Wehe, man diskutiert öffentlich über die Kirchensteuer!
 1-2 Minuten Lesezeit  255 Worte im Text  vor 315 Tagen

Es ist die Urangst vieler Kirchenleute, das große "Bloß nicht darüber reden!": Wehe, man diskutiert öffentlich über die Kirchensteuer! Jedes Mal, wenn der Begriff irgendwo in den Medien fällt, treten ja nur noch mehr Menschen aus! Und: Je weniger Geld die Kirche hat, desto weniger Stellen kann es geben, desto mehr Gemeinden müssen zusammengelegt werden. Und desto mehr Zuschüsse müssen fließen. Besitzstandswahrung auf hohem Niveau.

Es geht jedoch nicht nur um alte Schummeleien oder Schludrigkeiten. Vielmehr geht es darum, dass Giffey im September Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden will.
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons)

Die Glaubwürdigkeit von Franziska Giffey

Doch der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat es jetzt gewagt. In einem Interview hat er vorgeschlagen, Menschen, die am Berufsanfang stehen, mit einem geringeren Kirchensteuersatz die Kirchenmitgliedschaft schmackhaft zu machen. Und dieser Ansatz geht in die richtige Richtung: Die Kirche muss in einer Zeit, in der sich immer weniger Menschen dauerhaft an etwas binden wollen, in ihren weltlichen Formen flexibler werden - ohne dabei freilich die lebenslange Gültigkeit der Taufe aufzugeben. Es passt zur immer wieder aufflammenden Diskussion über eine Kirchenmitgliedschaft "light" - also über ein Modell für Menschen, die den Weg zur Taufe scheuen, die aber trotzdem fleißig im Kirchenchor singen und sich an der Sanierung eines Kirchengebäudes beteiligen.

Nicht ohne Grund kennen ja auch viele Vereine schon seit Jahren abgestufte Mitgliedsbeiträge für Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Nachdenken sollte die Kirche zum Beispiel auch über eine stärkere Entlastung für Geringverdiener. Wenn der Grundfreibetrag, ab dem auch die Kirchensteuer fällig wird, künftig höher läge als der Grundfreibetrag für die staatliche Einkommenssteuer, wäre das doch auch ein schönes Signal an viele sozial schwächere Menschen im Land. Denn für Menschen, die nur wenig verdienen, zählt bekanntlich jeder Euro doppelt.

Quelle: ots/Rheinische Post
#mehrGesellschaft
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