Dienstag, 14 Jul 2020
Foto: HH E / CC0 (via Unsplash)
 1-2 Minuten Lesezeit  388 Worte im Text  vor 166 Tagen

Angesichts der ersten Coronavirus-Fälle haben Deutschlands Ärzte vor einer mangelnden Ausstattung der Krankenhäuser gewarnt. "Optimal für Patienten mit Coronavirus wären Einzelzimmer mit Vorschleusen. Entsprechend ausgerüstete Zimmer gibt es aber nicht mehr sehr viele, sie sind im letzten Jahrzehnt aus Kostengründen reduziert worden", sagte Susanne Johna, Vorstandsmitglied und Pandemie-Beauftragte der Bundesärztekammer (BÄK), im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ).

empty alt
play

7500

Bei dringendem Behandlungsbedarf würden sogenannte Einzelboxen auf Intensivstationen benötigt, um die Übertragungsgefahr zu minimieren, erklärte Johna weiter. "Auch davon gibt es aus Kostengründen zu wenige, das gilt auch für Neubauten. In Doppelboxen ist das Ansteckungsrisiko höher, das wissen wir schon lange. Insofern müssen wir hier im Sinne der Patienten umdenken."

Nicht nur bei der Krankenhausausstattung sieht die Expertin Nachholbedarf: "Der Coronavirus muss ein Weckruf sein, um den öffentlichen Gesundheitsdienst zu stärken, der vielerorts massiv unterbesetzt ist", sagte Johna, die auch Bundesvorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund ist, der NOZ. "Es fehlt an Ärzten, und es fehlt an Fachpersonal. Dabei ist der öffentliche Gesundheitsdienst entscheidend, um Epidemien einzudämmen, weil er das Bindeglied zwischen allen Akteuren ist." Der öffentliche Gesundheitsdienst müsse zum Beispiel die Isolierung von Patienten zu Hause überwachen und sei für die gesamte Meldekette bei neuen Fällen zuständig. Sollte sich der Coronavirus zu einer wirklichen Pandemie ausbreiten, "wäre es unmöglich, alle Patienten im Krankenhaus zu behandeln", sagte die Hygiene-Expertin.

Dass die Kliniken derzeit ihre Ausbruchspläne überprüften, sei "sinnvoll", reiche aber nicht aus, sagte Johna weiter. "Sowohl Ausbruchsszenarien als auch Katastrophenszenarien müssen regelmäßig geübt werden. Krisensimulationen sind aber teuer, deswegen wird leider zu selten geübt, weil Kliniken Kosten sparen wollen", beklagte die Gewerkschaftschefin. "Das muss sich ändern. Das regelmäßige Training in den Krankenhäusern sollte zur Pflicht werden."

Mit Blick auf den Coronavirus und die ersten Fälle in Deutschland warnte Johna aber auch vor Panik. "Wir müssen das neue Virus ernst nehmen, weil wir noch lange nicht alles darüber wissen, etwa, wie ansteckend Menschen sind, die das Virus tragen, bei denen die Krankheit aber noch nicht ausgebrochen ist", sagte sie und fügte hinzu: "Eine aktuelle Bedrohung gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht." Die Gefahr durch eine normale Grippe sei viel höher. An Influenza seien in Deutschland in diesem Winter schon etwa 40 Menschen gestorben. "Aber die Grippe ist bekannt und wird deswegen nicht so ernst genommen wie ein neuer Erreger mit vielen Unbekannten", sagte Johna.



Quelle: ots/Rheinische Post
#mehrGesellschaft
"Ich fürchte die Signalwirkung für Funktionäre vom Schlage des zurückgetretenen Schalker Aufsichtsrats-Chefs Tönnies, die eigentlich über große Vermögen verfügen, aber im Notfall mit dem Klingelbeutel vor der Politik stehen."
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Kevin Kühnert gegen NRW-Landesbürgschaft für Schalke 04

Der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert hat sich kritisch zu Plänen in Nordrhein-Westfalen geäußert, dem Fußball-Bundesligisten Schalke 04 mit einer Bürgschaft zu helfen. Kühnert...
Treffend spricht Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen davon, dass hier der Flügel längst der ganze Vogel geworden sei.
Foto: Vincent Eisfeld / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Die AfD macht sich selbst verdächtig

Die Beobachtung ihres gesamten Landesverbandes durch den Verfassungsschutz hat sich die Brandenburger AfD selbst zuzuschreiben. Wenn zum einen der AfD-Landeschef Andreas Kalbitz selbst dem eigenen...
Besonders lange dauert dabei die sogenannte Kundenphase von der Antragstellung bis zum Eingang der vollständigen Antragsunterlagen.
Foto: succo / CC0 (via Pixabay)

Arbeitslosengeld: Im Schnitt 49 Tage von Antragstellung bis Auszahlung

Wer seinen Job verliert und Arbeitslosengeld beantragt, muss im Schnitt 49 Kalendertage bis zur Auszahlung warten. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der...
Werde der Werkvertrag verboten, stünden einige Unternehmen "vermutlich kurzfristig vor erheblichen Personalproblemen".
Foto: Jai79 / CC0 (via Pixabay)

Geplantes Verbot von Werkverträgen: Fleischwaren-Präsidentin zweifelt an Durchsetzungsfähigkeit

Sarah Dhem, Präsidentin des Bundesverbandes der Fleischwarenindustrie, ist skeptisch, dass das von der Bundesregierung angekündigte Verbot von Werkverträgen in der Fleischwirtschaft so umgesetzt...
Die Schulen benötigen die Zeit, um sich auf eine neue Art des Unterrichts einzustellen.
Foto: Andy Falconer

Schulen benötigen Zeit für das neue Lernen

Seit Mitte März befinden sich Schüler, Eltern und Lehrer in einem permanenten Ausnahmezustand. Mit der Entscheidung, alle Schulen zu schließen, hat die Landesregierung richtig gehandelt. Sie dürfte...
In Deutschland leben etwa 17 Millionen Menschen in Single-Haushalten, vor allem in Städten und Großstädten.
Foto: Joseph Gruenthal

Soziale Isolation kostet uns Lebensjahre

Der international bekannte Psychiater, Hochschullehrer und Stressforscher Mazda Adli rechnet mit einer Zunahme psychischer Belastung der Bevölkerung infolge der Corona-Krise. "Ich gehe davon aus,...
Der Begriff Rasse gehört, um es klar zu formulieren, auf den Müllhaufen der Geschichte.
Foto: Gemma Chua-Tran

Nicht unantastbar

Kritiker wittern eine Scheindebatte. Sie sprechen von Symbolpolitik ohne Gehalt, die sich wie so oft darin erschöpft, das gute Gewissen zu streicheln. Und sie warnen davor, ohne Not Hand an die...
Back To Top