Dienstag, 11 Aug 2020
Linda Teuteberg
Linda Teuteberg Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)
 2-3 Minuten Lesezeit  492 Worte im Text  vor 316 Tagen

30 Jahre nach der Ausreise von DDR-Flüchtlingen mahnt FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg, Freiheit nicht als selbstverständlich zu erachten. Am 30. September 1989 hatte Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher vom Balkon der bundesdeutschen Botschaft Tausenden DDR-Bürgern den Weg in die Freiheit eröffnet. Dazu sagte Teuteberg der "Heilbronner Stimme" (Montag): "Die Erleichterung und die unbändige Freude über die Freiheit, die diese Worte auslösen, berühren mich immer wieder noch zutiefst. Dabei wünsche ich mir, dass wir heute das Glück der Freiheit nicht so selbstverständlich nehmen."

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Foto: Colin Behrens / CC0 (via Pixabay)

Klimaschutzgesetz: Vorbild statt Vorreiter

Aus den Wendejahr seien mit dem Blick heute Lehren zu ziehen. Teuteberg: "Viele Menschen suchen nach Führung und Einfachheit. Die Schichten unserer Demokratie sind dünn, das sehen wir am Erstarken von Parteien, die Probleme rhetorisch verschärfen und bewirtschaften. Es ist Aufgabe der Politik, klarzumachen, was Deutschland braucht. Aber es gibt auch ein Holschuld in der Demokratie. Wer sich von Politik nur abwendet, der wird sehen, dass die stärker werden, die er nicht dort sehen will."

Auf die Frage, wofür sie die Menschen in der Prager Botschaft bewundert, aber auch diejenigen, die in Leipzig und anderen Städten auf die Straße gingen, sagte die 38-jährige Potsdamerin: "Vor allem für ihren Mut. Brücken abzubrechen, neues zu wagen. Mit hohem persönlichem Risiko. Niemand in der Botschaft konnte damals wissen, ob dieser Fluchtversuch nicht in der Haft enden würde. Und gerade die Menschen, die zuhause auf die Straße gingen, gingen hohe Risiken ein."

Sie fügte hinzu: "Dass diese Revolution eine friedliche bleiben würde, konnte damals niemand wissen. Im Gegenteil, viele Menschen hatten die Bilder vom Juni aus Peking, vom Platz des Himmlische Friedens, vor Augen. Und die Worte von Egon Krenz im Ohr, der im September 1989 Peking besuchte und erklärte, die SED stehe »auf der Barrikade der sozialistischen Revolution« dem gleichen Feind gegenüber. Es gab die begründete Angst, dass es auch in der DDR eine »chinesische Lösung« geben könnte. Dafür hatte die SED auch Vorbereitungen getroffen. Was es bedeutete, gegen dieses Regime auf die Straße zu gehen, ist für viele heute kaum zu ermessen."

Über Genscher sagte Teuteberg: "Der Hallenser hat nie das Ziel der Deutschen Einheit aufgegeben. Vom KSZE-Prozess in den 70er Jahren über den hoch umstrittenen NATO-Doppelbeschluss Anfang der 80er bis zur Perestroika Gorbatschows: Immer stand für ihn die Deutsche Frage auf der Tagesordnung, während andere sich mit der Teilung unseres Landes abgefunden hatten. Wenn Kohl der Kanzler der Einheit war, dann war Genscher der Architekt der Einheit."

Die FDP-Generalsekretärin betonte: "Der Mut und Freiheitsdrang der Ostdeutschen war natürlich der entscheidende Treiber. Aber ohne das Zutun von Kohl und Genscher würden wir heute immer noch in einem geteilten Land leben. Die Skepsis gegenüber der Wiedervereinigung war ja nicht nur bei einigen unserer Verbündeten, gerade in Frankreich und Großbritannien, sehr groß, sondern auch bei Grünen und Sozialdemokraten. Mit Oskar Lafontaine, der 1990 Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten war, und Joschka Fischer hätte es eine Wiedervereinigung sicherlich nicht gegeben. Und das geschichtliche, das außenpolitische Zeitfenster war kurz."



Quelle: ots/Heilbronner Stimme
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