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Kommentar zu Annegret Kramp-Karrenbauers Rücktritt

Annegret Kramp-KarrenbauerFoto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0

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Kommentar zu Annegret Kramp-Karrenbauers Rücktritt

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Alles auf Anfang: Annegret Kramp-Karrenbauer kapituliert und lässt die CDU in einem ziemlich ramponierten Zustand zurück. 14 Monate nach ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden, die im besten Falle auch gleich die Frage der Kanzlerkandidatur in ihrem Sinne hätte klären sollen, erkennt die 57-Jährige, dass ihr das alles Entscheidende zum politischen Erfolg fehlt: der Rückhalt in den eigenen Reihen.

Schon länger hatten einflussreiche Christdemokraten immer mal wieder durchblicken lassen, dass es schwer werden dürfte, die Basis für einen AKK-Wahlkampf zu mobilisieren. Offen sagen wollte das natürlich keiner - so funktioniert das halt unter Parteifreunden. Und auch Annegret Kramp-Karrenbauers Rivalen hatten nie erklärt, dass sie bereit sind, sich voll und ganz hinter der CDU-Frontfrau zu versammeln. Das gilt für Friedrich Merz wie für Armin Laschet, wenn beide auch in Auftreten wie in Strategie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Dass ihr im Zuge des Thüringen-Desasters auch noch ihre Amtsvorgängerin Angela Merkel in die Parade fuhr, muss für Annegret Kramp-Karrenbauer endgültig das Signal zum Aufgeben gewesen sein. Denn wenn die Kanzlerin entgegen ihrer Gewohnheit aus dem Ausland zu einer innenpolitischen Frage in dieser Art und Weise Stellung nimmt, wie sie es getan hat, kann das nur eines bedeuten: Auch Angela Merkel hat den Glauben an Annegret Kramp-Karrenbauers Führungsstärke und Durchsetzungskraft endgültig verloren.

Annegret Kramp-Karrenbauer hinterlässt kein bestelltes Feld, sondern einen kreuz und quer durchpflügten Acker. Daran ist gewiss nicht sie alleine schuld, dafür trägt auch Angela Merkel ein gehöriges Stück Mitverantwortung. Denn selbst wenn AKK vom ersten Tag an alles in ihrem Sinne hätte regeln können, hätte sie trotzdem mit dem Erbe von 18 Jahren Angela Merkel zu kämpfen gehabt.

Gleichwohl hat Kramp-Karrenbauer nach ihrer Wahl auf dem Hamburger Wahlparteitag im Dezember 2018 so ziemlich alles falsch gemacht, was sie falsch machen konnte. Symbolisch steht der missglückte Karnevalswitz für ihre beinahe durchgehend falsche Themensetzung, für missglücktes Timing und haarsträubende Kommunikationspannen. Heute weiß die CDU weniger denn je, wo sie steht und wofür sie steht. Die Konfusion von Thüringen ist symptomatisch - von AfD bis Linke scheint beinahe alles möglich. Es fehlt ein Kompass, und ohne den kann es keinen klaren Kurs geben. Die CDU ist ernsthaft in Gefahr, ihren Status als letzte echte Volkspartei Deutschlands zu verlieren.



Quelle: ots/Westfalen-Blatt

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