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Hühnerstall Deutschland

Foto: William Dais / CC0 (via Pixabay)

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Hühnerstall Deutschland

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Wenn Tucholskys Satirebegriff gilt, darf "Satire alles". Aber was genau als Satire zu bezeichnen ist, das hat der Dichter mit viel weniger Verve bestimmt. Und so darf man konstatieren: Das, was der Kinderchor des WDR da im Auftrag findiger Redakteure gesungen hat, ist keine Satire, sondern inhaltlich so schlecht, dass man die Qualitätskontrolle durchaus mal aus dem Winterurlaub zurück beordern darf.

Damit ist viel darüber gesagt, wie sinnvoll es gelingen kann, einen intelligenten Zusammenhang zwischen der Oma aus dem Hühnerstall und ihrer am Alter ausgerichteten Umweltbilanz herzustellen. Um es klar zu sagen: Solche Analysen lohnen nicht. Na klar: Es ist schlecht, in der aufgeheizten Klimadebatte öffentlich-rechtlich derart zu polarisieren und Generationen in Stellung zu bringen: Deutschland ist also jetzt vertikal und horizontal uneins - den singenden Kindern sei Dank.

Fragen muss man aber auch, ob es nicht endlich eine Nummer kleiner geht. Eine kritische Reaktion auf Falsches muss nicht richtig sein. Und sie ist es hier nicht, weil sie kein Maß hat. Man darf das Lied doof finden, dessen Widerhall aber auch. Deutschland ist emotional in diesen Tagen des ausgehenden Jahres ein Hühnerstall. Aufgeregt. Gackernd. Eng. Jeder wartet, bis sich wer regt. Dann fliegen die Federn. Und am Ende ist nie etwas gewonnen.

Das ist Grundstruktur fast jeder gesellschaftlichen Streitigkeit, in der Ausgleich nicht mehr vorkommt - auch nicht von Politikern, die absehbar liefern und wahlweise gegen den Rundfunk anschreien oder dem "Mob" über den Mund fahren. Dazu kommt die breite Verrohung von Sprache und Tat durch die Möglichkeit, alles und von jedem ungefiltert in den Resonanzraum Internet geben zu können. Wie wir damit künftig umgehen wollen, ist die interessantere Frage. Wir brauchen dringend eine neue Klimadebatte. Es geht um das geistige Klima.



Quelle: ots/Westdeutsche Zeitung

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