Foto: Mario Ohibsky / CC0 (via Pixabay)
 1-2 Minuten Lesezeit  337 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 6,2% nach zuvor 6,4% gewachsen. Im Weltmaßstab ist das eine stramme Performance, für das Reich der Mitte allerdings ist es der schwächste Wachstumsausweis seit Beginn der Quartalserfassung vor 27 Jahren. An den Märkten sorgt dies aber für wenig Aufregung. Der schleichende Wachstumsrückgang ist insbesondere vor dem Hintergrund des Handelskonflikts mit den USA breit erwartet worden. Für das Gesamtjahr 2019 rechnen die Experten mit mindestens 6,1% Wachstum - sofern es nicht zum ganz großen Knall zwischen Peking und Washington kommt.

CentrO in Oberhausen
Foto: Anagoria / CC BY 3.0 (via Wikimedia Commons)

Corona-Erlass ist die richtige Entscheidung

Bezeichnenderweise lässt es sich US-Präsident Donald Trump nicht nehmen, per Twitter seinen Senf zum China-Wachstum zu geben. Er betont, dass die US-Strafzölle den "Haupteffekt" für Chinas Konjunkturbremsung darstellen, und droht zugleich wieder, dass noch mehr Zölle kommen könnten. Trumps Schadenfreude über einen von ihm wesentlich beeinflussten Niedergang der chinesischen Wirtschaft in den vergangenen Monaten deckt sich allerdings nicht ganz mit der ökonomischen Realität.

Selbstverständlich erweist sich der Handelsstreit als Belastung für Chinas Wirtschaft, weil er sowohl auf die Stimmung im Industriesektor drückt als auch das Konsumvertrauen angreift. Für die konjunkturelle Abkühlung aber sind auch längerfristige, strukturelle Effekte verantwortlich. Dabei spielen Nachwirkungen einer Finanzstabilitätskampagne und gedrosselte Anlageinvestitionen eine Rolle, die mit der Handelspolitik wenig zu tun haben. Der Außenhandel für sich genommen wiederum ist bislang keineswegs der große Bremsklotz. Chinas Nettoexporte steuerten in der ersten Jahreshälfte gut 20% zum Outputwachstum bei - ein extrem hoher Wert. Dabei haben nicht zuletzt Vorzieheffekte in Erwartung verschärfter Strafzölle eine Rolle gespielt. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass außenwirtschaftliche Bremseffekte erst im weiteren Jahresverlauf stärker negativ auf Chinas Wachstum durchschlagen werden.

Allerdings nähren flottere Konjunkturdaten im Juni die Hoffnung, dass die "wirtschaftspsychologische" Beeinträchtigung des Handelsstreits wieder nachlässt und sich die Binnennachfrage auf Erholungskurs befindet. Chinas noch behutsame Stimulierungspolitik beginnt zu greifen und kann bei Bedarf weiter verstärkt werden. Das offizielle Wachstumsziel für 2019 von mindestens 6% scheint bislang nicht in Gefahr. Eher scheint Trump sein Ziel zu verfehlen, Chinas Wirtschaft mit handelspolitischen Drohungen zum Entgleisen zu bringen.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
#mehrNachrichten
Das Bundesumweltministerium will sowohl das Bundesnaturschutz- als auch das Wasserhaushaltsgesetz reformieren.

Insektenschutzgesetz: Ministerium will Gewässerrandstreifen und weniger Lichtverschmutzung

Das Bundesumweltministerium hat Reformvorschläge zum stärkeren Schutz von Insekten vorgelegt. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Referentenentwurf zum sogenannten...
Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamten fordert externe Ombudsstellen
Foto: Gundula Vogel

Rechtsextremismus in der Polizei

Genau zwei Jahre nach der ersten Drohmail mit dem Absender "NSU 2.0" an die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz haben die Ermittler noch keinen Durchbruch erzielt. Am Nachdruck bei der...
Asperg, Deportation von Sinti und Roma
Foto: Bundesarchiv R 165 Bild-244-47 / CC BY-SA 3.0 DE

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnt vor neuem Nationalismus

Vor dem Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma an diesem Sonntag (2. August) hat der Zentralratsvorsitzende in Deutschland, Romani Rose, vor einem neuen Nationalismus in Europa gewarnt. In einem...
Europa muss auch sicherheitspolitisch einen Mehrwert produziert. Dies ist eine der großen Zukunftsaufgaben.

Akut einsturzgefährdet

Donald Trump spielt wieder die deutsche Karte. Man täusche sich nicht: Der US-Präsident mag zwar wie von allen guten Geistern verlassen durch die Corona-Krise irren, doch am sicheren Gespür für die...
Da die Internetbranche aufgrund der Schwarmintelligenz, oder besser gesagt des Herdentriebs der Nutzer besonders zur Monopolisierung neigt, wird Corona den Einfluss dieser Konzerne noch stärken.
Foto: NordWood

Milliardengewinne der Tech-Riesen

Auch das hat uns der Corona-Lockdown deutlich vor Augen geführt: Die Internetwirtschaft folgt ihren eigenen Gesetzen. Während viele Branchen im zweiten Quartal über extreme Umsatzeinbrüche klagten...
Gregor Gysi
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1124-012 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud / CC BY-SA 3.0 DE

Ich hätte 1989 Nein sagen sollen, Politiker zu werden

Gregor Gysi führt seine Herzinfarkte auf den Stress und die Anfeindungen gegen ihn als Linken-Politiker zurück. "Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich im Dezember 1989 Nein sagen...
Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag nützt denen am wenigsten, die sie am dringendsten brauchen
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Anrechnung des Kindergeldes auf Hartz IV stoppen

Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, hat die Pläne der Bundesregierung kritisiert, das Kindergeld und den Kinderfreibetrag ab 1. Januar 2021 zu erhöhen, und die Forderung nach einer...
Back To Top