#zeitfokus.

Montag, 30 Mär 2020
Foto: Holger Link / CC0 (via Unsplash)
 1-2 Minuten Lesezeit  350 Worte im Text  vor 110 Tagen
Deutschen Bank: Auf der Rasierklinge. Fünf Stunden Präsentationen, elf Referenten, 144 Folien: An Informationen hat es die Deutsche Bank auf ihrem Investorentag nicht mangeln lassen. Dass die Aktie dennoch schwächer als der Dax schloss, darf man als Indiz werten, dass sich die Begeisterung der Investoren in engen Grenzen hält. Man muss aber ebenso konstatieren: Es ist auch nichts weiter kaputt gegangen, nachdem die Bank noch im September ihre Ertragserwartung leicht gesenkt hatte. Was bleibt? Zu einem kleinen Hoffnungsschimmer taugt, dass ausgerechnet die im Sommer gerupfte Investmentbank inzwischen zu einer etwas mutigeren Ertragsprognose Anlass gibt. Schließlich will die Bank den Beweis antreten, dass sie bis 2022 im gesamten Konzern den Ertrag halten kann, auch wenn sie bis dahin 18.000 Stellen abbaut. Schwerer als die jüngsten Signale aus der notorisch volatilen Investmentbank wiegt jedoch die strategische Position des Instituts: Konzernchef Christian Sewing hat die Bank den Investoren vor allem als Kostensenkungsfall verkauft. Das ist sicher nicht falsch. Kostensenkungen aber sind beileibe kein Alleinstellungsmerkmal: Jedermann in der Branche muss sparen, und manche Bank hat damit sogar schon lange vor Deutschlands größtem Kreditinstitut angefangen. Was spricht außer einem nun überdurchschnittlich hohen Einsparpotenzial kurzfristig für die Deutsche Bank? Im Investment Banking hat die Ertragskraft im laufenden Zyklus den Höhepunkt überschritten, im Firmenkundengeschäft drohen im Zuge des Abschwungs höhere Belastungen, und im Privatkundengeschäft sorgt die Geldpolitik für Ertragsabrieb. Derweil droht das Management vor lauter Beschäftigung mit dem eigenen Umbau das nächste Mega-Thema zu verpassen: Seine Ausführungen zur Nachhaltigkeit beschränkten sich auf Aussagen zum geplanten Vertrieb passender Produkte. Auf lange Sicht wiederum steht der Bank eine mächtige Inflation der Kapitalanforderungen bevor. Gut zwei Jahre nach den entsprechenden Beschlüssen hat sie am Dienstag erstmals den Effekt des Abschlusses von Basel III beziffert: schlappe 59 Mrd. bis 76 Mrd. Euro an Risikoaktiva. Mit überarbeiteten Regeln zum Handelsbuch sowie zu bankinternen Modellen läuft dies auf einen Anstieg des Eigenkapitalbedarfs um gut ein Viertel bis fast ein Drittel bis 2029 hinaus. Wer da an Nachsteuerrenditen von 8% glaubt, braucht neben Zuversicht mit Blick aufs Management auch Gottvertrauen. Die Restrukturierung der Deutschen Bank ist und bleibt ein Ritt auf der Rasierklinge. Quelle: ots/Börsen-Zeitung

Fünf Stunden Präsentationen, elf Referenten, 144 Folien: An Informationen hat es die Deutsche Bank auf ihrem Investorentag nicht mangeln lassen. Dass die Aktie dennoch schwächer als der Dax schloss, darf man als Indiz werten, dass sich die Begeisterung der Investoren in engen Grenzen hält. Man muss aber ebenso konstatieren: Es ist auch nichts weiter kaputt gegangen, nachdem die Bank noch im September ihre Ertragserwartung leicht gesenkt hatte.

empty alt
Foto: Hermann Traub / CC0 (via Pixabay)

Gute Umweltpolitik sieht anders aus

Was bleibt? Zu einem kleinen Hoffnungsschimmer taugt, dass ausgerechnet die im Sommer gerupfte Investmentbank inzwischen zu einer etwas mutigeren Ertragsprognose Anlass gibt. Schließlich will die Bank den Beweis antreten, dass sie bis 2022 im gesamten Konzern den Ertrag halten kann, auch wenn sie bis dahin 18.000 Stellen abbaut. Schwerer als die jüngsten Signale aus der notorisch volatilen Investmentbank wiegt jedoch die strategische Position des Instituts: Konzernchef Christian Sewing hat die Bank den Investoren vor allem als Kostensenkungsfall verkauft. Das ist sicher nicht falsch. Kostensenkungen aber sind beileibe kein Alleinstellungsmerkmal: Jedermann in der Branche muss sparen, und manche Bank hat damit sogar schon lange vor Deutschlands größtem Kreditinstitut angefangen. Was spricht außer einem nun überdurchschnittlich hohen Einsparpotenzial kurzfristig für die Deutsche Bank? Im Investment Banking hat die Ertragskraft im laufenden Zyklus den Höhepunkt überschritten, im Firmenkundengeschäft drohen im Zuge des Abschwungs höhere Belastungen, und im Privatkundengeschäft sorgt die Geldpolitik für Ertragsabrieb. Derweil droht das Management vor lauter Beschäftigung mit dem eigenen Umbau das nächste Mega-Thema zu verpassen: Seine Ausführungen zur Nachhaltigkeit beschränkten sich auf Aussagen zum geplanten Vertrieb passender Produkte.

