Donnerstag, 06 Aug 2020
Foto: Posi66 / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
 1-2 Minuten Lesezeit  262 Worte im Text  vor 184 Tagen

Es gibt Streitfälle, die lassen sich kaum mit den Kategorien "Richtig" und "Falsch" bewerten, weil es für jede Sichtweise gute Argumente gibt. Die Wittenberger "Judensau", ein Sandsteinrelief vom Ende des 13. Jahrhundert, muss vorerst nicht von der Fassade der Wittenberger Stadtkirche entfernt werden. Die Schmähplastik an Martin Luthers Predigtstätte sei zwar für sich eine Beleidigung, befand das Oberlandesgericht Naumburg. Aber durch das Mahnmal und die Erklärtafel verliere die Darstellung ihren beleidigenden Charakter.

António Costa
Foto: Web Summit / CC BY 2.0 (via Flickr)

Portugal: Costas Befreiungsschlag

In der Tat kann die beklagte Evangelische Stadtkirchengemeinde auf eine mehr als 30 Jahre währende Auseinandersetzung mit der quälenden Judenschmähung an der Kirchenfassade verweisen. Andere Kirchen mit ähnlichen Darstellungen, darunter auch der Kölner Dom, sind da zum Teil noch längst nicht so weit. Aber so wie unter die Verantwortung vor der Geschichte insgesamt lässt sich auch im Umgang mit den antijüdischen Plastiken kein Schlussstrich ziehen. Jede Zeit bedarf neuer Antworten.

Und verlangt nicht gerade eine Gegenwart des immer unverschämter zu Tage tretenden Antisemitismus nach klaren Zeichen? Nicht nur die aktuelle Klage eines Mitglieds der jüdischen Gemeinde Berlin gegen die "Judensau" weist in diese Richtung. Auch Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung, hat aus diesem Grund gefordert, das Relief zu entfernen und in einem Museum unterzubringen.

Andererseits: Die deutsche Nachkriegsgeschichte ist voll von Menschen, die es plötzlich alle nicht mehr gewesen sein wollten. In Wittenberg ist dagegen der alte Antijudaismus des Christentums öffentlich "in Stein gemeißelt". Man kann ihn nicht leugnen, sondern muss sich immer wieder neu in Wort und Tat von ihm abgrenzen.

Falsch wäre in diesem schwierigen Abwägungsprozess vermutlich nur eines: ein Ende der Debatte.



Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung
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