#zeitfokus.

Federal Reserve Gebäude
Federal Reserve Gebäude Foto: Tim Evanson / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)
 1-2 Minuten Lesezeit  370 Worte im Text  vor 89 Tagen

Was für ein Paukenschlag: Die US-Notenbank Fed senkt wegen der Risiken für die US-Wirtschaft durch das Coronavirus außerplanmäßig ihren Leitzins um 50 Basispunkte. Das ist das erste Mal seit der Weltfinanzkrise im Jahr 2008, dass die US-Währungshüter ihren Schlüsselsatz außer der Reihe senken. Im besten Fall trägt die Fed mit dem Schritt dazu bei, die weltweit um sich greifende Panik wegen des Coronavirus zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht zu dämpfen. Im schlimmsten Fall aber geht das nach hinten los - und die Fed richtet mehr Schaden als Nutzen an.

Corona gibt uns die Chance zu überdenken, an welchen Maßstäben wir uns orientieren wollen.
Foto: Rebecca Holm

Wir tun das Richtige

Es ist sicher nicht übertrieben, das Coronavirus als größtes Wirtschaftsrisiko seit der Finanzkrise zu bezeichnen, wie es die OECD getan hat. Und es stimmt, dass Notenbanken nicht tatenlos zusehen können, wenn sich wie zuletzt an den Finanzmärkten Panik breitmacht. Im Idealfall beruhigt das Ausrufezeichen der Fed die Gemüter an den Märkten. Genauso richtig ist aber, dass sich die wirtschaftlichen Effekte des Coronavirus noch gar nicht seriös beziffern lassen. Und die Geldpolitik darf auch nicht zur Vollkaskoversicherung irrationaler Märkte mutieren. Die Notenbanken müssen zudem aufpassen, mit Aktionismus nicht selbst zusätzliche Panik zu schüren.

Ohnehin erscheint es gegenwärtig mehr als fraglich, was die Notenbanken überhaupt (noch) bewirken können. Das hat nicht nur mit den leergeräumten Instrumentenkästen zu tun. Vielmehr kann eine geldpolitische Lockerung primär angebotsseitige Schocks wie durch das Coronavirus kaum mindern. Gefragt ist in erster Linie die Fiskalpolitik. Statt Zinssenkungen oder Anleihekäufen braucht es jetzt gezielte Maßnahmen wie Kreditprogramme oder Garantien für besonders betroffene Unternehmen und Branchen. Die große Gefahr ist, dass die Notenbanken die Politik wieder aus der Verantwortung entlassen, wenn sie nun erneut vorpreschen und sich zum Retter aufschwingen.

Mit dem überraschenden Schritt der Fed steigt in jedem Fall der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) - zumal, wenn der Euro weiter aufwerten sollte. Wenn die EZB aber ihren Einlagenzins noch weiter unter null senken sollte, setzt sie damit nur die Banken unter Druck - was kontraproduktiv wäre. Bei den Anleihekäufen dagegen setzen die selbst formulierten Limits Grenzen. Ein Lockerungswettlauf wäre jetzt aber so oder so sicher das Letzte, was die Welt(wirtschaft) braucht. Die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde steht somit früher als gedacht - und wohl auch früher als von ihr erhofft - vor ihrer geldpolitischen Feuertaufe.

Quelle: ots/Börsen-Zeitung
#mehrNachrichten
Mindestpreise wären allerdings "nur eine Art Schamgrenze, damit tierische Produkte nicht unterhalb der Produktionskosten der Landwirte verkauft werden".
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Habeck verteidigt Forderung nach höheren Fleischpreisen

Grünen-Chef Robert Habeck hat seine Forderung nach höheren Fleischpreisen gegen Kritik verteidigt. Supermärkte entwerteten mit Dumpingpreisen für Fleisch oder Milch die Arbeit der Bauern und...
Der BND darf spionieren. Das haben die Richter des Ersten Senats deutlich klar gestellt.
Foto: stux / CC0 (via Pixabay)

Urteil zum BND-Gesetz

Dass das Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil diese Woche eine echte Kontrolle des Bundesnachrichtendienstes verfügt hat, passt vielen nicht in den Kram. Wieder einmal betrete Deutschland...
Es gibt am Aktienmarkt auch etliche Unternehmen, die von Corona profitieren.
Foto: 272447 / CC0 (via Pixabay)

Wer von Corona profitiert

Warren Buffett hat jüngst die Reißleine gezogen und sich bei seinem Investmentvehikel Berkshire Hathaway von den Anteilen an allen vier großen US-Airlines getrennt. Das Engagement sei ein "Fehler"...
Wenn die Behörden jetzt verstärkt Gäste kontrollieren, ob sie sich korrekt eintragen, ist das richtig.
Foto: Pexels

Verantwortung für Gäste und Wirte

Unter falschem Namen zu reisen, zu speisen, sich einzutragen und anzumelden, war schon immer ein Fall für Privatdetektive, Polizei, Justiz oder Meldebehörde. Waren vormals vor allem Liebespaare,...
Merkel bleibt nur die Notbremse: Die Länder müssen nun sicherstellen, dass bei einem Hochschnellen der Infektionszahlen, die Beschränkungen gleich wieder eingeführt werden.
Foto: hafteh7 (via Pixabay)

Die Macht der Länderchefs

Es war eine Machtdemonstration des Föderalismus in Deutschland: Getrieben sicherlich von der Sehnsucht der Menschen nach mehr Freiheit, aber auch ganz klar von den Forderungen der regionalen...
Die Grenzen können nicht ewig geschlossen bleiben. Doch in der Debatte um die Lockerungen gilt es zu bedenken, dass das Coronavirus mitreist.
Foto: Erik Odiin

Das Coronavirus reist mit

In der Debatte um Grenzöffnungen geht es um viel mehr als um den kleinen Grenzverkehr und die Frage, wie Lieferanten, Handwerker, Angestellte und Liebespaare diesseits und jenseits der Grenzen ihren...
Mehr als viereinhalb Jahre nach der von US-Umweltbehörden erzwungenen Veröffentlichung der Tricksereien ist das BGH-Urteil eine Backpfeife, mit der die Wolfsburger aber leben können.
Foto: Julian Hochgesang

Backpfeife

Höchstrichterlich ist nun entschieden, dass Volkswagen in Deutschland Besitzern von Dieselfahrzeugen mit unzulässiger Abschalteinrichtung zur Verbesserung von Abgaswerten auf dem Prüfstand...
Back To Top