Foto: Karsten Lamprecht / CC0 (via Pixabay)
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Glyphosat - der Name des Unkrautvernichters ist zum Symbol geworden für das, was in der Landwirtschaft falsch läuft. Doch ein Verbot des Unkrautvernichters löst nicht alle Probleme. Es kann nur ein erster Schritt sein, um einen grundlegenden Wandel in der Landwirtschaft einzuleiten. Die Agrarpolitik der vergangenen Jahrzehnte hat ein System geschaffen, das auf Massenproduktion und Preisdumping ausgerichtet ist. Es lässt Landwirten kaum Spielraum, Rücksicht auf Natur, Klima und Tierwohl zu nehmen. Leidtragende dieses Systems sind nicht zuletzt Verbraucher und Kleinbauern.

Das Verbot von Glyphosat erzürnt viele Landwirte, weil das Mittel effektiv und kostengünstig ist. Für manchen konventionell arbeitenden Landwirt wird das Aus des Wirkstoffs mehr Arbeit beziehungsweise weniger Ertrag pro Hektar bedeuten. Wer die Perspektive wechselt, kann es aber so sehen: Glyphosat ist Symptom einer auf Effizienz getrimmten konventionellen Landwirtschaft. Mit seiner Hilfe können Bauern alles aus ihren Böden herauspressen, was geht. Der Wirkstoff zementiert ein überkommenes System, das jetzt in die Krise geraten ist: Denn eine wachsende Zahl von Bürgern sorgt sich um Klima und schwindende Ressourcen.

Das Bienenvolksbegehren hat eindrucksvoll gezeigt, dass die Gesellschaft die Ausrichtung der Landwirtschaft, wie sie bis heute ist, nicht mehr hinnehmen will. Denn sie richtet massiven Schaden an: Zuviel Nitrat im Grundwasser, rasantes Artensterben, mit Antibiotika behandelte Schweine, zu Hochleistungsmilchmaschinen degradierte Kühe. Politik und Agrarlobby haben jahrzehntelang die Politik des "Wachse oder weiche" verfolgt, die viele kleine Höfe in den Ruin getrieben und die großen Agrarfabriken begünstigt hat. Bis heute kommen die EU-Agrarsubventionen vor allem den Flächenbetrieben zugute. Das zaghafte Umsteuern der Politik hat massive Proteste hervorgerufen. "Auflagenflut nimmt uns den Mut", hatte ein Demonstrant kürzlich auf ein Plakat geschrieben, als Bauern gegen das Agrarpaket der Bundesregierung protestierten. Doch nicht Naturschutzvorschriften sind das Problem der Bauern - im Gegenteil: Mehr Umweltschutz erhält ihre Produktionsgrundlage.

Mittlerweile gibt es Landwirte, auch konventionell arbeitende, die mehr Umweltschutz wollen. Sie wissen, dass der Klimawandel eine weitaus größere Herausforderung für die Landwirtschaft sein wird als das Ende von Glyphosat. Andere lassen sich von Agrarlobbyisten in Opposition zur Gesellschaft treiben. Dabei geht es den Bürgern, die eine andere Landwirtschaft wollen, nicht um "Bauern-Bashing", das die Landwirte beklagen - sondern darum, dass die Erde auch in Zukunft bewohnbar bleibt. Das hängt stark von der Ausrichtung der Landwirtschaft ab. Das "Weiter so!", wie es der Bauernverband seit Jahren propagiert, ist keine Option mehr. Es arbeitet gegen die Interessen der Landwirte. Dass viele Bauern sich aktuell an den Pranger gestellt fühlen, liegt auch daran, dass Politiker und Agrarlobbyisten sie jahrelang glauben machten, es könne immer so weitergehen. Doch die Landwirtschaft ist nur zukunftsfähig, wenn sie so schnell wie möglich den Übergang zu nachhaltigem Wirtschaften meistert.

Alleine können die Bauern den Wandel jedoch nicht stemmen. Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, dass die Betriebe mit einer tier-, natur- und klimafreundlichen Landwirtschaft Geld verdienen können. Der wichtigste Schritt wäre eine entschlossene Umwidmung der EU-Agrarsubventionen: Statt Fläche muss umweltverträgliches Wirtschaften belohnt werden. Nicht zuletzt sind auch die Verbraucher gefragt: Wer im Discounter bei Milch und Fleisch nur zum billigsten greift, hilft, das alte System zu zementieren. Die Leistung von Landwirten und Tieren, die Beanspruchung von Natur und Klima, sie muss uns in Zukunft mehr wert sein.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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