Sonntag, 12 Jul 2020
Foto: Nhelia / pixabay (CC)
 2-3 Minuten Lesezeit  541 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Der Meeresspiegel steigt und macht vor dem Wattenmeer nicht halt. Seit 1900 ist der Pegel im Wattenmeer vor Schleswig Holstein durchschnittlich um 1,6 mm pro Jahr gestiegen. Der WWF rechnet damit, dass sich dieser Trend durch den Klimawandel wesentlich beschleunigt. Die steigende See wird das als Nationalpark und Weltnaturerbe geschützte Wattenmeer vor gewaltige Probleme stellen.

empty alt
Foto: Detmold / CC0 (via Pixabay)

Niedersachsens Energieminister Lies kritisiert Windpläne des Bundes als "Anleitung zum Reißen der Klimaziele"

„Wenn wir in den kommenden Jahrzehnten nicht beginnen, mit regionalen Anpassungsmaßnahmen gegenzusteuern, steht das Wattenmeer vor dem Untergang“, warnt Jannes Fröhlich vom WWF Deutschland. „Riesige Wattflächen würden ständig überflutet, Insel- und Halligufer weggespült und mit dem Meeresspiegel steigt das Sturmflutrisiko. Damit das Wattenmeer nicht ertrinkt, muss es mit dem Meeresspiegel in die Höhe wachsen.“ Damit dies aber noch rechtzeitig erfolgen könne, müsse es laut WWF neben regionalen Maßnahmen zu einem wirksamen Klimaschutz auf globaler Ebene kommen.

In einer jetzt vorgelegten WWF-Studie werden 13 Fallbeispiele von Projekten aus den Niederlanden, England, den USA und anderen Ländern vorgestellt, aus denen sich Möglichkeiten zur Klimaanpassung durch „Wachsen mit dem Meer“ für das Wattenmeer ableiten lassen.

Die wichtigsten Ergebnisse: Besonders an flachen Küsten müssen Wattflächen, Salzwiesen und Inseln erhalten und, falls nicht mehr vorhanden, wiederhergestellt werden. Dadurch lasse sich die Widerstandsfähigkeit der Küste stärken. Durch Erosion abgetragene Sedimente können durch die Aufspülung von Sand aufgefüllt werden, wenn die natürlichen Verhältnisse dies erlauben. Auch eine natürliche Dünenentwicklung nach niederländischem Vorbild trage zur Klimaanpassung bei. Dazu gehöre, dass Sand vom Strand durch die Dünen ins Hinterland wehen dürfe. Dies erhöhe das Land und stärke unbesiedelte Inselbereiche. Salzwiesen, die bei hohen Fluten durch abgelagerte Sedimente in die Höhe wachsen, wirken bei Sturmfluten wie ein Puffer zwischen Land und Meer und sollten, wo möglich, wiederhergestellt werden. Doch welche Maßnahme man auch ergreift, es zeige sich an den Fallbeispielen auch, dass man zu ihrer erfolgreichen Umsetzung ein breites Bündnis zwischen den Betroffenen und eine langfristige Raumplanung brauche.

Die besondere Herausforderung im Nationalpark Wattenmeer besteht laut WWF darin, vor allem die Naturkräfte wie Wind und Gezeiten für das „Wachsen mit dem Meer“ zu nutzen und sie dabei möglichst sanft zu unterstützen.

„Maßnahmen zur Klimaanpassung müssen im Wattenmeer zwei Anforderungen erfüllen: Sie müssen dem Schutz der Menschen dienen, zugleich aber zum Erhalt des Nationalparks und Weltnaturerbes mit seiner Artenvielfalt und wilden Natur beitragen“, sagt Jannes Fröhlich vom WWF. Wenn diese Verbindung gelinge, kann die Artenvielfalt und Natürlichkeit der einzigartigen Landschaft an der Nordseeküste auch im Jahr 2100 und darüber hinaus noch erhalten werden.

