jedoch gänzlich andere. PSA-Chef Tavares soll in dem neuen Schwergewicht die Führungsrolle einnehmen und damit Fiat sowie deren Verwaltungsratschef John Elkann aus der Patsche helfen. Der Agnelli-Spross sucht schon länger nach einem Partner für den technologisch weit zurückgefallenen Autobauer.

Tavares, der nach Peugeot auch Opel im Eiltempo saniert hat, soll auch bei FCA kräftig an der Kostenschraube drehen dürfen. Italienische Gewerkschaften haben ebenso wie die IG Metall in Deutschland bereits Widerstand gegen Stellenstreichungen angedroht. Einfach wird es also nicht. Aber Tavares, der auf milliardenschwere Kostensynergien abzielen dürfte, hat sich den Spitznamen "Le Cost Killer" auch nicht damit verdient, dass er nur offenliegendes Einsparpotenzial gehoben hätte.

Entsteht hier also ein neuer Gigant? Mit fast 9 Millionen verkauften Autos im Jahr ist PSA-FCA fast auf Augenhöhe mit VW, Toyota und Renault-Nissan. Bei einigen wesentlichen Herausforderungen, die Autohersteller kooperieren und konsolidieren lassen, stehen die Firmen aber erst am Anfang. In Bezug auf die Elektromobilität hat PSA wenig und FCA nichts zu bieten. Um Strafzahlungen in der EU zu vermeiden, haben die Italiener sogar eine Art Ablasshandel mit Tesla vereinbart. Beim autonomen Fahren sind beide schwach auf der Brust. Fiat Chrysler setzt hier auf das Start-up Aurora, PSA hat die Entwicklung selbstfahrender Systeme über Level 3 unlängst aufgegeben. Während der nötigen, wohl langwierigen Integration dürfte der Rückstand auf die Rivalen weiter wachsen. Bei genauer Betrachtung ist der neue Gigant nur ein Scheinriese.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
371 Wörter im Bericht.

Wirtschaft (Top 10/365)

  • Automobilindustrie: Innovativ und zukunftssicher?
    Freitag, 11. Januar 2019

    Wirtschaftsminister Altmaier beklagt schwere Versäumnisse der deutschen Automobilindustrie: Die Branche sei bei Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren und Elektroautos nicht optimal aufgestellt,...

  • Handelsabkommen: Der freie Handel lebt
    Freitag, 01. Februar 2019

    Heute ist ein großer Tag für den freien Handel. Ab heute gilt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, zudem halten China und USA eine Einigung in ihrem Handelsstreit endlich für möglich....

  • Deutsche Wirtschaft lehnt Altmaiers Industriestrategie ab
    Samstag, 23. Februar 2019

    Deutschlands Industrie lehnt Pläne von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) klar ab, mit staatlicher Beteiligung "nationale Champions" zu schaffen. "Politische Eingriffe mit dem Ziel, bestimmte...

  • BASF: Gründlich verschätzt
    Dienstag, 09. Juli 2019

    In den vergangenen Tagen war im Markt geradezu stündlich mit einer Gewinnwarnung der BASF gerechnet worden. Die Investoren waren auf schlechte Nachrichten aus dem weltgrößten Chemiekonzern...

  • Handelsstreit: Zwei Milliarden Euro Verlust
    Montag, 13. Mai 2019

    Der US-China Handelskonflikt belastet die deutsche Exportwirtschaft. Bleiben die neuen US-Zölle bestehen, wird China reagieren – das kostet die deutschen Exporte im kommenden Jahr zwei Milliarden...

  • Nationale Industriestrategie 2030: Im Ansatz richtig
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Die Industrie ist ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat deshalb eine neue Strategie vorgelegt, mit der er die politischen Rahmenbedingungen für die nächsten...

  • Autozölle: Gefahr für das deutsche Geschäftsmodell
    Montag, 18. Februar 2019

    Auch 2018 exportierte Deutschland in kein anderes Land so viel wie in die USA. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn Trump tatsächlich hohe Strafzölle auf Autos einführt. Sollte der US-Präsident Autoimporte...

  • Reform der Grundsteuer muss endlich umgesetzt werden
    Mittwoch, 05. Juni 2019

    Vor dem Hintergrund anhaltender Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition drängen die Gewerkschaften auf eine schnelle Grundsteuerreform. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell...

  • Handelsstreit: Dicke Luft
    Dienstag, 08. Januar 2019

    Beim Treffen in Beijing wollen die USA und China endlich den Handelsstreit beilegen. Allerdings ist eine Einigung kaum zu erwarten, denn das US-Handelsbilanzdefizit ist weiter gestiegen und die...

  • Fusionspläne Deutscher Bank und Commerzbank: Mehr als 20.000 Arbeitsplätze im Feuer
    Montag, 18. März 2019

    Der Deutschen Bank und der Commerzbank stehen angesichts der Fusionspläne massive Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft bevor. Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet eine "intensive und...