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Samstag, 30 Mai 2020
Foto: Wilfried Pohnke / CC0 via Pixabay
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Deutschland steht im Zentrum eines internationalen Geldwäsche-Verfahrens. Die französische Justiz wirft 14 Beklagten vor, in zahlreichen Fällen Gewinne aus Drogenverkäufen in Europa zunächst in den Libanon und von dort nach Südamerika gebracht zu haben. Das geht aus Ermittlungsunterlagen hervor, die NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ einsehen konnten.

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Die Gruppe, genannt „Cedar“, soll demnach zu Spitzenzeiten rund eine Million Euro pro Woche umgesetzt haben. Deutschland soll dabei als Drehscheibe fungiert haben, zwei der Beschuldigten hatten ihren Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen, zwei weitere wohnten in der Nähe von Bremen. In Paris startet am Dienstag der Prozess gegen die Gruppe.

Sie soll hierarchisch vorgegangen sein. Einige der Mitglieder sollen in ganz Europa Bargeld eingesammelt haben, das mutmaßlich aus Kokainverkäufen stammte. Das Geld übergaben sie dann, so die Ansicht der Ermittler, an andere Mitglieder der Gruppe, die davon Schmuck, Luxusuhren und teure Autos kauften, um die Herkunft des Geldes zu verschleiern. Diese Güter sollen dann nach Westafrika und in den Libanon gebracht und dort verkauft worden sein. Die Erlöse, so der Vorwurf, sollen dann an die Kartelle in Südamerika geflossen sein, die das Kokain nach Europa geliefert hatten. Zunächst gingen die Ermittler davon aus, dass die Geschäfte von der Hisbollah gesteuert wurden. Daher wurde gegen einige der Beklagten auch wegen des Verdachts der Terrorismus-Finanzierung ermittelt. Angeklagt wird dieser Punkt nun indes nicht, offenbar, weil die Belege nicht ausreichen.

Die Staatsanwaltschaft Paris vermutet, dass die Gruppe allein innerhalb eines Jahres Schmuck und Uhren im Wert von rund 10 Millionen Euro bei Juwelieren in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern gekauft und bar bezahlt hat. Im Januar 2016 wurden in sechs europäischen Ländern parallel Durchsuchungen und Festnahmen durchgeführt. „Insgesamt konnten in Deutschland über eine Viertelmillion Euro Bargeld sichergestellt werden, ein Luxusfahrzeug sowie eine Waffe, die sich in einem der Fahrzeuge befunden hatte“, sagte ein Sprecher der an dem Verfahren beteiligten Staatsanwaltschaft Aachen. Zuvor waren bei einer Fahrzeugkontrolle im Raum Aachen bereits zwei mutmaßliche Geldkuriere des Netzwerks mit rund einer halben Million Euro in bar aufgegriffen worden.

An dem Verfahren, das von französischen Ermittlern geleitete wurde, beteiligten sich neben der amerikanischen Drug Enforcement Agency (DEA) und Europol auch deutsche Zollfahnder aus Essen. Die Ermittlungen hätten ergeben, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Aachen, dass „Personen mit Plastiktüten zu den Juwelieren gegangen sind, die vollständig mit Bargeld gefüllt waren“. Nach Informationen von NDR, WDR und SZ wird deshalb gegen die Juweliere nun wegen des Verdachts der leichtfertigen Geldwäsche ermittelt.

Einer der Hauptbeschuldigten ist Ali Z. aus Münster. Er erklärte im Gespräch mit NDR, WDR und SZ, dass er unschuldig sei: Sein florierender, legaler Exporthandel sei von den anderen Beschuldigten ausgenutzt worden. Von Drogengeld habe er nichts gewusst und bis heute sei ihm unklar, auf welcher Grundlage die Staatsanwaltschaft ihre Vorwürfe erhebt. Er sei davon ausgegangen, dass die Gelder legalen Ursprungs gewesen seien. Den Vorwurf, dass die Gruppe die Hisbollah unterstütze, hält er für konstruiert: Die französischen Ermittler hätten sich durch ihre US-amerikanischen Kollegen politisch beeinflussen lassen, ohne dass es Beweise für diese Verbindung gebe, sagte Z. Weitere Beschuldigte wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

Der Pariser Prozess soll bis Ende November abgeschlossen sein. Ungeachtet davon, welcher Teil der Vorwürfe vor Gericht bestehen wird, kritisieren Experten seit längerem, dass Deutschland ein idealer Standort für organisierte Geldwäscher sei. Der Grünen-Abgeordnete im Europa-Parlament Sven Giegold sagte: „Es ist völlig akzeptiert, dass man Luxusgüter oder selbst Immobilien mit Bargeld bezahlt. Es gibt auch keine gesetzlichen Obergrenzen für den Einsatz von Bargeld.“ Deshalb finde „Bargeld in Deutschland aus dreckigen Quellen ein sicheres Zuhause“.



Quelle: NDR


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