Min

Muskelspiele: Eskalation im Handelsstreit

Foto: Lou Asen / CC0 (via Pixabay)

Wirtschaft
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Muskelspiele: Eskalation im Handelsstreit

.

Es ist wieder August, und wieder gerät China in den Fokus der globalen Kapitalmärkte. Und wieder geschieht dies zu der Zeit im Jahresverlauf, wenn an den Handelsplätzen in Europa und Nordamerika ferienbedingt die Liquidität geringer als üblich ist. Doch eines ist diesmal anders: Während die August-Unruhen an den Finanzmärkten in den vergangenen Jahren innerchinesische Ursachen hatten - Kapitalflucht oder Platzen einer Blase am vollkommen überhitzten Aktienmarkt in Schanghai -, kommt der Auslöser diesmal von außerhalb. Es ist die neue Eskalationsstufe, die US-Präsident Donald Trump im Handelsstreit mit der Volksrepublik gezündet hat mit der Ankündigung, quasi alle chinesischen Einfuhren in die Vereinigten Staaten mit höheren Zöllen zu belegen.

Dies allein hätte schon genügt, die Investoren zum Wochenauftakt zu verunsichern. Doch nun kommt hinzu, dass China, um in der kriegerischen Marktrhetorik zu bleiben, zurückgeschossen hat. Die Antwort erfolgte am Währungsmarkt, wo die Volksrepublik aufgrund ihres Handelsbilanzüberschusses mit den USA deutlich effizienter ihre Muskeln spielen lassen kann, als wenn sie nur Gegenzölle erheben würde.

Die Kommunistische Partei, die wegen der Unruhen in Hongkong ohnehin angespannt sein dürfte, hat ein deutliches Zeichen der Stärke in Richtung der USA gesetzt. Sie ließ es zu, dass eine rote Linie nach elf Jahren wieder überschritten wurde: die Marke von 7 Yuan je Dollar. Peking signalisierte damit, dass es jenseits der Streitigkeiten um Handelsvolumina und Zölle handlungsfähig ist und die USA treffen kann. Denn die Abwertung des Yuan hebt die Wirkung der Zölle zum Teil wieder auf. Dabei ist es egal, ob die People's Bank of China zur Schwächung des Yuan intervenierte oder ob sie einfach den Markt laufen ließ und nicht nur am freieren Markt in Hongkong, sondern auch zu Hause in Schanghai sich der Yuan-Abwertung nicht entgegenstellte.

Das Resultat ist ein Zeichen der Stärke gegenüber Trump, der sich ohnehin latent lächerlich macht mit der Behauptung, "die Chinesen" würden die neuen Zölle zahlen müssen. Allerdings heißt das Muskelspiel auch, dass der Handelsstreit eine neue Stufe erreicht hat und sich vom Warenhandel auf den Währungsmarkt ausgeweitet hat. Willkommen im Währungskrieg.

Das chinesische Muskelspiel wird Trumps Druck auf die US-Notenbank zu weiteren Zinssenkungen erhöhen. Anleger sollten sich davon allerdings nicht zu viel erhoffen. Schon die Zinssenkung der Fed von vergangener Woche war schnell verpufft.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
371 Wörter im Bericht.

Wirtschaft (Top 10/365)

  • Handelsabkommen: Der freie Handel lebt
    Freitag, 01. Februar 2019

    Heute ist ein großer Tag für den freien Handel. Ab heute gilt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan, zudem halten China und USA eine Einigung in ihrem Handelsstreit endlich für möglich....

  • Deutsche Wirtschaft lehnt Altmaiers Industriestrategie ab
    Samstag, 23. Februar 2019

    Deutschlands Industrie lehnt Pläne von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) klar ab, mit staatlicher Beteiligung "nationale Champions" zu schaffen. "Politische Eingriffe mit dem Ziel, bestimmte...

  • BASF: Gründlich verschätzt
    Dienstag, 09. Juli 2019

    In den vergangenen Tagen war im Markt geradezu stündlich mit einer Gewinnwarnung der BASF gerechnet worden. Die Investoren waren auf schlechte Nachrichten aus dem weltgrößten Chemiekonzern...

  • Handelsstreit: Zwei Milliarden Euro Verlust
    Montag, 13. Mai 2019

    Der US-China Handelskonflikt belastet die deutsche Exportwirtschaft. Bleiben die neuen US-Zölle bestehen, wird China reagieren – das kostet die deutschen Exporte im kommenden Jahr zwei Milliarden...

  • Nationale Industriestrategie 2030: Im Ansatz richtig
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Die Industrie ist ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat deshalb eine neue Strategie vorgelegt, mit der er die politischen Rahmenbedingungen für die nächsten...

  • Autozölle: Gefahr für das deutsche Geschäftsmodell
    Montag, 18. Februar 2019

    Auch 2018 exportierte Deutschland in kein anderes Land so viel wie in die USA. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn Trump tatsächlich hohe Strafzölle auf Autos einführt. Sollte der US-Präsident Autoimporte...

  • Reform der Grundsteuer muss endlich umgesetzt werden
    Mittwoch, 05. Juni 2019

    Vor dem Hintergrund anhaltender Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition drängen die Gewerkschaften auf eine schnelle Grundsteuerreform. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell...

  • Fusionspläne Deutscher Bank und Commerzbank: Mehr als 20.000 Arbeitsplätze im Feuer
    Montag, 18. März 2019

    Der Deutschen Bank und der Commerzbank stehen angesichts der Fusionspläne massive Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft bevor. Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet eine "intensive und...

  • Ausländische Investitionen: Die EU erweitert Spielräume der Mitgliedstaaten
    Freitag, 15. Februar 2019

    Bisher hat nur jedes zweite EU-Land ein eigenes Verfahren, um außereuropäische Investitionen formal zu überprüfen. Die EU wird auch weiterhin die Entscheidung darüber allein den Mitgliedstaaten...

  • Hauptziel der Streiks bei Amazon bleibt ein Tarifvertrag
    Dienstag, 14. Mai 2019

    Am 14. Mai 2013 traten an den Amazon-Standorten Bad Hersfeld und Leipzig Beschäftigte zum ersten Mal in einen Tagesstreik. Sechs Jahre nach den ersten ganztägigen Streiks bei Amazon in Deutschland...