2 - 3 Minuten Lesezeit   511 Worte im Text   vor 149 Tagen

Bahn muss besser werden

Foto: holzijue / CC0 (via Pixabay)

Themen
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Bahn muss besser werden

.

Die Deutsche Bahn stellt endlich ihre Weichen in die richtige Richtung. Statt zu sparen, wird investiert - und zwar kräftig. 156 Milliarden Euro will der Staatskonzern bis 2030 in den Ausbau und die Modernisierung seines Schienennetzes stecken, das teils noch mit Gleisen aus der Kaiserzeit bestückt ist. Die Investition ist mehr als überfällig und Voraussetzung, um die Bahn pünktlicher und leistungsfähiger - und damit auch für noch mehr Kunden attraktiver zu machen. Bleibt zu hoffen, dass das Geld an den richtigen Stellen eingesetzt wird und auch die Kunden schnell Verbesserungen spüren.

Große Freude dürfte über die Pläne auch in der Baubranche herrschen. Die geplanten Investitionen sind für viele Firmen ein willkommenes Konjunkturprogramm in Zeiten rückläufiger Wachstumsraten der deutschen Wirtschaft. Die Ziele für die Bahn sind jedenfalls hoch gesteckt: Auf Wunsch der Bundesregierung als Eigentümerin soll die Bahn ihre Fahrgastzahlen bis 2030 verdoppeln. Allein im Fernverkehr sollen 260 Millionen Fahrgäste gewonnen werden. Ein ehrgeiziges Ziel, zumal es gerade auf den Fernstrecken noch besonders häufig hakt. Bislang kommt hier fast jeder vierte Zug mit Verspätung am Ziel an. Immer wieder müssen sich Passagiere zudem darüber ärgern, dass Toiletten gesperrt oder schmutzig sind, das Zugbistro zu wenig Getränke, Speisen oder auch mal gar keine Verpflegung an Bord hat, Türen klemmen oder die Klimaanlage ausfällt. Dass man auf vielen Strecken nicht mobil telefonieren kann, erscheint fast jedem als unzeitgemäß.

An diesen sichtbaren Stellen muss die Bahn als Erstes nachbessern. Zudem braucht es weitere neue Hochgeschwindigkeitszüge und Kapazitäten, damit Passagiere in Stoßzeiten nicht auf dem Gang sitzen müssen. Denn der Komfort ist für Fahrgäste das Wichtigste - er ist nicht nur Aushängeschild des Unternehmens, sondern das entscheidende Argument, um mehr Autofahrer zum Umsteigen auf die Schiene zu motivieren. Auf ihren Hochgeschwindigkeitsstrecken hat der Staatskonzern schon bewiesen, dass die Bahn sogar Flugreisende für die Schiene gewinnen kann. Und zwar dann, wenn die Bahn deutlich schneller als Autos oder Flugzeuge Städte verbindet. So gibt es zwischen Berlin und Hamburg längst keine Flugverbindung mehr. Auf der Schnellstrecke Berlin nach München sind ebenfalls immer mehr Geschäfts- und Privatleute zu finden - Beispiele, die als Vorbild für weitere Streckenplanungen dienen sollten.

Die Chancen für eine Aufwertung der Bahn als modernes und vor allem umweltfreundliches Verkehrsmittel stehen heute jedenfalls besser denn je. Dem Klimawandel sei Dank. Denn die Bahn bekommt derzeit den kräftigsten Rückenwind in ihrer Geschichte durch die Ziele zum Klimaschutz der Bundesregierung. Um die Kohlendioxidwerte im Verkehr zu senken, will die Koalition den öffentlichen Nahverkehr stärken und noch mehr Güter von der Straße auf die Schiene verlagern. Die Trassenpreise für die Züge wurden bereits gesenkt. Durch die geplante Mehrwertsteuersenkung für Bahntickets auf sieben Prozent kann die Bahn zudem schon bald ihre Fahrkarten um zehn Prozent billiger anbieten, ohne dafür selbst Gewinne einzubüßen. Gleichzeitig dürften die Nettoumsätze durch mehr Fahrgäste steigen. Ein größeres Geschenk kann man einem Unternehmen gar nicht machen. Doch die Bahn sollte wissen, dass Billigpreise allein nicht reichen. Kunden gewinnt man nur, wenn auch gute Qualität geliefert wird. Nur ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt dauerhaft. Hier muss sich jetzt die Konzernspitze durch wirkungsvolle Ideen beweisen - und liefern.



Quelle: ots/Berliner Morgenpost

Themen (Top 10/365)

  • Familiennachzug erreicht Obergrenze
    Dienstag, 26. Februar 2019

    Die Visa für den Familiennachzug von Flüchtlingen mit eingeschränktem Schutzstatus haben inzwischen das vereinbarte Kontingent von tausend pro Monat erreicht. Im Rahmen des wieder eingeführten...

  • Enteignungen: Zu radikal, aber sexy
    Sonntag, 07. April 2019

    Berlin ist radikaler als der Rest der Republik - das zeigt die Initiative für ein Volksbegehren, die am Wochenende in der Hauptstadt ihren Anfang nahm. Die Aktion will große Wohnungskonzerne im...

  • Väter kümmern sich mehr um ihre Kinder
    Dienstag, 28. Mai 2019

    Mütter tragen zwar nach wie vor die Hauptlast der Kinderbetreuung, doch immerhin holen die Väter langsam auf. Eine gemeinsame Elternzeit könnte die Gleichstellung weiter fördern.

  • Gagen für Promi-Auftritte auf Ministeriums-Websites
    Montag, 20. Mai 2019

    Die Öffentlichkeitsarbeit von Ministern und Regierung in den sozialen Netzwerken gerät erneut in die Kritik. Grund sind Gagen, die Promis und Youtube-Stars für Gastauftritte auf...

  • Vonovia-Chef plädiert für ein Drittel Sozialwohnungen in Neubaugebieten
    Montag, 13. Mai 2019

    Vonovia-Chef Rolf Buch macht sich bei der Neuausweisung von Wohngebieten für einen festgeschriebenen Anteil von Sozialwohnungen stark. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte...

  • Kommunale Identität verhindert Populismus
    Mittwoch, 10. Juli 2019

    Kommunale Identität ist ein entscheidender Faktor für soziales Engagement und politische Stabilität. Der Verlust kommunaler Identität bietet Nährboden für den Aufstieg populistischer Parteien. Das...

  • Experten beklagen wachsende Pensionslasten
    Samstag, 02. März 2019

    Vor dem Hintergrund der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder mahnen Experten vor den Folgekosten. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen beklagte in der "Neuen...

  • UN-Behindertenrechtskonvention: Weniger Bürokratie, mehr Integration
    Dienstag, 26. März 2019

    Heute vor zehn Jahren trat in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft. Seither konnten mehr Menschen mit Behinderungen ins Arbeitsleben integriert werden – aber es gibt noch Luft...

  • Ausgaben der Bundeswehr für Nachwuchswerbung unverändert hoch
    Freitag, 07. Juni 2019

    Trotz Kritik sind die Ausgaben der Bundeswehr für die Nachwuchswerbung seit Jahren unverändert hoch. Die Gesamtausgaben dafür beliefen sich 2018 auf 34,5 Millionen Euro. Das war nahezu...

  • Astronautin Thiele-Eich hat als Schwangere Beileidsbekundungen erhalten
    Samstag, 30. März 2019

    Insa Thiele-Eich hat Beileidsbekundungen erhalten, als sie ihr Umfeld über ihre dritte Schwangerschaft informiert hat. "Eine Person war begeistert, der Rest betroffen bis tief bestürzt", sagt die...