Bislang verfestigen die jüngsten Konjunkturindikatoren das Bild einer zweigeteilten deutschen Wirtschaft.
Bislang verfestigen die jüngsten Konjunkturindikatoren das Bild einer zweigeteilten deutschen Wirtschaft. Foto: Cameron Venti
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Bergauf, bergab, dann geht es in die eine Richtung, gefolgt von der Kurve in die entgegengesetzte. Einer solchen Achterbahnfahrt gleicht die Konjunkturbetrachtung, seit sich das Coronavirus von Wuhan in China aufmachte, die Welt zu erobern. Und wie es die Welt seither im Griff hat - sowohl die Bevölkerung als auch die Wirtschaft. Jede konjunkturelle Entwicklung findet seit mehr als einem Jahr in den Folgen der Pandemie ihre Erklärung. Das macht die Beurteilung der tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten aber auch so schwierig, denn so groß war die Unsicherheit kaum jemals.

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Foto: Stefan Brending / CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons)

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Bislang verfestigen die jüngsten Konjunkturindikatoren das Bild einer zweigeteilten deutschen Wirtschaft: Die robust laufende Industrie ist vom zweiten Lockdown bislang unberührt, während sich die Dienstleister immer noch vergeblich nach einem Fünkchen (Öffnungs-) Hoffnung sehnen. Im Detail allerdings ist die Lage nicht mehr ganz so eindeutig.

Die Industrie etwa hat aktuell ganz klar kein Nachfrageproblem, wie die jüngste Auftragsflut zeigt. Auch ist die Stimmung anhaltend gut, wie sowohl der Einkaufsmanagerindex als auch das Ifo-Geschäftsklima beweisen. Die Engpässe bei Vorprodukten allerdings haben den Bestand unerledigter Aufträge auf Rekordhöhen getrieben. Mit der hinterherhinkenden Produktion verheißt das keinen sonderlichen Wachstumsschub. Im Gegensatz zur eher flauen Stimmung wiederum gibt es bei Handel und Dienstleistern auch Gewinner: den Onlinehandel etwa oder die Logistikbranche, die an den Erfolgen der Industrie partizipiert.

Unklar ist auch das Ausmaß der von außen stammenden Einflussfaktoren: Die billionenschweren Konjunkturprogramme der USA erweisen sich für die stark exportorientierte deutsche Industrie zwar als Segen, doch ohne eine robuste Inlandsnachfrage ist das nicht genug. Die chinesische Konjunktur ist ebenfalls angesprungen und sorgt für einen Nachfrageschub - die bisherigen Steigerungsraten sind allerdings Vergangenheit. Wachstumshoffnung ruht auch auf dem EU-Wiederaufbaufonds, doch dessen Gelder werden noch länger der Auszahlung harren.

Das Infektionsgeschehen bleibt bestimmend: Jede neue Virusvariante droht Erfolge ruckzuck zunichtezumachen. Die Entscheidung zwischen Lockerungsschritten und verschärften Restriktionen bleibt eine Gratwanderung. Und der Impfgipfel zeigt, dass Privilegien für Geimpfte zum Spaltmaterial erster Güte werden. Die Achterbahnfahrt geht so schnell nicht zu Ende.

Quelle: ots/Börsen-Zeitung
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