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Dienstag, 02 Jun 2020
Dietmar Wischmeyer
Dietmar Wischmeyer Foto: Kotofeij K. Bajun / CC BY 3.0 (via Wikimedia Commons)
 1-2 Minuten Lesezeit  335 Worte im Text  vor 18 Tagen

Der Satiriker Dietmar Wischmeyer hat die Attacke auf ein Team der ZDF-"heute-show" in Berlin als einen "heimtückischen Überfall von kriminellem Pack" bezeichnet. Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) warnte der 63-Jährige aber davor, den Vorfall als "Anschlag auf die Pressefreiheit" zu bewerten, wie es beispielsweise der Deutsche Journalistenverband (DJV) getan hatte. Das sei "zu viel der Ehre" für die Täter, unterstrich Wischmeyer. Berlin sei am 1. Mai seit Jahren "das Epizentrum des selbstgefälligen Irrsinns". "Debiles Rowdytum" dürfe nicht mit politischem Handeln verwechselt werden. Wischmeyer gehört seit 2012 zum Team der "heute-show".

Bayerischer Verwaltungsgerichtshof
Foto: Rufus46 / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Willkür bleibt

Die Corona-Pandemie bringe auch für ihn hohe finanzielle Verluste mit sich, sagte Wischmeyer, dessen im Februar gestartete Tournee "Günther, der Treckerfahrer - Jahreshauptversammlung" nach wenigen Terminen komplett abgesagt werden musste. Am meisten sorge er sich aber um die Infrastruktur in der Veranstaltungsbranche. Dort arbeiteten viele Selbstständige, die derzeit um ihre Existenz bangten. "Wenn die keine Rücklagen haben, müssen sie überlegen, ob sie vielleicht zum Amazon-Kurierfahrer umschulen." Kultur sei aber nicht systemrelevant, auch wenn ihre Lobbyisten versuchten, sie dafür zu erklären.

Die Corona-Krise gefährde im Übrigen vor allem das, was ohnehin schon gefährdet war. Bestes Beispiel sei der Einzelhandel in den Innenstädten. "Der kriegt jetzt den finalen Todesstoß", so Wischmeyer, "nicht, weil Amazon böse ist, sondern weil es einfach besser ist." Strukturell könne der Einzelhandel dem Onlinehandel nichts entgegensetzen - "auch nicht die viel zitierte Beratung. Die wollen die meisten Leute nämlich gar nicht, weil sie viel besser selbst im Internet nachgucken können".

Im Radio und Fernsehen genieße er "eine Narrenfreiheit, die unglaublich ist", konstatierte der Satiriker. Von den meisten seiner Humoristen-Kollegen unterscheide ihn, dass er in seinen Kolumnen und auf der Bühne stets verschiedene Figuren verkörpere. Das habe den Vorteil, dass nicht jede satirische Aussage für eine persönliche Meinungsäußerung gehalten werde. In diese Falle sei etwa Dieter Nuhr getappt, der nicht mehr als Satiriker wahrgenommen werde, sondern als Meinungspolitiker, dem beispielsweise Scherze über die Klimaaktivistin Greta Thunberg persönlich übel genommen würden.

Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung
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