#zeitfokus.

Samstag, 30 Mai 2020
Foto: TTTAAA / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
 1-2 Minuten Lesezeit  371 Worte im Text  vor 213 Tagen

Noch auf der Automesse IAA im September hat PSA-Chef Carlos Tavares der Idee eines Zusammenschlusses von Peugeot Citroën mit Fiat Chrysler (FCA) eine klare Absage erteilt. "Wir brauchen keine Allianz und konzentrieren uns auf uns." Die intensive Nabelschau hat offenbar zu dem Ergebnis geführt, dass der italienisch-amerikanische Autobauer mit der starken Position im US-Markt wohl doch ganz gut ins wachsende Tavares-Imperium passen würde. Jedenfalls sind die Gespräche mittlerweile kurz vor dem Abschluss, wie es aus Kreisen heißt.

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Bundesregierung plant neue Corona-Hilfen für Mittelstand

Die Erfolgsaussichten sind tatsächlich höher einzuschätzen als beim gescheiterten Werben von FCA um Renault. Bei den Franzosen war nach der Verhaftung des langjährigen CEO Carlos Ghosn ein Führungschaos ausgebrochen. Der französische Staat, der 15 Prozent an Renault kontrolliert, fürchtete um seinen Einfluss. Zwar hält Frankreich auch an PSA 12 Prozent. Die Vorzeichen sind jedoch gänzlich andere. PSA-Chef Tavares soll in dem neuen Schwergewicht die Führungsrolle einnehmen und damit Fiat sowie deren Verwaltungsratschef John Elkann aus der Patsche helfen. Der Agnelli-Spross sucht schon länger nach einem Partner für den technologisch weit zurückgefallenen Autobauer.

Tavares, der nach Peugeot auch Opel im Eiltempo saniert hat, soll auch bei FCA kräftig an der Kostenschraube drehen dürfen. Italienische Gewerkschaften haben ebenso wie die IG Metall in Deutschland bereits Widerstand gegen Stellenstreichungen angedroht. Einfach wird es also nicht. Aber Tavares, der auf milliardenschwere Kostensynergien abzielen dürfte, hat sich den Spitznamen "Le Cost Killer" auch nicht damit verdient, dass er nur offenliegendes Einsparpotenzial gehoben hätte.

Entsteht hier also ein neuer Gigant? Mit fast 9 Millionen verkauften Autos im Jahr ist PSA-FCA fast auf Augenhöhe mit VW, Toyota und Renault-Nissan. Bei einigen wesentlichen Herausforderungen, die Autohersteller kooperieren und konsolidieren lassen, stehen die Firmen aber erst am Anfang. In Bezug auf die Elektromobilität hat PSA wenig und FCA nichts zu bieten. Um Strafzahlungen in der EU zu vermeiden, haben die Italiener sogar eine Art Ablasshandel mit Tesla vereinbart. Beim autonomen Fahren sind beide schwach auf der Brust. Fiat Chrysler setzt hier auf das Start-up Aurora, PSA hat die Entwicklung selbstfahrender Systeme über Level 3 unlängst aufgegeben. Während der nötigen, wohl langwierigen Integration dürfte der Rückstand auf die Rivalen weiter wachsen. Bei genauer Betrachtung ist der neue Gigant nur ein Scheinriese.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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