Dienstag, 11 Aug 2020
Jens Spahn verkündete am Freitag : Der tägliche Anstieg an Covid-19-Fallzahlen hat sich deutlich verringert und die tägliche Zahl der Genesenen übersteigt mittlerweile die der Neuinfizierten.
Jens Spahn verkündete am Freitag : Der tägliche Anstieg an Covid-19-Fallzahlen hat sich deutlich verringert und die tägliche Zahl der Genesenen übersteigt mittlerweile die der Neuinfizierten. Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)
 2-3 Minuten Lesezeit  543 Worte im Text  vor 114 Tagen

Die vergangene Woche endete mit Zuversicht. Es war eine ganze Reihe an guten Entwicklungen, die Gesundheitsminister Jens Spahn und Robert-Koch-Instituts-Präsident Lothar Wieler am Freitag verkündeten: Der tägliche Anstieg an Covid-19-Fallzahlen hat sich deutlich verringert und die tägliche Zahl der Genesenen übersteigt mittlerweile die der Neuinfizierten. Auch die Reproduktionszahl - also jener Wert, der die durchschnittliche Ansteckungsrate anzeigt - ist auf 0,7 gesunken. Im Schnitt steckt also nicht mehr jeder Infizierte in Deutschland eine weitere Person an. Daneben haben sich die Behandlungskapazitäten als ausreichend erwiesen und das Koch-Institut rechnet derzeit nicht mit Engpässen. All das veranlasste Spahn dazu, die Pandemie als "wieder beherrschbar" zu beschreiben.

Der Landkreis Osnabrück bestätigte dem Blatt die Aufnahme der Minderjährigen in einer Einrichtung, ohne den genauen Ort zu nennen.
Foto: jeyeonwon / CC0 (via pixabay)

Erste Flüchtlingskinder aus Griechenland werden im Landkreis Osnabrück untergebracht

So viel Positives verbreitete freitäglichen Frohmut. Und es täuschte für einen Augenblick darüber hinweg, dass just in der gleichen Woche, zwei Tage zuvor, die strikten Einschränkungen unseres öffentlichen Lebens weitgehend verlängert worden waren. Bund und Länder hatten am Mittwoch über die Exit-Strategie beraten. All jene, die auf eine Lockerung der strengen Regeln hingefiebert hatten, wurden enttäuscht. Denn was Kanzlerin Merkel, Vizekanzler Scholz und die Regierungschefs der Länder am Ende beschlossen, sind nur erste, vorsichtige Schritte der Öffnung. Im Zwei-Wochen-Rhythmus sollen diese Schritte überprüft und je nach Lage nachgebessert werden. Das Virus wird also beherrschbar und trotzdem ist weiterhin große Geduld gefragt. Das ist ein Umstand, den man erst einmal verdauen muss.

Wer gerne Fahrrad fährt, kennt das: Man tritt einen langen Berg hinauf, man schwitzt, dann brennen die Oberschenkel, bis schließlich die Lunge flattert. Es ist ein Kampf, doch man kann ihn bewältigen, weil die Aussicht auf eine befreiende Abfahrt anspornt. Übertragen auf die jetzige Lage treten wir noch immer bergauf. Die ersten gut vier Wochen mit strikten Regeln, geschlossenen Schulen, Kitas und Büros, abgesagten Veranstaltungen und ausfallenden Einnahmen waren schon zäh. Und jetzt fällt vorerst auch das beschwingte Durchstarten aus. Nun heißt es Zähne zusammenbeißen. Man braucht einen sehr langen Atem, denn noch kann keiner absehen, wie lange sich dieser Berg noch zieht.

"Wir stehen noch am Anfang der Pandemie." Auch das sagte RKI-Chef Wieler am vergangenen Freitag. Eine Pandemie gilt erst dann als besiegt, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun sind. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn eine schützende Impfung oder ein wirksames Medikament ist noch nicht gefunden, auch wenn weltweit daran unter großem Zeitdruck geforscht wird. Das stellt die Politik vor eine enorme Herausforderung. Der Druck, die nur zögerlichen Lockerungen zu rechtfertigen, wächst täglich. Nun kann man diese Strategie durchaus gutheißen: Ein heute vorsichtiges Vorgehen bewahrt davor, übereilte Öffnungen morgen wieder rückgängig machen zu müssen.

