Freitag, 03 Jul 2020
Auch Privataktionäre werden sich überlegen müssen, ob sie ihr Investment umschichten.
Auch Privataktionäre werden sich überlegen müssen, ob sie ihr Investment umschichten. Foto: dmkoch / CC0 (via Pixabay)
 1-2 Minuten Lesezeit  350 Worte im Text  vor 38 Tagen

Pandemie hin, Wirtschaftskrise her: Siemens zieht die Zerlegung des Konzerns durch. Das Management bucht den Aktionären im September Anteilscheine des neuen Unternehmens Siemens Energy ins Depot. Diese Transaktion ist mit den früheren Abspaltungen des Lichtgeschäfts und der Medizintechnik nicht zu vergleichen, weil die Energieaktivitäten mit einem Jahresumsatz von 29 Mrd. Euro ungleich gewichtiger sind. Auch Privataktionäre werden sich überlegen müssen, ob sie ihr Investment umschichten. Lockt die Industrieautomatisierung oder doch das Energiegeschäft?

Marcel Fratzscher
Foto: Heinrich-Böll-Stiftung / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Perverse Anreize im Klimapaket

Die neue Energy-Aktie hat mit Gegenwind technischer und operativer Art zu kämpfen. Erstens: Der Verkaufsdruck an der Börse wird anfangs groß sein. Indexfonds und kohlekritische Investoren ziehen unweigerlich ihr Geld ab. Siemens hat zwar vorgesorgt, indem der Konzern anfangs nur 55 Prozent der Anteilscheine abgibt und außerdem die Banken stabilisierend wirken. Aber zu allem Überfluss lastet auch die Aussicht auf dem Kurs, dass Siemens weitere Aktien in den Markt geben will.

Langfristig wichtiger ist der zweite Faktor: Die operative Performance muss besser werden. Im ersten Halbjahr 2019/20 steht ein Verlust zu Buche. Die konventionelle Energieerzeugung ist auf dem Rückzug, die Windbranche nicht profitabel. Andererseits: Wenn die laufenden Sparprogramme sich in den Jahren 2021/22 auszahlen, wird der Aktienkurs anziehen.

Die Aktie der Siemens AG dagegen, die das künftige Kerngeschäft repräsentiert, kann auf Aufwind hoffen - wobei die Coronakrise auf die Stimmung drückt. Die Mathematik jedoch ist klar: Das Kerngeschäft ist grotesk unterbewertet. Fast keine andere Aktie in dem Sektor schnitt in diesem Jahr so schlecht ab, hat das Research der Deutschen Bank in einem Pro-forma-Vergleich ermittelt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der künftigen AG liegt 40 Prozent niedriger als bei Wettbewerbern. Die Geschichte wiederholt sich: Die Siemens-Aktie hatte auch vor den Abspaltungen von Osram (2013) und Healthineers (2018) eine schlechte Performance gezeigt, um anschließend aufzuholen.

Eine echte Diskussion über die Siemens-Strategie wird es nicht geben. Das Management erlaubt keine Live-Teilnahme an der außerordentlichen Online-Hauptversammlung, die Fragen müssen zuvor eingereicht werden. Dies ist bedauerlich, denn die eigentliche Bewertungsfrage hätte eine engagierte Debatte verdient gehabt: ob die Zerlegung in drei Konzerne für Industrie, Medizintechnik und Energie der richtige Weg ist.

Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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