Freitag, 27 Nov 2020
Donald Trump ist kein Betriebsunfall der amerikanischen Geschichte.
Donald Trump ist kein Betriebsunfall der amerikanischen Geschichte. Foto: History in HD
 2-3 Minuten Lesezeit  493 Worte im Text  vor 23 Tagen

Geschichte wiederholt sich nicht? Bei traumatischen Präsidentschaftswahlen in den USA anscheinend schon. Donald Trump ohne Chance? Dieses Mal wie vor vier Jahren falsch. Auch diesmal keine blaue Welle, kein Durchmarsch für Joe Biden. Die Hoffnungen, dass Hass und Lüge abgestraft würden, dass rassistisches Anstacheln und das politische Rezept des Spaltens nach vier ermüdenden Jahren klar abgewählt würden, haben getrogen.

Der Begriff Rasse gehört, um es klar zu formulieren, auf den Müllhaufen der Geschichte.
Foto: Gemma Chua-Tran

Nicht unantastbar

Donald Trump ist kein Betriebsunfall der amerikanischen Geschichte. Im Gegenteil: Diese Wahl hat den Trumpismus bestätigt, an dem die amerikanische Nation leidet, an der in Wahrheit schon eine ganze Reihe liberaler Demokratien leidet. Warum wir auf keinen Fall Zeuge dieses knappen Wahlergebnisses werden wollten, hat Trump sogleich aufs Drastischste bestätigt. Er stuft die Wahl schon zu einem Zeitpunkt als Betrug ein, zu dem er sie noch gar nicht verloren hat. "Lebendig kriegt Ihr mich hier nicht raus", soll das wohl im Klartext heißen.

Mit der befürchteten Schlacht der Juristen um die Nachzählungen gibt ein Trump sich nicht zufrieden. Er sägt noch energischer als im Wahlkampf an den Grundpfeilern der Demokratie und stachelt damit seine Anhänger auf. Ein klarer Sieg Trumps wäre weniger zersetzend gewesen. So mögen Joe Biden und die Demokraten vielleicht noch eine Mehrheit der Wahlmänner hinter sich bringen können, im klassischen Sinne siegen werden sie nicht mehr. Sie haben alles auf eine Abfuhr Donald Trumps gesetzt und sind dabei krachend gescheitert. "Sleepy Joe" war zu saft- und zu kraftlos, um das Energiebündel Trump aus dem Ring zu stoßen. Er hat keinen Aufbruch, keinen Patriotismus, keinen Zukunftsglauben verströmt, wonach diese Nation so dringend verlangt, die den Glauben an sich selbst verloren hat. Nicht einmal das Versagen des Präsidenten in der Corona-Krise, nicht einmal den Tod zehntausender Amerikaner hat Biden in einen klaren Sieg ummünzen können.

Im Gegenteil: Es hat den Anschein, dass die Corona-Krise Donald Trump am Ende eher geholfen hat. Das Überwinden der eigenen Infektion, mit dem er das Zerrbild des Unbesiegbaren zementieren konnte, war das größte Geschenk, das ihm in diesem Wahlkampf gemacht wurde. Wer das nicht versteht, hat nicht verstanden, wie die Mehrheit der Amerikaner tickt - nicht nur das Heer der weißen Abgehängten, auch die Reichen, auch die Exil-Kubaner in Florida. Die amerikanische Sehnsucht nach Entschiedenheit hat Biden dagegen nie bedienen können.

Das Sträfliche: Er hat es erst gar nicht versucht. Falls er doch noch ins Weiße Haus wird einziehen können, ist er mit seinem Versprechen, das Land zu einen, schon jetzt gescheitert. Wenn er am Ende aber unterliegt, werden die Demokraten einen Linksruck machen, der sie noch weiter als jetzt von der Mehrheitsfähigkeit entfernen wird.

Wahlen haben in Demokratien normalerweise die Funktion, Klarheit zu schaffen und für Befriedung zu sorgen. Diese Wahl aber hat die Polarisierung, die politische und gesellschaftliche Spaltung in den USA und in der Welt noch einmal verschärft. Das ist schon vor der endgültigen Auszählung der Stimmen ein Sieg für Donald Trump. Man muss bangen, was daraus in den kommenden Tagen erwächst. Man ist fast versucht zu beten.

Quelle: ots/Allgemeine Zeitung Mainz
#mehrNachrichten
Demnach meldeten Mitarbeiter im Rahmen einer internen Sonderauswertung für Juni 2020 insgesamt 106 private Finanzgeschäfte mit Bezug zur Wirecard AG.
Foto: Thomas Wolf / CC0 via Wikimedia Commons

Bafin-Mitarbeiter schlossen Wirecard-Geschäfte noch nach Insolvenzmeldung ab

Beschäftigte der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bafin, haben auch noch lange nach offiziellen Meldungen zum Milliardenbetrug beim einstigen Dax-Aufsteiger Wirecard private...
Es herrschten "teilweise miserable Bedingungen in der Milchviehhaltung".
Foto: Wolfgang Ehrecke

Tierschutzbund fordert strengere Vorgaben für Haltung von Milchkühen

Der Deutsche Tierschutzbund hat die Bundesregierung aufgerufen, die Haltungsbedingungen von Milchkühen in Deutschland zu verbessern. Es herrschten "teilweise miserable Bedingungen in der...
Der Verfall der türkischen Lira wurde durch die Personalentscheidungen und die Kehrtwende der Politik jedenfalls gestoppt.
Foto: Kadir Kritik

Radikalkur am Bosporus

Es ist ein Befreiungsschlag für die Lira, was sich in den vergangenen zehn Tagen in der Türkei getan hat. Nach dem Abgang von Zentralbankchef und Finanzminister scheint sich zu bestätigen, dass das...
Es ist nicht auszuschließen, dass ein Teil der Anhängerschaft Trumps den Vorwurf des Wahlbetrugs ernst nimmt und glaubt, die amerikanische Demokratie notfalls auch mit Waffen verteidigen zu müssen.
Foto: Daniel Stub

US-Wahl: "Es kann jetzt zu Gewalt kommen"

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen (CDU), hat vor dem Hintergrund eines als extrem eng erwarteten Ausganges der Präsidentenwahl in den USA Unruhen nicht...
"Deutschland sollte fest an der Seite Frankreichs und Österreichs stehen und dies deutlicher artikulieren", sagte Kuhle
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Deutschland muss im Kampf gegen Islamismus deutlicher werden

Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Konstantin Kuhle, hat die Bundesregierung aufgefordert, sich im Kampf gegen den islamistischen Terror deutlicher an die Seite Frankreichs...
Bandt warnte, die EU-Agrarzahlungen verlören ihre Legitimation beim Steuerzahler.
Foto: Jed Owen

EU-Agrarsubventionen: Regierungsberater wollen über Verteilung mitentscheiden

Aus der von der Bundesregierung eingerichteten "Zukunftskommission Landwirtschaft" werden Rufe laut, die künftige nationale Ausgestaltung der milliardenschweren EU-Agrarsubventionen in diesem...
Trump hat viel stärker als alle seine Vorgänger versucht, das ganze politische System auf sich selbst auszurichten und normale Verfahren zu umgehen oder auszuhebeln.
Foto: Kayle Kaupanger

Brandstifter im Weißen Haus

Die Wahlen brachten nicht das erhoffte klare Ergebnis. Hat Donald Trump noch über die 2016 mobilisierte Anhängerschaft hinaus ein zusätzliches Reservoir anzapfen können?
Back To Top