Und dennoch müssen sich die politisch Verantwortlichen immer häufiger kritische Fragen gefallen lassen: Warum dürfen Geschäfte bis 800 Quadratmeter öffnen, aber Kirchen nicht? Wie sollen Kinder betreut werden, wenn die Kita geschlossen bleibt, aber Eltern wieder zur Arbeit müssen? Dafür braucht es gute, nachvollziehbare Antworten. "Neue Normalität" heißt das, woran wir uns gewöhnen müssen, im Politikersprech. Umgekehrt bedeutet das, dass die alte Normalität, wie wir sie noch vor gut vier Wochen gelebt haben, auf absehbare Zeit nicht zurückkehren wird. Das Virus und seine Folgen werden unser öffentliches und privates Leben noch lange bestimmen. Die neue Normalität besteht also erst einmal im Bergfahren. Ob man das als "normal" bezeichnen will, ist jedem selbst überlassen.

Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
#mehrNachrichten
Das Bundesumweltministerium will sowohl das Bundesnaturschutz- als auch das Wasserhaushaltsgesetz reformieren.

Insektenschutzgesetz: Ministerium will Gewässerrandstreifen und weniger Lichtverschmutzung

Das Bundesumweltministerium hat Reformvorschläge zum stärkeren Schutz von Insekten vorgelegt. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Referentenentwurf zum sogenannten...
Gregor Gysi
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1124-012 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud / CC BY-SA 3.0 DE

Ich hätte 1989 Nein sagen sollen, Politiker zu werden

Gregor Gysi führt seine Herzinfarkte auf den Stress und die Anfeindungen gegen ihn als Linken-Politiker zurück. "Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich im Dezember 1989 Nein sagen...
Die Bundesregierung hat Angst vor der Macht der Kommunen.
Foto: Michael Lucan / CC-BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Seehofers Blockaden

Horst Seehofer hat Berlin nun offiziell das dort beschlossene Landesaufnahmeprogramm für 300 notleidende Geflüchtete, die in griechischen Elendslagern festsitzen, verboten. Der Mann, der Kreuze in...
Da die Internetbranche aufgrund der Schwarmintelligenz, oder besser gesagt des Herdentriebs der Nutzer besonders zur Monopolisierung neigt, wird Corona den Einfluss dieser Konzerne noch stärken.
Foto: NordWood

Milliardengewinne der Tech-Riesen

Auch das hat uns der Corona-Lockdown deutlich vor Augen geführt: Die Internetwirtschaft folgt ihren eigenen Gesetzen. Während viele Branchen im zweiten Quartal über extreme Umsatzeinbrüche klagten...
Europa muss auch sicherheitspolitisch einen Mehrwert produziert. Dies ist eine der großen Zukunftsaufgaben.

Akut einsturzgefährdet

Donald Trump spielt wieder die deutsche Karte. Man täusche sich nicht: Der US-Präsident mag zwar wie von allen guten Geistern verlassen durch die Corona-Krise irren, doch am sicheren Gespür für die...
Asperg, Deportation von Sinti und Roma
Foto: Bundesarchiv R 165 Bild-244-47 / CC BY-SA 3.0 DE

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnt vor neuem Nationalismus

Vor dem Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma an diesem Sonntag (2. August) hat der Zentralratsvorsitzende in Deutschland, Romani Rose, vor einem neuen Nationalismus in Europa gewarnt. In einem...
Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamten fordert externe Ombudsstellen
Foto: Gundula Vogel

Rechtsextremismus in der Polizei

Genau zwei Jahre nach der ersten Drohmail mit dem Absender "NSU 2.0" an die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz haben die Ermittler noch keinen Durchbruch erzielt. Am Nachdruck bei der...
Back To Top