Sonntag, 05 Jul 2020
Wenn Kinder in schwierigen Verhältnissen aufwachsen, kann das einen negativen Effekt auf ihren Schulerfolg haben.
Wenn Kinder in schwierigen Verhältnissen aufwachsen, kann das einen negativen Effekt auf ihren Schulerfolg haben. Foto: Tyrone Daryl / CC BY 2.0 via Flickr
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In Regionen mit hoher Armutsquote brechen viele Jugendliche die Schule ab, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Das liegt nicht an fehlenden finanziellen Mitteln der Familien, sondern an der mangelnden Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien in Kitas und Schulen.

Barack Obama und Donald Trump
Foto: Karl-Ludwig Poggemann / CC BY 2.0 (via Flickr)

Die Spaltung ist da

Werden die regional unterschiedlichen Lebenshaltungskosten berücksichtigt, gelten 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland als armutsgefährdet. Das bedeutet, ihren Familien stehen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung. Überdurchschnittlich hoch ist die sogenannte Armutsgefährdungsquote in einigen Regionen Ostdeutschlands. So liegt sie in Leipzig bei fast 28 Prozent und im nördlichen Sachsen-Anhalt bei gut 32 Prozent. Gleichzeitig brechen dort knapp 12 beziehungsweise 11 Prozent der Jugendlichen die Schule ab – rund doppelt so viele wie im bundesweiten Durchschnitt. Ähnlich sieht es in Gelsenkirchen aus: Dort liegt die Armutsgefährdungsquote bei 39 Prozent und der Anteil der Schulabbrecher bei fast 11 Prozent. Im westlichen Mittelfranken sind dagegen weniger als 7 Prozent der Minderjährigen armutsgefährdet, nur 3 Prozent brechen die Schule ab.

„Wenn Kinder in schwierigen Verhältnissen aufwachsen, hat das einen negativen Effekt auf ihren Schulerfolg“, erklärt IW-Forscher Wido Geis. Zwar zeigen Untersuchungen, dass die Ursache weniger das geringe Familieneinkommen ist, sondern die mangelnde Bildung vieler einkommensschwacher Eltern. Sie können ihre Kinder beim Lernen und bei den Hausaufgaben kaum unterstützen. Dadurch werden Bildungs- und Einkommensarmut häufig weiter vererbt, die Zahl der auf Sozialleistungen angewiesenen Personen bleibt hoch und die Wachstumsmöglichkeiten von Regionen können leiden.

Zwar kann die Schulabbrecherquote nicht mit Bildungsarmut gleichgesetzt werden, weil viele Jugendliche ihren Abschluss im beruflichen Übergangssystem nachholen. Das gilt jedoch nicht für alle, kostet Geld und Zeit, in denen der Nachwuchs dem Arbeitsmarkt trotz Fachkräfteengpässen nicht zur Verfügung steht. Deshalb sollte die Politik für Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten ein Lernumfeld schaffen, das es ihnen leichter macht, in der Schule Erfolg zu haben, fordert Geis.



Quelle: IW Köln


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