Auf lange Sicht wiederum steht der Bank eine mächtige Inflation der Kapitalanforderungen bevor. Gut zwei Jahre nach den entsprechenden Beschlüssen hat sie am Dienstag erstmals den Effekt des Abschlusses von Basel III beziffert: schlappe 59 Mrd. bis 76 Mrd. Euro an Risikoaktiva. Mit überarbeiteten Regeln zum Handelsbuch sowie zu bankinternen Modellen läuft dies auf einen Anstieg des Eigenkapitalbedarfs um gut ein Viertel bis fast ein Drittel bis 2029 hinaus. Wer da an Nachsteuerrenditen von 8% glaubt, braucht neben Zuversicht mit Blick aufs Management auch Gottvertrauen. Die Restrukturierung der Deutschen Bank ist und bleibt ein Ritt auf der Rasierklinge.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
#mehrGesellschaft
Corona-Schockstarre, Bevölkerung macht Hamsterkäufe und läuft mit Schutzmasken durch die Gegend.
Foto: falco / CC0 (via Pixabay)

Bundesweite Schulschließungen wären "hysterische Überreaktion"

Kassenarztchef Andreas Gassen hat scharfe Kritik an wiederholten Rufen nach "Corona-Schulferien" geübt: "Bei wenigen Hundert Infizierten in Deutschland wären bundesweite Schulschließungen eine...
Der US-Präsident droht das Kräftemessen mit dem Virus zu verlieren.
Foto: The White House / Public Domain (via Flickr)

Trumps Einreisesperre ist Schaufensterpolitik

Für Donald Trump ist der Fall klar. Europa ist schuld. Europa hat es verschlafen. Europa hat zu lange tatenlos Chinesen über den Kontinent reisen lassen und es versäumt, sich früh gegen das...
Björn Höcke
Foto: Vincent Eisfeld / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Die Grenze der Toleranz

Mit der Toleranz ist es eine paradoxe Angelegenheit. Muss eine tolerante, demokratische, offene Gesellschaft diejenigen tolerieren, die ihrerseits Intoleranz verkörpern, die Demokratie unterwandern, Ausgrenzung...
Wer unter seiner Qualifikation arbeitet, ist nicht nur häufig im Arbeitsleben unzufrieden und verdient weniger.
Foto: Liam Martens

Fast jeder sechste Arbeitnehmer in Deutschland ist überqualifiziert

Fast jeder sechste Arbeitnehmer in Deutschland ist überqualifiziert. Gut 5,1 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (15,7 Prozent) haben einen Job mit einem Anforderungsprofil unterhalb der...
Insbesondere im niedergelassenen Bereich haben manche Ärzte jetzt schon keine Schutzkleidung mehr vor Ort.
Foto: Daan Stevens

Marburger Bund fordert Runde Tische gegen Corona-Krise

Zur Bewältigung der Corona-Krise in den Krankenhäusern fordert die Ärztegewerkschaft Marburger Bund klinikübergreifende Maßnahmen, damit bei einer Ausweitung des Virus ausreichend freie Betten für...
Standardrente seit 2014 brutto um 200 beziehungsweise 250 Euro gestiegen.
Foto: pasja1000 / CC0 (via Pixabay)

Rentenversicherung meldet "deutliches Plus" für Senioren

Während an den Börsen wegen der Ausbreitung des Coronavirus die Aktienkurse fallen, verkündet die Deutsche Rentenversicherung (DRV) "erfreuliche Nachrichten für die mehr als 21 Millionen...
Nicht nur die großen Unternehmen, auch die Kleinstbetriebe und die "normalen Arbeitnehmer" müssen geschützt werden.
Foto: Moshe Harosh

Auch der Lohn muss sicher sein

Die Bundesregierung hat in der Corona-Krise einen Schutzschild für Beschäftigte und Unternehmen mit unbegrenzten Krediten beschlossen. Auch zur Rettung der Banken floss einst Geld des Steuerzahlers. "Too big to...
Back To Top