Sonntag, 12 Jul 2020
Gerd Müller
Gerd Müller Foto: Engagement Global / CC BY 2.0 (via Flickr)
 1-2 Minuten Lesezeit  331 Worte im Text  vor 178 Tagen

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat den Einzelhandelsketten vor Beginn der Grünen Woche "unmoralische" Geizkampagnen vorgeworfen: "2,88 Euro für 500 Gramm Kaffee, das ist auf Dauer nur durch Ausbeutung der Erzeuger möglich. ,Supergeil' ist dann nur noch superdreist und superunmoralisch", sagte Müller mit Blick auf eine aktuelle Edeka-Kampagne der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ).

empty alt
Foto: Rostyslav Savchyn

Kommunen rufen EU zu sofortiger Reaktivierung von Flüchtlingsabkommen mit Türkei auf

Hintergrund der Kritik: Sieben führende Einzelhandelskonzerne, darunter Aldi, Edeka und Rewe, wollen am Freitag auf der Landwirtschaftsmesse im Beisein Müllers eine Selbstverpflichtung unterschreiben, mit der sie Erzeugern in Dritte-Welt-Ländern "existenzsichernde Preise" für Mangos, Bananen oder Kaffee garantieren. Damit sollen sie Verantwortung für faire Lieferketten übernehmen.

Das sei zwar "ein wichtiger Schritt", sagte Müller der NOZ, fügte aber sogleich hinzu: "Die Kampfpreise, mit denen mancher Lebensmittelhändler in diesen Tagen wirbt, lassen mich am Problembewusstsein zweifeln." Er fügte die Drohung an: "Für eine Schauveranstaltung bin ich nicht zu haben." Um Lieferketten "auf eine wirklich faire Grundlage" zu stellen, wolle er deshalb mit dem Einzelhandel "eine Mindestpreisschwelle beim Einkauf von Bananen in Ecuador oder Kakao in Ghana" vereinbaren.

Zusätzlich müsse "die Beweiskette umgedreht werden: Wer mit Dumping-Angeboten lockt und Bananen für 88 Cent oder ein Pfund Kaffee für 2,88 Euro verkauft, wird dem Kunden künftig beweisen müssen, dass da keine Kinderarbeit drinsteckt. Geizhandel führt zu Verarmung, weil den Entwicklungsländern so Milliarden an Wertschöpfung entzogen werden", begründete Müller seinen Vorstoß.

Für Landwirte in den Entwicklungsländern sei die Lage "um ein Vielfaches dramatischer" als für Deutschlands Bauern, ergänzte Müller und erläuterte: Die Produzenten erhielten 50 Cent für ein Pfund Kaffeebohnen, 14 Cent für ein Kilo Bananen oder 7 Cent für eine Tafel Schokolade. "Die Folge ist klar: Für die Billigbananen bei uns werden dort Sklavenlöhne gezahlt, sodass dort Kinder arbeiten müssen, damit die Familien überleben." Verweise, in anderen EU-Ländern sei es nicht anders als in Deutschland, lässt der Minister nicht gelten. "Nirgendwo in Europa findet so ein extremer Preiskampf bei Lebensmitteln statt wie in Deutschland. Unsere Nahrung muss uns etwas wert sein."



Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung
#mehrNachrichten
Weiß oder schwarz zu sein, ist ein soziales Konstrukt.
Foto: Olayinka Babalola

Eine freie Gesellschaft kennt keine Rassen

Der Begriff der Rasse hat in Deutschland eine üble Karriere gemacht; auf ihn gründete die NS-Ideologie. Arier-Nachweise und Judensterne, Deportation und Vernichtung - das ganze Grauen beruhte auf...
Bleibt die Kernfrage: Kann Söder überhaupt Kanzler?
Foto: Josef A. Preiselbauer

Der Reiz der Kanzlerkandidatur

Wenn nicht jetzt, dann vielleicht nie: Sollte auch nur im hintersten Gedankenstübchen von Ministerpräsident Markus Söder der Wunsch nach einer Kanzlerschaft herumspuken - und wer würde ernsthaft...
Natürlich ist der Kahlschlag im Warenhausgeschäft auch eine Folge der Corona-Krise.
Foto: Hans Günter Everhartz / CC BY 2.0 (via Flickr)

Ein schwarzer Tag für Karstadt Kaufhof

Man kann die Schließung von 63 Filialen und den Abbau von "nur" 6000 Arbeitsplätzen bei Galeria Karstadt Kaufhof als Erfolg feiern, weil die Arbeitnehmervertreter der Geschäftsführung mehr...
Dass es immer noch keinen Lockdown gibt, ist nicht nachvollziehbar.
Foto: Medakit Ltd

Das Corona-Rezept: Testen, testen, testen

Der Corona-Neuausbruch im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück führt uns allen unsanft vor Augen, wie wenig stabil die Situation in Deutschland ungeachtet der permanent sinkenden Neuinfektionszahlen...
Der Einstieg bei Curevac lässt sich nicht mit einer Notsituation begründen.
Foto: Patrick Büttgen / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Fehlinvestment

Wenn ein Staat innovative Unternehmen unterstützen will, kann er die Fördertöpfe vergrößern, er kann steuerlich entlasten und regulatorisch ein Umfeld schaffen, das guten neuen Ideen keine Grenzen...
Die Aufträge bleiben aus, die Lieferketten sind unterbrochen, jedes siebte Unternehmen erwartet aktuell Geldengpässe.

Industrie bleibt im Abwärtsstrudel

Während die Wirtschaft nach den Corona-Lockerungen langsam wieder hochfährt, verharrt die Industrie im Krisenmodus. Die Aufträge bleiben aus, die Lieferketten sind unterbrochen, jedes siebte...
"Rassismus" wird in vielen Fällen und fälschlicherweise als eine Art Sammelbegriff für Ausländerfeindlichkeit benutzt wird.
Foto: Mostafa Meraji

Artikel 3 des Grundgesetzes

Das Grundgesetz ist ein Manifest gegen Rassismus und Totalitarismus. So ist es gemeint, und so ist es geschrieben. Als es 1948 und 1949 entstand, waren die Erfahrungen aus der Nazi-Diktatur und die...
Back To Top