#zeitfokus.

Mittwoch, 27 Mai 2020
Foto: CaptainMeo / CC0 (via Pixabay)
 2-3 Minuten Lesezeit  462 Worte im Text  vor 120 Tagen

Statt des derzeitigen bürokratischen und langwierigen Beschaffungswesens empfiehlt der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels der Bundeswehr das IKEA-Prinzip: aussuchen, bezahlen und mitnehmen. Nun ja, davon abgesehen, ob das schwedische Allround-Möbelhaus wirklich Soldatenstiefel, Nachtsichtgeräte oder Schutzwesten im Angebot führt, ist der flotte Hinweis von Bartels im Kern richtig. Die in Jahrzehnten ausgeuferte Beschaffungsmaschinerie der Armee gehört endlich überholt - und zwar gründlich. Und da es heute am fehlenden Geld nicht liegen kann, ist eine innere Reform dringend vonnöten.

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Foto: Philipp Bachhuber

Zulagen schaffen keine Wohnungen

Da hat der versierte Beauftragte des Bundestages - beziehungsweise der amtliche Kummerkasten der Armee - völlig Recht. Freilich haben bereits mehrere Vorgänger und die Vorgängerin von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer Besserung angekündigt. Nur geschehen ist leider herzlich wenig. Die Truppe ist auch nach dem Ende des jahrelangen Schrumpfkurses von den gleichen Sorgen geplagt: zu wenig Material, zu wenig Personal, zu viel Bürokratie. AKK muss nun endlich Nägel mit Köpfen machen. Schafft sie das, hätte sie nicht nur Gutes für die Soldatinnen und Soldaten sowie die Zivilbeschäftigten getan, sondern - so ganz nebenbei - auch Kanzlerinnen-Qualitäten bewiesen. Die Messlatte liegt jedenfalls hoch. Die Fallhöhe übrigens auch. Ein wichtiger Schritt dabei wäre etwa der, den seit einem Jahr vorliegenden Abschlussbericht des Projekts "Innere Führung - heute", der viele Vorschlägen von Soldatinnen und Soldaten selbst enthält, öffentlich zu machen. Weitere Geheimniskrämerei öffnet dagegen nur Spekulationen Tür und Tor. Die Bundeswehr ist, aus leidvoller geschichtlicher Erfahrung, eine Parlamentsarmee, keine der Regierung.

Insofern ist der Bundestag auch das richtige Forum, um über die Verbesserung von Strukturen zu diskutieren. Das sollte nicht irgendwelchen, und obendrein teuren, Beratungsunternehmen überlassen werden. Überdies würde zu einer solchen Transparenz-Offensive auch ein jährlicher Geschäftsbericht der Bundeswehr gehören. Früher gab es das bereits in Form von Weißbüchern. Es liegt offenbar auch an dem unguten Erscheinungsbild der Bundeswehr und den vielen Klagen über sie, dass sich nach dem Ende der Wehrpflicht unter dem fast vergessenen einstigen CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg Freiwillige nicht gerade zur Armee drängen. Die Zahlen stagnieren auf niedrigem Stand. Da haben teure Kampagnen, witzige Werbeclips in sozialen Medien und große Plakate offenbar wenig bewirkt. Wichtiger und überzeugender für junge Leute scheinen dagegen persönliche Beispiele, gelebte Vorbilder aus der Bundeswehr und umfassende Aufklärung über den verantwortungsvollen militärischen Beruf zu sein. Die Konkurrenz der zivilen Wirtschaft ist jedenfalls groß.

Dass die Bundeswehr zuletzt mit rechtsextremen Vorfällen konfrontiert wurde, hat einerseits mit der erhöhten Sensibilität für dieses Phänomen zu tun. Es wird mehr gemeldet und der Militärgeheimdienst MAD schaut offenbar noch genauer hin. Andererseits sind Waffen und der Umgang mit ihnen immer auch ein Anziehungspunkt für rechtsextreme oder islamistische Wirrköpfe. Doch die haben in unserer demokratischen Armee überhaupt nichts zu suchen. Die Bundeswehr und die einzelnen Soldaten müssen weiterhin offen mit dem Thema umgehen. Falsch verstandene Kameradschaft ist in solchen gravierenden Fällen fehl am Platze.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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