Sonntag, 05 Jul 2020
Foto: Alzenir Ferreira de Souza / CC0 (via Pixabay)
 1-2 Minuten Lesezeit  335 Worte im Text  vor 313 Tagen

Angesichts der verheerenden Brände im Amazonas-Regenwald in diesem Sommer ist auf einmal das Freihandelsabkommen wieder in den Fokus gerückt, das die EU mit den vier Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay erst vor zwei Monaten vereinbart hat. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat zu Beginn des G7-Treffens damit gedroht, das Abkommen nicht zu ratifizieren. Applaus kam unter anderem aus Irland. Und auch Bundesaußenminister Heiko Maas liebäugelte noch einmal damit, den über Jahre verhandelten Rahmenvertrag als Druckmittel zu nutzen, um den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zu einem stärkeren Schutz des Regenwaldes zu zwingen.

"Ich fürchte die Signalwirkung für Funktionäre vom Schlage des zurückgetretenen Schalker Aufsichtsrats-Chefs Tönnies, die eigentlich über große Vermögen verfügen, aber im Notfall mit dem Klingelbeutel vor der Politik stehen."
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Kevin Kühnert gegen NRW-Landesbürgschaft für Schalke 04

Auf den ersten Blick hätte dieses Vorgehen auch durchaus etwas Zwingendes an sich: Das Mercosur-Abkommen bringt Brasiliens Exportwirtschaft viele wirtschaftliche Vorteile. Warum Bolsonaro, dem Klimapolitik bislang Schnurz gewesen ist, also nicht mit ökonomischen Argumenten "überzeugen", dass der Schutz des Amazonas keineswegs nur eine innere Angelegenheit seines Landes ist?

Doch dies wäre zu kurz gedacht. Denn es ist im Gegenteil so, dass sich die EU und die vier Mercosur-Staaten in ihrem Handelsvertrag ausdrücklich auch einer nachhaltigen Entwicklung und dem Umweltschutz verschreiben. Mit dem neuen Abkommen wird Brasilien noch viel stärker in das Pariser Klimaabkommen verankert als bisher schon. Und dieses sieht zum Beispiel das Versprechen des Landes vor, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2025 gegenüber 2005 um 37 Prozent zu senken. Außerdem hatte Brasilien zugesagt, die illegale Entwaldung im Amazonas zu stoppen und bis zum Ende der nächsten Dekade 12 Millionen Hektar Wald wieder aufzuforsten. Das Mercosur-Abkommen enthält außerdem rechtsverbindliche Zusagen, dass es keine Verwässerungen in der Umweltgesetzgebung geben wird.

Ob die Attacken Frankreichs und Irlands gegen den neuen Freihandelsvertrag auf den Schutz des Regenwaldes oder doch eher der heimischen Agrarwirtschaft abzielten, sei einmal dahingestellt. Aber die EU sollte in jedem Fall das Mercosur-Abkommen nicht stoppen, sondern möglichst rasch ratifizieren und nach der Inkraftsetzung penibel auf die Erfüllung der gemachten Zusagen pochen. Dem Klimaschutz wäre damit langfristig mehr geholfen - auch wenn Bolsonaros ständige Provokationen und die verheerenden Brände im Amazonas vielleicht nach plakativeren Antworten rufen.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
#mehrNachrichten
Die neue Initiative aus Brüssel soll bestehende Gesetzeslücken schließen, damit europäische Unternehmen im globalen Wettbewerb besser geschützt werden.
Foto: Mika Baumeister

Attacke gegen China

Auch wenn der Name China in dem rund 50-seitigen neuen Weißbuch der EU-Kommission zur Wettbewerbspolitik nicht vorkommt und die Behörde dies strikt von sich weist: Es ist völlig klar, gegen wen sich die...
Ein Vorbild war die Kreativität des Buchhandels im Moment des Shutdowns.
Foto: InstagramFOTOGRAFIN / CC0 (via Pixabay)

Buchhandel sieht Kreativität kleinerer Läden als Vorbild

Wie kann die Buchbranche auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie reagieren? Nach Ansicht von Karin Schmidt-Friderichs haben gerade kleine Buchhandlungen vorgemacht, wie das geht. "Ein Vorbild...
Exporteure versuchen Gen-gepanschten Mais in Europa unter die Leute zu bringen und damit deutsche Landwirte und Verbraucher zu täuschen.
Foto: Charles Deluvio

Genetisch veränderter Zuckermais: Behörden suchen 13 Millionen Körner

Europaweit suchen Behörden derzeit nach zig Millionen Maiskörnern der Sorte "Sweet Wonder". Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, hat ein Unternehmen aus Bad Essen in Niedersachsen das...
Natürlich ist der Kahlschlag im Warenhausgeschäft auch eine Folge der Corona-Krise.
Foto: Hans Günter Everhartz / CC BY 2.0 (via Flickr)

Ein schwarzer Tag für Karstadt Kaufhof

Man kann die Schließung von 63 Filialen und den Abbau von "nur" 6000 Arbeitsplätzen bei Galeria Karstadt Kaufhof als Erfolg feiern, weil die Arbeitnehmervertreter der Geschäftsführung mehr...
Weiß oder schwarz zu sein, ist ein soziales Konstrukt.
Foto: Olayinka Babalola

Eine freie Gesellschaft kennt keine Rassen

Der Begriff der Rasse hat in Deutschland eine üble Karriere gemacht; auf ihn gründete die NS-Ideologie. Arier-Nachweise und Judensterne, Deportation und Vernichtung - das ganze Grauen beruhte auf...
Nie zuvor gab es so wenig Führung aus dem Weißen Haus. In diese Lücke stößt Joe Biden.
Foto: Gage Skidmore / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Der Schattenpräsident

Amerika droht in den Modus einer Dauerkrise zu geraten. Es bekommt die Covid-19-Pandemie nicht unter Kontrolle, die bereits mehr als 100 000 Menschenleben gefordert hat. Mit über 40 Millionen...
"Rassismus" wird in vielen Fällen und fälschlicherweise als eine Art Sammelbegriff für Ausländerfeindlichkeit benutzt wird.
Foto: Mostafa Meraji

Artikel 3 des Grundgesetzes

Das Grundgesetz ist ein Manifest gegen Rassismus und Totalitarismus. So ist es gemeint, und so ist es geschrieben. Als es 1948 und 1949 entstand, waren die Erfahrungen aus der Nazi-Diktatur und die...
Back To Top