#zeitfokus.

Donnerstag, 04 Jun 2020
Foto: Michael Gaida / CC0 (via Pixabay)
 2-3 Minuten Lesezeit  589 Worte im Text  vor 188 Tagen

Auf dem Sachwerte-Summit der Börsen-Zeitung in Hamburg standen Immobilieninvestments im Mittelpunkt. Denn nach der massiven Aufwärtsbewegung dieser Assetklasse seit dem Lehman-Crash, also über gut zehn Jahre, stellt sich schon die Frage, ob inzwischen eine Blase vorliegt, oder ob Betongold aussichtsreich bleibt.

Sigmar Gabriel
Foto: JWHBerlin / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Wer in den vergangenen fünf Jahren auf Immobilienaktien gesetzt hat, hat damit ordentlich Geld verdient: So erzielten TAG Immobilien, Deutsche Wohnen und Vonovia mit Wohnimmobilien eine Performance von 136%, 91% sowie 80%. Die Bochumer Vonovia spielt, anders als der VFL, inzwischen sogar in der ersten Liga, sprich im Dax. Doch auch mit Gewerbetiteln waren satte Gewinne möglich, wie Aroundtown oder Alstria zeigen. Insgesamt hat der Deutsche Immobilienindex Dimax mit einem Plus von 96% den Dax klar geschlagen, der nur 33% zugelegt hat.

Im laufenden Jahr kam jedoch mit dem Mietendeckel in Berlin Gegenwind vor allem für diejenigen Unternehmen auf, die größere Wohnungsbestände in Berlin haben. Daher verloren Deutsche Wohnen knapp 12% an Wert. Vonovia legten aber bisher 20% und TAG 14% zu.

Bis zuletzt haben sich die Immobilienpreise hierzulande kräftig erhöht. Daher stuft die Bundesbank Wohnimmobilien in städtischen Gebieten als zwischen 15 und 30% überbewertet ein. Gleichwohl kann die Notenbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht keine Hinweise auf eine Blase, sprich auf eine Spirale aus stark steigenden Preisen, übermäßig steigenden Krediten und erodierenden Kreditvergabestandards erkennen.

Aufgrund von Knappheiten und viel zu wenig Neubauten dürften die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland in den kommenden Jahren weiter kräftig steigen, erwartet hingegen das Researchteam von Edmond de Rothschild. Und jeder, der hierzulande sucht, weiß: Wohnungen sind begehrt und knapp.

Auch am Markt für Büroimmobilien liegt keine Blase vor, hat Stavros Efremidis, CEO der börsennotierten Godewind Immobilien AG und der Mann, der die WCM aufgebaut und in den SDax geführt hat, in einem bemerkenswerten Vortrag auf dem Sachwerte Summit aufgezeigt. Unter dem Titel "Von Lehman bis Lagarde" legte der Immobilienprofi dar, was sich seit Lehman geändert hat. So sei der Markt inzwischen sehr viel solider und stabiler. Anders als vor Lehman würden die Banken jetzt eben keine neuen Objekte mehr ohne hohe Vorvermietungen finanzieren. Zudem gehe ohne ein entsprechendes Eigenkapital nichts mehr. Mit Büroimmobilien könne nach wie vor eine durchaus attraktive Marge erwirtschaftet werden, berücksichtige man die deutlich gesunkenen Refinanzierungskosten.

In der Podiumsdiskussion, an der auch Alexander Brüning, Wohnimmobilienexperte von Catella, und Jörg Schürmann, Leiter des institutionellen Geschäfts bei Exporo, teilnahmen, wurde deutlich, dass Immobilien sich nach wie vor lohnen dürften. Denn zum einen sei Betongold hierzulande, aber auch in vielen Regionen Europas knapp und begehrt. Natürlich mag es bei manchen Objekten Übertreibungen geben, räumten die Profis ein, dem stünden auf der anderen Seite aber auch Gelegenheiten gegenüber. Man müsse eben seine Hausaufgaben bei der Bewertung von Immobilien machen und auch genau rechnen.

Einen Punkt hoben die Experten hervor: Wir leben in einer neuen Welt von Null- und Negativzinsen sowie einer günstigen Finanzierung. Efremidis geht davon aus, dass die Zinsen lange Zeit niedrig bleiben werden, und erklärte, dass er auf dem Immobilienmarkt, dem Markt, den er sehr gut kenne, voll investiert sei. Schürmann wiederum stuft einige der börsennotierten Immobilien-AGs als attraktiv ein.

Als reales und psychologisches Problem für Investoren werten alle drei Profis den Mietendeckel in Berlin. Um neuen Wohnraum zu schaffen, sei diese Regulierung ohnehin kontraproduktiv. Sicherer sei es für Anleger, in Berlin nicht zu investieren.

Dies trifft natürlich die Aktie der Deutschen Wohnen. Insgesamt bleiben aber Immobilienaktien, die vielfach keine hohen Bewertungen und stattliche Dividenden aufweisen, attraktiv. Allerdings dürfte es ihnen in den kommenden fünf Jahren schwerfallen, den Dax nochmals so deutlich zu schlagen.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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