Foto: State Farm / CC BY 2.0 (via Flickr)
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Die Zahl der Menschen in Deutschland, die sich bei Tafeln mit Lebensmitteln versorgen, steigt immer weiter an. Bundesverbands-Vorsitzender Jochen Brühl sagte im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ), die etwa 940 Tafeln in Deutschland verzeichneten zuletzt 1,65 Millionen Kunden. "Das sind zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr." Besonders groß sei die Nachfrage von älteren Menschen, so Brühl. "Die Zahl der Rentner unter den Tafelkunden ist innerhalb eines Jahres um 20 Prozent auf 430.000 gestiegen."

Es koste viel Energie, Armut zu verstecken, sagte Brühl. Diese Kraft hätten ältere Menschen oftmals nicht mehr "und kommen dann zu uns". Viele Tafeln hätten zudem spezielle Angebote für ältere Menschen gestartet, etwa Senioren-Nachmittage. "Das senkt vielleicht die Hemmschwelle" und sei auch ein Beitrag gegen Alters-Einsamkeit. Brühl geht nicht davon aus, dass die derzeit in der Bundespolitik diskutierte Grundrente Probleme grundsätzlich lösen wird. "Grundrente klingt so, als werde damit die Altersarmut in Deutschland abgeschafft. Das ist natürlich Quatsch." Eine effektive Bekämpfung der Altersarmut beginne im Erwerbsleben oder noch früher. "Unter unseren Kunden sind auch 500.000 Kinder und Jugendliche. Deren Zahl übersteigt also noch die der Rentner, die unsere Angebote nutzen."

Brühl beklagte, die Gesellschaft verdränge, unter welchen Bedingungen viele Menschen lebten. "Ich glaube zwar nicht, dass Menschen hierzulande hungern. Aber gerade ältere Menschen berichten uns, dass sie die Heizung im Winter nicht anstellen, weil sie Sorge haben, die Heizkostenabrechnung im Frühjahr nicht mehr bezahlen zu können." Solche Geschichten würden die 60.000 ehrenamtlichen Tafel-Helfer erzählen können. "Nur frage sie kein Politiker."

In der Debatte um Lebensmittelpreise in Deutschland wurde davor gewarnt, Menschen mit geringem Einkommen aus dem Blick zu verlieren. Brühl sagte hierzu: "Einfach nur höhere Lebensmittelpreise zu fordern ist zu einfach. Das würde die Kundenzahl bei den Tafeln in die Höhe treiben." Zwar sei das Anliegen von Landwirten und Teilen der Politik verständlich. Aber "auch Menschen, die wenig haben, müssen sich gesund ernähren können".

Brühl rief die Bundesregierung zudem dazu auf, die Arbeit der Tafeln mehr zu unterstützen. Schließlich leisteten die ehrenamtlich geführten Vereine einen wichtigen Beitrag gegen die Verschwendung von Lebensmitteln und seien Teil der Strategie der Regierung zur Reduktion der Verschwendung. Brühl sagte: "Bislang sind unsere Lager und Kühlfahrzeuge ausschließlich spendenfinanziert. Wir geraten an Kapazitätsgrenzen." Um noch mehr zu leisten, müsse hier aufgestockt werden. "Das Geld will uns aber niemand geben. Stattdessen werden wir von der Politik mit Schulterklopfern abgespeist. Das reicht nicht", so Brühl in der "NOZ".



Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung
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