Schutzmaßnahmen werden bis auf Weiteres ein steter Begleiter bleiben.
Schutzmaßnahmen werden bis auf Weiteres ein steter Begleiter bleiben. Foto: Lei Jiang
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Eines vorweg: Gesundheit und Menschenleben haben Priorität - in der Corona-Krise ganz besonders. Das bedeutet aber nicht, dass alles andere automatisch nachrangig oder gar zu vernachlässigen wäre. Das gilt für das tägliche Leben jedes Einzelnen wie für das gesellschaftliche und öffentliche Leben in all seinen Facetten.

Europa muss auch sicherheitspolitisch einen Mehrwert produziert. Dies ist eine der großen Zukunftsaufgaben.

Akut einsturzgefährdet

Der Shutdown in Holzhammer-Manier mit all seinen harten Maßnahmen mag richtig, vielleicht sogar alternativlos gewesen sein, um Deutschland vor einer Katastrophe zu bewahren. Und ja, Einschränkungen bis hin zu Kontakt- oder sogar Ausgangsbeschränkungen haben dazu beigetragen, eine überwältigende Mehrheit der Bürger in diesem Land nachhaltig für den Ernst der Lage zu sensibilisieren. Bei den noch immer Uneinsichtigen und Unvernünftigen werden wohl nur Sanktionen Wirkung erzielen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass allen drastischen Maßnahmen zum Trotz die Ausbreitung des Virus nicht zu verhindern, sondern nur zu verlangsamen ist. Und trotz bester medizinischer Betreuung sterben jeden Tag weiterhin Menschen in diesem Land an Corona. Wer also glaubt, dass mit Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen das Virus auszurotten ist, der irrt.

Es wird ein langer Kampf werden. Ein so langer, dass ein Lähmen der größten Volkswirtschaft Europas über diese Strecke weder durchzuhalten noch vernünftig wäre. Irreparable Schäden wären die Folge. Deshalb ist es an der Zeit, verantwortliche Lösungen zu finden. Auch, weil es derzeit allzu willkürlich anmutende und nicht nachzuvollziehende Unterschiede zulasten einzelner Branchen oder Aktivitäten gibt. Für jeden Betrieb, für jede Tätigkeit ist jetzt zu prüfen, ob und unter welchen Bedingungen die Wiederaufnahme möglich ist und welche Einschränkungen wirklich nötig sind.

Diese Debatte muss geführt werden. In aller Offenheit. Die Verweigerungshaltung der Bundesregierung und vieler Ministerpräsidenten in dieser Frage war inakzeptabel. Wenn in einer Demokratie nach beispiellosen Eingriffen in die Grundrechte nicht über Strategien für die Rückkehr zur Grundordnung debattiert werden soll, läuft etwas falsch.

Transparenz ist erforderlich. Natürlich - und auch nachvollziehbar - ging es den Regierenden gerade mit Blick auf die Ostertage darum, auf die Einhaltung der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu pochen. Eine Reisewelle hätte das Risiko mit sich gebracht, das Coronavirus neuerlich kreuz und quer durch die Republik grassieren zu lassen.

Es ist aber überfällig, den reinen Appell-Modus zu verlassen und die Bürger endlich mitzunehmen auf den weiteren Weg. Denn es geht nicht allein um den Schutz der Menschen und des Lebens. Es geht ums Ganze. Für unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft ist eine funktionierende soziale Marktwirtschaft von elementarer Bedeutung. Ohne sie ist auch ein Gesundheitswesen, von dem alle in dieser Krise profitieren, nicht möglich. Ohne sie droht der Verlust von Millionen Arbeitsplätzen, von Wohlstand. Und im Endeffekt drohen massive soziale und gesellschaftliche Verwerfungen.

Nur mit einer ehrlichen Kommunikation, mit nachvollziehbaren Kriterien und mit einer Perspektive ist die Akzeptanz zu erreichen, die in den nächsten Wochen und Monaten im Kampf gegen das Coronavirus nötig sein wird. Vor allem auch lokales und regionales Vorgehen wird gefragt sein - um gezielt auf Infektionsherde und Rückschläge zu reagieren.

Ein Land mit 83 Millionen Menschen kann nicht über Monate hinweg vor sich selbst geschützt werden. Die Bevölkerung muss sich vor allem selbst schützen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt deshalb in der Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Nicht ein verordnetes Lahmlegen des Lebens ist entscheidend - das Verhalten der Menschen ist es.

Sowohl die Vorschläge der von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet eingesetzten Expertenkomission als auch die der Wissenschaftler der Leopoldina weisen den Weg. Schutzmaßnahmen werden bis auf Weiteres ein steter Begleiter bleiben. Immer aber muss es in dieser Zeit das Ziel sein, das Notwendige in ein angemessenes Verhältnis mit dem Wünschenswerten zu bringen - für ein möglichst lebenswertes Leben mit, trotz und vor allem auch nach Corona.

Quelle: ots/Westfalen-Blatt
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