#zeitfokus.

Donnerstag, 04 Jun 2020
Foto: Bill Oxford / CC0 (via Unsplash)
 2-3 Minuten Lesezeit  478 Worte im Text  vor 172 Tagen

Was lange währt, wird nicht immer gut. Trotz der Marathonüberziehung von mehr als 36 Stunden, trotz eindringlicher Appelle der Wissenschaft und trotz massiver Proteste von Klimaaktivisten ist bei der Madrider Klimakonferenz nur ein dürftiger, ein sehr enttäuschender Minimalkompromiss heraus gekommen. Doch der hilft beim Kampf zur dringend notwendigen Begrenzung der Erderwärmung kaum weiter. In Madrid hat der gesamte Globus verloren.

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Foto: stux / CC0 de (via Pixabay)

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Vor allem die großen Bremser von ambitionierten, weitergehenden Klimaschutzzielen - etwa die USA, Brasilien oder Australien - sind dabei, sich an künftigen Generationen zu versündigen. Sie tragen unbeirrt weiter kräftig zum Klima-Chaos und den damit verbundenen extremen Wetterunbilden bei, mit denen sich die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten herumschlagen muss. Dabei war der Druck, zu wirklich substanziellen Ergebnissen zu kommen, noch nie so groß wie heute. Innerhalb weniger Monate entwickelte sich aus dem Schulstreik-Protest der schwedischen Aktivistin und Flugverweigerin Greta Thunberg eine machtvolle globale Bewegung. Was vor Jahrzehnten im Ost-West-Konflikt die Friedensbewegung gegen das gefährliche atomare Wettrüsten war, das sind heute viele - mehr oder weniger radikale - Aktionsbündnisse gegen die Erderwärmung zum Schutz der Lebensgrundlagen der Menschheit.

Und richtete sich der Protest gegen den drohenden Atomkrieg einst gegen eine kaum direkt wahrnehmbare Gefahr, so sind die Folgen der zunehmenden Klimaveränderung heute längst Realität. Auch das hoch industrialisierte Deutschland leidet unter dem Temperaturanstieg, unter zunehmenden Trockenheiten einerseits sowie extremen Niederschlägen und Stürmen andererseits. Die Erderwärmung ist nicht irgendeine Spinnerei von Neurotikern, sondern nicht mehr von der Hand zu weisen. Wir befinden uns längst mitten drin. Und nicht einmal seriöse Wissenschaftler können sagen, an welchen Punkten der Prozess kippt, wann die Klimaveränderung nicht mehr aufgehalten werden kann, sondern nur noch deren schlimmste Folgen gemildert werden können.

Madrid hat gegen dieses Restrisiko, das allen Prognosen anhaftet, leider substanziell nichts gebracht. Ein belastbares Regelwerk für den weltweiten Handel mit Klimaschutzzertifikaten etwa wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Die kurzsichtigen Trickser und Bewahrer der fossilen Energiewirtschaft haben verheerenderweise Sand ins Verhandlungsgetriebe gestreut. Die Europäische Union, die mit der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen immerhin markige Ziele für den Klimaschutz aufstellen will, hat sich im Verein mit anderen Partnern leider nicht durchsetzen können. Gleichwohl dürfen die Europäer nicht locker lassen. Die anderen Staaten schauen auf die EU. Kann die Gemeinschaft der 27 vorangehen, schafft sie den Umstieg auf eine klimafreundliche Wirtschaft und Energieerzeugung, wird das Auswirkungen auf den Rest der Welt haben. Auch wenn Klima-Optimismus derzeit verdammt schwer ist.

Und Deutschland? Mit Ausnahme der AfD, die den menschengemachten Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre hartnäckig leugnet, haben alle wichtigen politischen Parteien hierzulande dem Kampf gegen die Erhitzung des Planeten ganz oben auf der Agenda. Das ist längst kein Alleinstellungsmerkmal der Grünen mehr, wenngleich der Ökopartei die größte Kompetenz und Glaubwürdigkeit beigemessen werden. Allerdings ist der wirkliche Umstieg zu einer CO2-neutralen Wirtschaftsweise eine gigantische Aufgabe, viel größer jedenfalls als die Mondmission der USA vor fünf Jahrzehnten.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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