Dienstag, 07 Jul 2020
Abholzung: Übriggebliebenes Waldstück in einem Baumwollfeld in Brasilien
Abholzung: Übriggebliebenes Waldstück in einem Baumwollfeld in Brasilien Foto: Pedro Biondi/ABr / CC BY 3.0 br (via Wikimedia Commons)
 1-2 Minuten Lesezeit  348 Worte im Text  vor 334 Tagen

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) appelliert an den Deutschen Bundestag, die Zustimmung zum Freihandelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten an strenge Vorgaben zu knüpfen. "Von den deutschen Parlamentariern erwarten wir, dass sie dem Mercosur-Vertrag nicht zustimmen, solange er den Menschenrechten der indigenen Bevölkerung Brasiliens, dem Klima- und dem Umweltschutz nicht wirksam Rechnung trägt", sagte GfbV-Direktor Ulrich Delius im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" anlässlich des "Internationalen Tages der indigenen Völker" an diesem Freitag (9. 8.). Delius betonte: "Die EU sollte das Mercosur-Abkommen überdenken, denn die Handelsvorteile für Brasilien begünstigen zum Beispiel den Soja-Anbau und -Export, der direkt zulasten indigener Landrechte erweitert wird."

Ein solcher Neustart wäre angesichts knapper Räume wohl nur unter Missachtung der Abstandsregeln möglich.
Foto: Wokandapix

Die Schulen haben Wichtigeres zu tun

Von Berlin forderte der GfbV-Direktor weiter: "Außerdem sollte die Bundesregierung ihre Unterstützung der indigenen Völker und deren Rolle als denkbar beste Umweltschützer unterstreichen, indem sie die ILO-Konvention 169 ratifiziert. Diese Konvention ist das stärkste Instrument für indigene Rechte im Rahmen der UN. Ihre Ratifizierung ist Bestandteil des aktuellen Koalitionsvertrags, wurde jedoch noch nicht vollzogen." Delius verwies darauf, dass Indigene ohne eigenes Land mit intakter Natur nicht überleben könnten.

Angesichts der sich beschleunigenden Rodung des Regenwaldes sei "die Bundesregierung aufgerufen, ihren Einfluss auf Brasilien als ihren wichtigsten Partner in Südamerika zur Geltung zu bringen, indem sie die Zusammenarbeit von dem Schutz indigener Gebiete, von Klima- und Umweltschutz und der Wahrung der Menschenrechte der Indigenen abhängig macht", sagte Delius der "NOZ". Über den Entwicklungsetat für Brasilien habe das Bundesentwicklungsministerium "ein wirksames Instrument in der Hand, die bilaterale Zusammenarbeit zu definieren und ausgewählte Projekte für Klimaschutz und erneuerbarer Energie finanziell zu fördern".

Die Situation der Ureinwohner Brasiliens bezeichnete Delius angesichts der jüngsten Entwicklungen als "alarmierend". "Ohne eigenes Land mit intakter Natur können die Indigenen nicht überleben. Die Bolsonaro-Regierung hat es sich zum erklärten Ziel gemacht, auch die letzten Naturrefugien für die wirtschaftliche Ausbeutung durch die Agroindustrie und den Abbau von Rohstoffen zu öffnen", sagte Delius. Damit knüpfe die Regierung "an die Strategie der Militärdiktatur 1964 bis 1985 an, die eine rücksichtslose Erschließung Amazoniens betrieb und auch vor Gewalt gegen die Indigenen nicht zurückschreckte".



Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung
#mehrNachrichten
Die neue Initiative aus Brüssel soll bestehende Gesetzeslücken schließen, damit europäische Unternehmen im globalen Wettbewerb besser geschützt werden.
Foto: Mika Baumeister

Attacke gegen China

Auch wenn der Name China in dem rund 50-seitigen neuen Weißbuch der EU-Kommission zur Wettbewerbspolitik nicht vorkommt und die Behörde dies strikt von sich weist: Es ist völlig klar, gegen wen sich die...
Gegen den Klimawandel und die fortschreitende Erderwärmung gibt es keine Impfung und kein Medikament.
Foto: Annie Spratt

Gegen den Klimawandel wird es nie eine Impfung oder ein Medikament geben

Alle Kraft fließt momentan ins Überwinden der Pandemie, in den Kommunen, Ländern und im Bund. Wie groß die Kraftanstrengung ist, zeigen die gigantischen Hilfssummen: 130 Milliarden Euro umfasst...
Exporteure versuchen Gen-gepanschten Mais in Europa unter die Leute zu bringen und damit deutsche Landwirte und Verbraucher zu täuschen.
Foto: Charles Deluvio

Genetisch veränderter Zuckermais: Behörden suchen 13 Millionen Körner

Europaweit suchen Behörden derzeit nach zig Millionen Maiskörnern der Sorte "Sweet Wonder". Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, hat ein Unternehmen aus Bad Essen in Niedersachsen das...
Das Beispiel der Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig es ist, dass Unternehmen verantwortlich handeln und ihre globale Sorgfaltspflicht wahrnehmen.
Foto: Piqsels CC0

Bundesregierung will Kampf gegen Kinderarbeit zu Schwerpunkt der EU-Ratspräsidentschaft machen

Die Bundesregierung will den Kampf gegen Kinderarbeit und sexuelle Ausbeutung von Kindern zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft machen und in dieser Zeit die Grundlagen für ein...
Das EU-weite Verbot kam erst 22 Jahre nachdem die Rattenstudie Hinweise auf die Gefahr geliefert hatte.
Foto: Erich Westendarp

Forscher fordern Konsequenzen aus Pestizidskandal

Schwedische WissenschaftlerInnen erheben schwere Vorwürfe gegen den Chemiekonzern Dow Chemical/Corteva und Pestizid-Zulassungsbehörden. "Der Hersteller des Insektizids Chlorpyrifos hat die...
Bleibt die Kernfrage: Kann Söder überhaupt Kanzler?
Foto: Josef A. Preiselbauer

Der Reiz der Kanzlerkandidatur

Wenn nicht jetzt, dann vielleicht nie: Sollte auch nur im hintersten Gedankenstübchen von Ministerpräsident Markus Söder der Wunsch nach einer Kanzlerschaft herumspuken - und wer würde ernsthaft...
Natürlich ist der Kahlschlag im Warenhausgeschäft auch eine Folge der Corona-Krise.
Foto: Hans Günter Everhartz / CC BY 2.0 (via Flickr)

Ein schwarzer Tag für Karstadt Kaufhof

Man kann die Schließung von 63 Filialen und den Abbau von "nur" 6000 Arbeitsplätzen bei Galeria Karstadt Kaufhof als Erfolg feiern, weil die Arbeitnehmervertreter der Geschäftsführung mehr...
Back To Top