#zeitfokus.

Dienstag, 02 Jun 2020
Foto: erge / CC0 (via Pixabay)
 2-3 Minuten Lesezeit  413 Worte im Text  vor 243 Tagen

Erinnern Sie sich noch? Ist Ihnen der Satz des damaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher auch noch so präsent, dass Sie ihn im Schlaf auswendig sagen könnten? »Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise...« Es ist der wohl berühmteste, unvollendete Satz der jüngeren Geschichte. Hans-Dietrich Genscher hatte ihn am 30. September 1989 zu den DDR-Flüchtlingen in der Botschaft in Prag vom Balkon aus gesagt. Der Rest der Worte ging im grenzenlosen Jubel tausender Menschen unter. Sie und hunderttausende andere durften fortan in Freiheit leben.

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Foto: De-okin / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

BASF: Gründlich verschätzt

30 Jahre Deutsche Einheit. Der Mut und die Entschlossenheit vieler DDR-Bürger veränderten das politische System, brachten die Berliner Mauer zum Einsturz und bereiteten den Weg für die Wiedervereinigung vor. In Freiheit leben. Reisen. Familie wieder besuchen können. Keine Mauern mehr ertragen müssen. Welch ein Schatz ist das, der 1989 dank vieler Menschen in der DDR, dank ihres politischen, friedlichen Widerstands und dank der Besonnenheit der Politiker gehoben werde konnte! Heute haben wir ein geeintes Deutschland. Wir tun gut daran, uns voller Dankbarkeit, Freude, Mut und, ja, auch Stolz an eine der friedlichsten Revolutionen weltweit in der Geschichte zu erinnern.

Oder? Ist es anders? Überwiegt an diesem Feiertag nicht die Freude, sondern der Frust und die Enttäuschung darüber, dass Ost und West noch nicht so zusammengewachsen sind? Dass es noch immer keine gleichen Lebens- und Arbeitsbedingungen gibt? Dass die Chancen am Arbeitsmarkt im Osten noch immer schlechter sind als die im Westen? Und die Löhne im Osten nicht mit denen im Westen mithalten können? Es stimmt. Die Wiedervereinigung ist noch nicht vollendet. Auch 30 Jahre danach nicht. Aber das, was bereits Großartiges gelungen ist, ist viel mehr als das, was noch nicht komplett bewältigt werden konnte. Hätte bei den Menschen in der DDR 1989 und die Jahre davor die Sorge, Angst und Mutlosigkeit im Vordergrund gestanden, statt die Hoffnung und der Optimismus, dann hätte es die Wiedervereinigung niemals gegeben.

Richtig ist: Der Osten holt weiter auf. Die dortige Wirtschaftskraft ist von 43 Prozent im Jahr 1990 auf 75 Prozent des westdeutschen Niveaus im Jahr 2018 gestiegen. Löhne, Gehälter und verfügbare Einkommen der privaten Haushalte erreichen inzwischen etwa 85 Prozent des westdeutschen Niveaus.

Wir sind kein gespaltenes Land. Nicht durch Greta Thunberg, nicht durch die AfD, nicht durch die Flüchtlinge und erst recht nicht durch die Wiedervereinigung. Probleme können überwunden, Aufgaben gelöst werden - auch ohne Hass, Hetze und Diffamierungen. Darüber nachzudenken, lohnt sich. Der Feiertag ist dafür ein guter Anlass.



Quelle: ots/Westfalen-Blatt
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