Donnerstag, 06 Aug 2020
Die Aufträge bleiben aus, die Lieferketten sind unterbrochen, jedes siebte Unternehmen erwartet aktuell Geldengpässe.
 2-3 Minuten Lesezeit  499 Worte im Text  vor 47 Tagen

Während die Wirtschaft nach den Corona-Lockerungen langsam wieder hochfährt, verharrt die Industrie im Krisenmodus. Die Aufträge bleiben aus, die Lieferketten sind unterbrochen, jedes siebte Unternehmen erwartet aktuell Geldengpässe. Das geht aus einer bundesweiten Betriebsumfrage der IG Metall in ihren Branchen hervor, aus der die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ, Samstagsausgabe) zitiert.

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Foto: S. Hermann & F. Richter / CC0 (via Pixabay)

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IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sieht "Hunderttausende Stellen in Gefahr", allein durch drohende Insolvenzen seien "150.000 Arbeitsplätze akut bedroht, wenn nicht schnell sichtbar konjunkturelle Impulse gesetzt werden", sagte er der WAZ. Denn: "Die Metall- und Elektroindustrie sowie der Stahl befinden sich noch im Abwärtsstrudel. In Branchen wie dem Maschinenbau und dem Anlagenbau schlagen die Auftragseinbrüche erst jetzt richtig durch, über 20 Prozent der Betriebe haben erst im Mai oder Juni mit Kurzarbeit begonnen."

Besonders die exportabhängige deutsche Industrie leide nach wie vor unter der globalen Rezession. In der aktuellen Phase werde sich zeigen, wie weit die Kurzarbeit noch trage und wann die Betriebe begännen, ihre Kosten verstärkt durch Personalabbau zu senken. Noch befänden sich allein in der Metall- und Elektroindustrie über zwei Million Beschäftigte in Kurzarbeit. Der Umfrage zufolge fahren derzeit sieben von zehn Betrieben Kurzarbeit, Tendenz immer noch steigend.

Denn die Auftragslage bleibt kritisch: Bei 17 Prozent der Betriebe ist der Auftragseingang völlig abgebrochen, bei über 50 Prozent auf Krisenniveau. Auch, wer Aufträge hat, kommt nur schwer in Gang, weil die Lieferketten bei mehr als jedem zweiten Betrieb gestört bis akut gefährdet sind.

Das macht sich in den Firmenkassen bemerkbar: Fast jeder zehnte Betrieb hat aktuell Liquiditätsengpässe, jeder siebte (14,1 Prozent) erwartet für die kommenden vier bis sechs Wochen, dass das verfügbare Geld knapp wird. Am größten sind die Sorgen in der Stahlindustrie (21,7 Prozent) und in der Metallerzeugung (19,4 Prozent), wo bereits jeder fünfte Betrieb Liquiditätssorgen hat.

11 Prozent der Betriebe bauen auch Stammarbeitsplätze ab. Weit härter trifft es die Nicht-Stammbelegschaft: Vier von zehn Betrieben haben sich von Leiharbeitern getrennt, 35 Prozent befristete Arbeitsverhältnisse auslaufen lassen, 16 Prozent Werkverträge gekündigt.

Die Sorgen der Industrie kommen IG-Metall-Chef Hofmann im Konjunkturpaket der Bundesregierung zu kurz. Von den 130 Milliarden Euro ziele nur der kleinere Teil, etwa 35 Milliarden Euro, auf die kurzfristige Belebung der Konjunktur. Dabei sei offen, was etwa die Senkung der Mehrwertsteuer bringe. "Das ist eher eine Schrotflinte. Restaurants werden sie nutzen, um mehr zu verdienen statt die Preise zu senken - was in ihrer Situation nachvollziehbar ist, aber den Konsum nicht steigert", sagte Hofmann. "Und die Autohersteller werden damit vor allem SUV und großräumige Fahrzeuge bewerben, weil sie die größten Gewinnmargen bringen."

Er hätte sich daher "zielgenauere Impulse wie die Umweltprämie gewünscht". Dass er nach seiner Kritik an der SPD-Spitze, die diese Umweltprämie verhindert hatte, als Wahrer klimaschädlicher Industrien hingestellt wurde, mag er nicht so stehen lassen. Die Mehrwertsteuersenkung fördere nun "vor allem Autos der höheren Preisklasse, egal, was aus dem Auspuff kommt. Das soll klimafreundlicher sein?", fragt Hofmann rhetorisch. Eine "konditionierte Prämie" hätte dagegen vor allem den Absatz kleinerer, sparsamer Wagen angeschoben.

Quelle: ots/Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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