Donnerstag, 13 Aug 2020
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Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten außerhalb der üblichen Arbeitszeiten: abends, nachts oder am Wochenende. Darunter sind viele Eltern. Doch wer betreut das Kind, wenn Mutter und Vater gleichzeitig Spätdienst haben? Oder sonnabends arbeiten müssen?

Bernd Riexinger
Foto: dielinke_nrw / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Greenwashing unsozialer Politik

Das Betreuungsangebot vieler Krippen und Kitas hinkt den sich verändernden Anforderungen der Arbeitswelt hinterher. In den meisten Einrichtungen werden Kinder nur tagsüber und unter der Woche betreut. Solche Betreuungszeiten helfen Eltern, die im Schichtdienst arbeiten, nicht. So ist die Organisation der Kinderbetreuung für Busfahrer und Ärztinnen, Fotografen und Kassiererinnen tagtäglich eine riesige Herausforderung, mit der die meisten Eltern bisher alleine gelassen wurden.

Seit 2016 entstehen nun finanziell gefördert vom Bund mehr und mehr 24-Stunden-Kitas, in welchen Kinder rund um die Uhr betreut werden können. Auch am Wochenende. Doch dieses Betreuungsmodell ist nicht unumstritten.

Die Reportage begleitet unter anderem die Rettungssanitäterin Merle und den Notfallsanitäter Jérôme. Ihre Tochter Ida ist ein Jahr alt. „Wir hängen beide an dem Job, wir machen den Job gerne und wir wollten es uns einfach nicht nehmen lassen, trotzdem ein Kind zu haben“, so Jérôme. Denn die Arbeitszeiten des Hamburger Paares sind nur schwer mit dem Familienleben zu vereinbaren und schon gar nicht mit den üblichen Öffnungszeiten von Krippen und Kitas. Merle und Jérôme arbeiten im Zweischichtsystem. Zwölf Stunden tagsüber von sieben Uhr bis 19 Uhr. Oder zwölf Stunden nachts, von 19 Uhr bis sieben Uhr. Häufig haben sie gemeinsam Tag- oder Nachtschicht. Und wohin dann mit Ida?

Die Lösung: Ida wird in einer 24-Stunden-Kita betreut. Dort kann sie auch übernachten. Merle und Jérôme haben sich das sehr gut überlegt, Ida geht es gut. Doch immer wieder stoßen die jungen Eltern auch auf Unverständnis. „Dann kommen auch wirklich Vorwürfe, die einen selber sehr verletzen, dass man sein Kind mit diesem Platz in der 24-Stunden-Kita traumatisieren und auch für später einen erheblichen Schaden auslösen würde“, erzählt Merle.

Denn Kritiker dieses Betreuungsmodells meinen nicht nur, Kinder gehörten nachts nach Hause, sondern 24-Stunden-Kitas seien auch das falsche Signal. Jahrzehntelang habe man für eine familienfreundliche Arbeitswelt gekämpft. Anstatt jetzt dafür Sorge zu tragen, dass die Kinder von Eltern, die abends oder nachts arbeiten müssen, betreut würden, sollten Eltern von der Nachtarbeit befreit werden.

Sind 24-Stunden-Kitas also ein Rückschritt oder die Zukunft der Kinderbetreuung?

Sendung am 02.02.2018, 21:15 Uhr, NDR Fernsehen



Quelle: NDR


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