Foto: Jo Firmenich
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Wer nach dem Rückzug des "Wir sind Charlie"-Festwagens im offiziellen Rosenmontagszug meinte, Kölner Karneval und frech-kritische Politik passten eben nicht zusammen, sah sich am heutigen Rosenmontag in Köln positiv enttäuscht.

Der Sohn des 1994 verstorbenen Firmengründers Bernd Tönnies beklagt, dass die seit längerem von ihm geforderte Abschaffung der Werkverträge noch nicht erfolgt sei.
Foto: Daidalus / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Corona-Fälle heizen Familienstreit bei Tönnies an

Widerständige Karnevalisten nehmen TTIP und den Freihandelswahn aufs Korn

Vereint im Widerstand gegen die neoliberalen Handelsverträge wie TTIP und CETA zogen rund 100 jecke Globalisierungskritiker von den Pappnasen Rotschwarz, bei denen viele jecke Attac-Aktive mitmischen, unter dem Motto "Su schäl Jeck? Nää, TTIP weg!" mit im traditionellen Zoch vorm Kölner Rosenmontagszoch. An die rund 500.000 Zuschauer und Zuschauerinnen verteilten sie dabei das satirische Boulevard-Extrablatt "Su schäl Jeck" über die Zukunft des Kölner Rosenmontagszuges im Zeichen des Freihandels: Mit TTIP müsste auch der Zug früher oder später international ausgeschrieben und damit kommerzialisiert werden - Anfang vom Ende des "Spaß an der Freud".

Als "Gruppe 000" liefen die obrigkeitskritischen Karnevalisten als letzte Gruppe vor dem offiziellen Zoch. Das offizielle Karnevalsmotto "Social Jeck - kunterbunt vernetzt" war beim jecken Protest Teil des Programms. "Mit dabei sind TTIP-Gegnerinnen und -Gegner aus Hamburg, Frankfurt, Freiburg, Schwäbisch-Hall und dem gesamten Rheinland", sagte Pappnase Thomas Pfaff. Mitglieder der Attac-Gruppe Hunsrück-Nahe waren mit einem vier Meter hohen Trojanischen Pferd dabei, das die Handelsabkommen symbolisiert. "Die Freihandelsideologie sieht mit ihren Versprechungen erst ganz nett aus. Aber dann kommen plötzlich über Nacht Sozialabbau, Demokratieverlust, sinkender Verbraucherschutz, Umweltzerstörung und globaler Konkurrenzdruck herausgekrochen."

Mit ihren Extrablättern und umgetexteten kölschen Karnevalsliedern nahmen auch die "Chlor-Höhner gegen TTIP" den Kampf gegen den Freihandelswahn auf und brachten die Jecken am Zugweg zum Lachen und Mitsingen: "Demokrate, wild und frei - schlagen TTIP entzwei." Auch bei "Big Mac, Coke und 'ne Plastik-Barbie" oder "TTIP in die Tonne" hieß es mitschunkeln. Die karnevalspartytauglichen Songs sind auf der Webseite der Gruppe zu finden: www.pappnasen-rotschwarz.de.

Seit 2007 laufen die Pappnasen-Rotschwarz jedes Jahr am Kölner Rosenmontag beim "Zoch vor dem Zoch" mit - ursprünglich als "G8-Pappnasen". Damals diente der Umzug dazu, das Publikum zu den G8-Protesten nach Rostock zu mobilisieren. Auch dieses Jahr tagt die mittlerweile wieder zu G7 geschrumpfte Runde der Repräsentanten der größten Wirtschaftsnationen wieder in Deutschland - im bayrischen Elmau (www.stop-g7-elmau.info). Auf der Agenda des Gremiums steht auch das Vorantreiben des globalen Freihandels durch Verträge wie TTIP, CETA und TISA. Pappnase Tilman Lenssen-Erz augenzwinkernd: "Diese Klüngelrunde der Möchtegern-Weltenlenker ist nämlich gar nicht witzig, schon deswegen müssen wir unsere Pappnasen scharf machen."

Quelle: Attac Deutschland


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