Dienstag, 11 Aug 2020
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Die Deutsche Bahn stellt endlich ihre Weichen in die richtige Richtung. Statt zu sparen, wird investiert - und zwar kräftig. 156 Milliarden Euro will der Staatskonzern bis 2030 in den Ausbau und die Modernisierung seines Schienennetzes stecken, das teils noch mit Gleisen aus der Kaiserzeit bestückt ist. Die Investition ist mehr als überfällig und Voraussetzung, um die Bahn pünktlicher und leistungsfähiger - und damit auch für noch mehr Kunden attraktiver zu machen. Bleibt zu hoffen, dass das Geld an den richtigen Stellen eingesetzt wird und auch die Kunden schnell Verbesserungen spüren.

Thorsten Schäfer-Gümbel
Foto: Martin Kraft / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Das Böse-Reiche-Gesetz

Große Freude dürfte über die Pläne auch in der Baubranche herrschen. Die geplanten Investitionen sind für viele Firmen ein willkommenes Konjunkturprogramm in Zeiten rückläufiger Wachstumsraten der deutschen Wirtschaft. Die Ziele für die Bahn sind jedenfalls hoch gesteckt: Auf Wunsch der Bundesregierung als Eigentümerin soll die Bahn ihre Fahrgastzahlen bis 2030 verdoppeln. Allein im Fernverkehr sollen 260 Millionen Fahrgäste gewonnen werden. Ein ehrgeiziges Ziel, zumal es gerade auf den Fernstrecken noch besonders häufig hakt. Bislang kommt hier fast jeder vierte Zug mit Verspätung am Ziel an. Immer wieder müssen sich Passagiere zudem darüber ärgern, dass Toiletten gesperrt oder schmutzig sind, das Zugbistro zu wenig Getränke, Speisen oder auch mal gar keine Verpflegung an Bord hat, Türen klemmen oder die Klimaanlage ausfällt. Dass man auf vielen Strecken nicht mobil telefonieren kann, erscheint fast jedem als unzeitgemäß.

An diesen sichtbaren Stellen muss die Bahn als Erstes nachbessern. Zudem braucht es weitere neue Hochgeschwindigkeitszüge und Kapazitäten, damit Passagiere in Stoßzeiten nicht auf dem Gang sitzen müssen. Denn der Komfort ist für Fahrgäste das Wichtigste - er ist nicht nur Aushängeschild des Unternehmens, sondern das entscheidende Argument, um mehr Autofahrer zum Umsteigen auf die Schiene zu motivieren. Auf ihren Hochgeschwindigkeitsstrecken hat der Staatskonzern schon bewiesen, dass die Bahn sogar Flugreisende für die Schiene gewinnen kann. Und zwar dann, wenn die Bahn deutlich schneller als Autos oder Flugzeuge Städte verbindet. So gibt es zwischen Berlin und Hamburg längst keine Flugverbindung mehr. Auf der Schnellstrecke Berlin nach München sind ebenfalls immer mehr Geschäfts- und Privatleute zu finden - Beispiele, die als Vorbild für weitere Streckenplanungen dienen sollten.

Die Chancen für eine Aufwertung der Bahn als modernes und vor allem umweltfreundliches Verkehrsmittel stehen heute jedenfalls besser denn je. Dem Klimawandel sei Dank. Denn die Bahn bekommt derzeit den kräftigsten Rückenwind in ihrer Geschichte durch die Ziele zum Klimaschutz der Bundesregierung. Um die Kohlendioxidwerte im Verkehr zu senken, will die Koalition den öffentlichen Nahverkehr stärken und noch mehr Güter von der Straße auf die Schiene verlagern. Die Trassenpreise für die Züge wurden bereits gesenkt. Durch die geplante Mehrwertsteuersenkung für Bahntickets auf sieben Prozent kann die Bahn zudem schon bald ihre Fahrkarten um zehn Prozent billiger anbieten, ohne dafür selbst Gewinne einzubüßen. Gleichzeitig dürften die Nettoumsätze durch mehr Fahrgäste steigen. Ein größeres Geschenk kann man einem Unternehmen gar nicht machen. Doch die Bahn sollte wissen, dass Billigpreise allein nicht reichen. Kunden gewinnt man nur, wenn auch gute Qualität geliefert wird. Nur ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt dauerhaft. Hier muss sich jetzt die Konzernspitze durch wirkungsvolle Ideen beweisen - und liefern.



Quelle: ots/Berliner Morgenpost
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