Mario Draghi
Mario Draghi Foto: EU2017EE / CC BY 2.0 (via Flickr)
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Mario Draghi hat dafür gesorgt, dass die letzte Ratssitzung unter seiner Leitung in Sachen geldpolitische Signale ein echtes "Non-Event" war. Das liegt freilich daran, dass er vor einem Monat bereits das ganz große geldpolitische Besteck ausgepackt hat - und sich nun darauf beschränken konnte, die Ankündigungen (etwa der Wiederaufnahme von Netto-Anleihekäufen) zu bestätigen.

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Foto: INSM / CC BY-ND 2.0 (via Flickr)

Lindner setzt auf "Modernisierungskoalition" mit seiner FDP

Die Kritik seiner Kollegen aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, die zuvor ungewöhnlicherweise sogar öffentlich auf Distanz gegangen waren, lächelte Draghi weg. Die Tatsache, dass am Donnerstag die Bestätigung der September-Beschlüsse abgenickt wurde, zeige doch, dass es im EZB-Rat letztlich recht einvernehmlich zugehe. Man konnte als Zuschauer geneigt sein, dem scheidenden EZB-Präsidenten diese harmonische Bestandsaufnahme abzukaufen. Das aber wäre denn doch ein bisschen zu viel rosa Brille.

Gewiss, was die Bewertung von Draghis achtjähriger Amtszeit angeht, kann man zu unterschiedlichen Urteilen gelangen. Durch sein "Whatever it takes" und die anschließende Entschlossenheit zur Umsetzung hat er die Finanzkrise in einem explosiven Moment entschärft - und die Eurozone vom Risiko riesiger Schäden befreit, falls die Regierungen nicht schnell genug zu Potte gekommen wären, um die Feuerkraft ihrer Rettungsfonds angemessen zu erhöhen.

Aber so bemerkenswert erfolgreich, wie Draghi bei der Stabilisierung in den Hochzeiten der Krise war, so deutlich ist sein Scheitern beim Versuch, die Geldpolitik später wieder in die Normalität zurückzuführen. Dass vieles im vorigen Jahr nicht so rund lief in der Eurozone, war kein Grund, sich umgehend wieder in den Vollkrisenmodus zu flüchten. Wie dem Zauberlehrling Goethes ist es Draghi nicht gelungen, die Geister, die er rief, wieder loszuwerden.

Noch schwerer wiegt, dass er einen gespaltenen EZB-Rat hinterlässt - und durch die Zementierung des ultralockeren Kurses über seine Amtszeit hinaus dafür sorgt, dass seine Kollegen, selbst wenn sie wollen, nur äußerst langsam umsteuern können. Die Gefahr ist offensichtlich: Falls die Eurozone in den nächsten Jahren in eine Krise schlittert, ist nicht nur das Instrumentarium an Gegenmaßnahmen weitgehend ausgereizt. Noch dazu ist die Glaubwürdigkeit der EZB angekratzt. Wenn sich also Christine Lagarde irgendwann hinstellt und "Whatever it takes" ankündigt, kann es gut sein, dass die Märkte ihr das nicht mehr abnehmen. Daran wäre dann weniger die Französin schuld als vielmehr ihr Vorgänger.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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