Dienstag, 11 Aug 2020
Thomas Kemmerich
Thomas Kemmerich Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
 1-2 Minuten Lesezeit  365 Worte im Text  vor 182 Tagen

"Herr Kemmerich ist momentan immer noch kommissarischer Ministerpräsident des Freistaates Thüringen und ich will sehr offen sagen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass er, der mit den Stimmen der AfD gewählt worden ist, bei dem Jahrestag in Buchenwald eine Rolle spielen kann", sagte der Historiker und Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge, im Interview mit der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "neues deutschland" (Mittwochausgabe) .

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Foto: NATO Training Mission-Afghanistan MC2 (SW) Christopher Hall/NPASE East/NTM-A PAO / Public Domain (via Wikimedia Commons)

Die Interessen an einer Türkei als Partner

Mit den Wahlen in Thüringen sei "ein Hauch von Weimar" über das Land geweht. In der Bundesrepublik hätte es trotz aller Schwierigkeiten in der Erinnerung an den Nationalsozialimus doch einen Konsens darüber gegeben, dass man nicht mit neofaschistischen und neonazistischen Parteien zusammen arbeitet, so Knigge gegenüber der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "neues deutschland". Die Ministerpräsientenwahl in Thüringen habe er daher als "einen tiefen Einschnitt" erlebt. Indem Kemmerich die Wahl annahm und ihm viele gratulierten, als sei es das normalste der Welt, mit den Stimmen von Antidemokraten an die Macht zu kommen, sei dieser bundesrepublikanische Konsens verletzt worden, so Knigge.

Die AfD halte er für eine zutiefst undemokratische Partei. Sie bedrohe Gedenkstätten jetzt schon mit Klagen. Deren Aufgabe sieht Knigge in der Sensibilisierung eines kritischen und politischen Geschichtsbewusstseins. Die Gegenwartswahrnehmung historisch informiert zu schärfen, sei das zentrale Ziel ihrer Arbeit.

Dass die AfD aller rechtsradikalen Elemente ihrer Ideologie noch nicht das gleiche Level an Bösartigkeit wie die Nationalsozialisten des "Dritten Reiches" zeigte, sei nun wirklich kein Grund zur Beruhigung, so Knigge. Der völkische Ethnonationalismus, für den sie stehe, erzeuge zwangsläufig Hass und Ausgrenzung. Die Unterhöhlung und Delegitimierung der Demokratie sei ihr Ziel. Auch in der Sprache der AfD gäbe es sehr viele Rückgriffe auf die Sprache des Nationalsozialismus, so Knigge weiter. Wenn man auf die Ereignisse der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen schaue, dann sehe man sehr deutlich, dass die AfD das parlamentarische System zerstören wolle.

Mit Blick auf den 75. Jahrestag der Befreiung von Buchenwald sagte Knigge gegenüber "nd": "Dass Menschen, die die nationalsozialistische Verfolgung erlitten und überlebt haben, das Rückdrehen der Geschichte, und sei es nur im Ansatz, wieder erleben müssen, ist erschütternd. In der Erschütterung der Überlebenden können und sollten wir noch einmal sehen, was auf dem Spiel steht und das es höchste Zeit ist, dagegen aufzustehen."



Quelle: ots/neues deutschland
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