Die WWF-Studie soll die Umsetzung der „Wattenmeerstrategie 2100” unterstützen, die in diesem Jahr von der schleswig-holsteinischen Landesregierung auf den Weg gebracht wurde. Von Küstenschutz- und Naturschutzbehörden, WWF, der Schutzstation Wattenmeer und der Insel- und Halligkonferenz gemeinsam entwickelt, stellt sie die Weichen dafür, dass das schleswig-holsteinische Wattenmeer sich auch in 100 Jahren noch an den durch den Klimawandel beschleunigt steigenden Meeresspiegel anpassen kann.

Hintergrund:

Die „Wattenmeerstrategie 2100“ ist im Rahmen eines zweijährigen Projektes von Fachleuten aus der Küstenschutz- und Nationalparkverwaltung des Landes Schleswig-Holstein unter Beteiligung von Insel- und Halligkonferenz, Schutzstation Wattenmeer und WWF erstellt worden und wurde im Juni 2015 von der Landesregierung beschlossen. Sie fokussiert vor allem auf Sedimentmanagement bzw. Sandaufspülungen als klein- und großräumig wirksame Anpassungsmaßnahme an den beschleunigten Meeresspiegelanstieg. Diese müssen dabei stets naturverträglich umgesetzt werden. Vgl. dazu auch www.ww.de/watt/ws2100.



Quelle: WWF


#mehrNachrichten
Weiß oder schwarz zu sein, ist ein soziales Konstrukt.
Foto: Olayinka Babalola

Eine freie Gesellschaft kennt keine Rassen

Der Begriff der Rasse hat in Deutschland eine üble Karriere gemacht; auf ihn gründete die NS-Ideologie. Arier-Nachweise und Judensterne, Deportation und Vernichtung - das ganze Grauen beruhte auf...
Freitag räumte Amthor ein: "Es war ein Fehler."
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Union wird zur Aufklärung im Fall Amthor gedrängt

Nach den Enthüllungen über die Nebentätigkeit des CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor wächst der Druck auf die CDU, die Unionsfraktion und den Bundestag, den Fall genau zu untersuchen. Norman...
Das EU-weite Verbot kam erst 22 Jahre nachdem die Rattenstudie Hinweise auf die Gefahr geliefert hatte.
Foto: Erich Westendarp

Forscher fordern Konsequenzen aus Pestizidskandal

Schwedische WissenschaftlerInnen erheben schwere Vorwürfe gegen den Chemiekonzern Dow Chemical/Corteva und Pestizid-Zulassungsbehörden. "Der Hersteller des Insektizids Chlorpyrifos hat die...
Der Einstieg bei Curevac lässt sich nicht mit einer Notsituation begründen.
Foto: Patrick Büttgen / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Fehlinvestment

Wenn ein Staat innovative Unternehmen unterstützen will, kann er die Fördertöpfe vergrößern, er kann steuerlich entlasten und regulatorisch ein Umfeld schaffen, das guten neuen Ideen keine Grenzen...
Bleibt die Kernfrage: Kann Söder überhaupt Kanzler?
Foto: Josef A. Preiselbauer

Der Reiz der Kanzlerkandidatur

Wenn nicht jetzt, dann vielleicht nie: Sollte auch nur im hintersten Gedankenstübchen von Ministerpräsident Markus Söder der Wunsch nach einer Kanzlerschaft herumspuken - und wer würde ernsthaft...
Natürlich ist der Kahlschlag im Warenhausgeschäft auch eine Folge der Corona-Krise.
Foto: Hans Günter Everhartz / CC BY 2.0 (via Flickr)

Ein schwarzer Tag für Karstadt Kaufhof

Man kann die Schließung von 63 Filialen und den Abbau von "nur" 6000 Arbeitsplätzen bei Galeria Karstadt Kaufhof als Erfolg feiern, weil die Arbeitnehmervertreter der Geschäftsführung mehr...
In der Tendenz lässt sich das heute schon ablesen: ESG-Investments kommen recht gut durch die Coronakrise.
Foto: AbsolutVision

Das "S" von ESG im Blick

Die Coronakrise hat für das Entstehen einer neuen Anleiheart gesorgt. Dabei handelt es sich um die sogenannten Covid-19-Response-Bonds oder kurz Covid-19-Bonds. Mit den Erlösen aus diesen Anleihen...
Back To Top