Sonntag, 12 Jul 2020
Foto: NiklasPntk / CC0 (via Pixabay)
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Angesichts der weithin sichtbaren Schülerproteste der vergangenen Monate kommt der Titel der aktuellen Shell-Jugendstudie nicht überraschend: "Eine Generation meldet sich zu Wort", heißt es dort. Und die Generation, die sich da meldet, ist eine Generation, die weitgehend in Frieden und Wohlstand aufwächst. Die Umbrüche der Wiedervereinigung sind für sie Geschichten ihrer Elterngeneration, politische und wirtschaftliche Stabilität und gute Jobperspektiven prägen den Alltag der meisten: Über die wirtschaftliche Lage und steigende Armut machen sich nur 52 Prozent der Jugendlichen Sorgen. Folgerichtig sind es dann auch eher globale Themen, die die Jungen beschäftigen: 65 Prozent sorgen sich über den Klimawandel, 66 Prozent haben Angst vor Terroranschlägen und sogar 71 Prozent sind besorgt über die Umweltverschmutzung.

Pressekonferenz im Weißen Haus in Washington, D.C.
Foto: The White House / Public Domain (via Flickr)

Die Stunde der Diplomatie

Die heute Zwölf- bis 25-jährigen, mit denen sich die Studie beschäftigt, sind digital vernetzt und unabhängig wie keine andere Generation zuvor. Das gilt auch und in besonderer Weise für die Informationsgewinnung: Bestimmten in der Generation zuvor noch die Eltern, ob und welche Zeitung im Haus gelesen wurde und ob abends die Tagesthemen oder RTL aktuell im Fernsehen liefen, haben heute schon Zwölfjährige theoretisch unbeschränkten Zugriff auf Informationen und Einschätzungen aus allen politischen Lagern. Theoretisch, denn die Auswahl dessen, was tatsächlich wahrgenommen wird, wird wiederum zum einen doch wieder bestimmt durch die Prägung aus dem Elternhaus, zum anderen aber verstärken hier soziale Netzwerke und Filterblasen den Einfluss von Peer- und Freundesgruppen enorm. Informationen wie auch Falschinformationen verbreiten sich, Bewegungen und Gegenbewegungen formieren sich schneller und breiter. Gleichzeitig wächst, wer heute jung ist, in dem Bewusstsein auf, dass er seine Meinungen immer und überall kundtun kann - ob als Bild, als Kommentar, Like oder als Blogeintrag. Da überrascht es nicht, dass die Forscher aktuell zu dem Ergebnis kommen, dass diejenigen Jugendlichen, die politisch interessiert sind, auch immer engagierter werden - und das auch im realen Leben.

Gleichsam im Schatten dieser engagierten, zukunftsorientierten jungen Menschen allerdings gibt es auch weiterhin eine große Gruppe von Jugendlichen, die sich missverstanden, ungehört und übervorteilt fühlen. 71 Prozent glauben nicht, dass sich "Politiker darum kümmern, was ich denke", 51 Prozent glauben, die Regierung verschweige ihnen die Wahrheit (51 Prozent). Und während 57 Prozent es gut fanden, das Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen hat, hätten 20 Prozent ein Problem damit, wenn neben ihnen eine Flüchtlingsfamilie einziehen würde - und 18 Prozent wollen nicht neben einer türkischen Familie wohnen. So wirken die Ergebnisse der Jugendstudie wie ein Blick durch das Brennglas auf die Zerrissenheit der Gesellschaft, die sich immer mehr wie zwischen zwei unversöhnlichen Polen zu bewegen scheint: Greta und Trump, Gutmenschen und Populisten, Weltverbesserer und Skeptiker. Vor allem aber zeigen sie eines: Jene Probleme, die die Jugendlichen am drängendsten beschäftigen, sind genau die Themen, die viele Parteien lange ignoriert haben. Und die sie auch jetzt nur zögerlich auf die Tagesordnung setzten, bloß um sie dann schnell mit Scheinkompromissen wieder abzuhaken. "Eine Generation meldet sich zu Wort" - und sie hat etwas zu sagen. Wer "Fridays for Future" bislang noch als Teenager-Spleen abgetan hat, dem zeigt spätestens diese Studie, dass es hier um echte Probleme geht, die tatsächlich viele Menschen beschäftigen: einmal mehr ein Weckruf, sich endlich ernsthaft mit ihnen auseinanderzusetzen.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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