Dienstag, 14 Jul 2020
Foto: Mohamed Hassan / CC0 (via Pixabay)
 1-2 Minuten Lesezeit  319 Worte im Text  vor 258 Tagen

Gute Nachrichten von der europäischen Statistikbehörde Eurostat: In Deutschland sind weniger Menschen von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Demnach gibt es so wenig Betroffene wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dazu hat maßgeblich der Rückgang bei der Unterbeschäftigung beigetragen.

empty alt
Foto: alanbatt / CC0 (via Pixabay)

Auschwitz und die Politik

Nach der Definition der Europäischen Kommission gilt als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wer entweder in relativer Einkommensarmut lebt, sich wichtige Grundbedürfnisse nicht erfüllen kann – beispielsweise eine einwöchige Urlaubsreise – oder in einem Haushalt mit geringer Erwerbsintensität lebt. Nach dieser Definition wäre auch der reiche Privatier, der von seinem Vermögen leben kann, gefährdet. Durch die weite Definition ergeben sich insgesamt hohe Gefährdungszahlen: In Deutschland waren im vergangenen Jahr 18,7 Prozent der Bevölkerung betroffen, EU-weit waren es 21,7 Prozent.

Prinzipiell ist es sinnvoll, den Arbeitsmarkt bei der Armutsdiskussion mit zu betrachten: Die materiellen Armutsrisiken hängen stark von der Erwerbstätigkeit ab. Die Teilhabe am Erwerbsleben stellt eine wichtige Entfaltungsmöglichkeit dar. Vor allem durch die günstige Beschäftigungsentwicklung in den vergangenen Jahren ist die Gefährdungsquote in Deutschland in den letzten vier Jahren kontinuierlich um insgesamt knapp zwei Prozentpunkt gesunken. 2014 zählten rund 7,2 Prozent der Bevölkerung zu den Haushalten mit sogenannter geringer Erwerbstätigkeit, 2018 waren es nur noch 5,8 Prozent. Verglichen mit dem Stand von vor zehn Jahren ergibt sich sogar ein Rückgang von 2,8 Prozentpunkten.

Dennoch besteht bei der Armutsbekämpfung Handlungsbedarf. Wichtige Ansatzpunkte liegen hier in den Bereichen Bildung und Arbeitsmarkt: "Wir brauchen mehr Chancengerechtigkeit bei der Bildung", sagt IW-Armutsexperte Christoph Schröder. "Dazu fehlen gut zugängliche und qualifizierte Betreuungsangebote, vor allem für die Kleinsten." Mit Nachqualifizierungsangeboten, Sprachförderung und ausbildungsbegleitenden Maßnahmen könnten die Einstiegs- und Aufstiegschancen für Personen mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Elternhäusern verbessert werden. Gerade Schulen und Bildungseinrichtungen, die besonders viele Kinder mit hohem Unterstützungsbedarf betreuen, sollten mehr Personal und höhere Mittel zugewiesen werden. Mehr Anreize für Vollzeit-Beschäftigungen und eine höhere Betreuungsdichte für Langzeitarbeitslose könnten den Ausstieg aus dem Transferleistungsbezug erleichtern.



Quelle: IW Köln
#mehrGesellschaft
"Ich fürchte die Signalwirkung für Funktionäre vom Schlage des zurückgetretenen Schalker Aufsichtsrats-Chefs Tönnies, die eigentlich über große Vermögen verfügen, aber im Notfall mit dem Klingelbeutel vor der Politik stehen."
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Kevin Kühnert gegen NRW-Landesbürgschaft für Schalke 04

Der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert hat sich kritisch zu Plänen in Nordrhein-Westfalen geäußert, dem Fußball-Bundesligisten Schalke 04 mit einer Bürgschaft zu helfen. Kühnert...
Treffend spricht Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen davon, dass hier der Flügel längst der ganze Vogel geworden sei.
Foto: Vincent Eisfeld / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Die AfD macht sich selbst verdächtig

Die Beobachtung ihres gesamten Landesverbandes durch den Verfassungsschutz hat sich die Brandenburger AfD selbst zuzuschreiben. Wenn zum einen der AfD-Landeschef Andreas Kalbitz selbst dem eigenen...
Der Begriff Rasse gehört, um es klar zu formulieren, auf den Müllhaufen der Geschichte.
Foto: Gemma Chua-Tran

Nicht unantastbar

Kritiker wittern eine Scheindebatte. Sie sprechen von Symbolpolitik ohne Gehalt, die sich wie so oft darin erschöpft, das gute Gewissen zu streicheln. Und sie warnen davor, ohne Not Hand an die...
Die Schulen benötigen die Zeit, um sich auf eine neue Art des Unterrichts einzustellen.
Foto: Andy Falconer

Schulen benötigen Zeit für das neue Lernen

Seit Mitte März befinden sich Schüler, Eltern und Lehrer in einem permanenten Ausnahmezustand. Mit der Entscheidung, alle Schulen zu schließen, hat die Landesregierung richtig gehandelt. Sie dürfte...
Womöglich ist die Zeit der "Alles-unter-einem Dach"-Häuser einfach vorbei.
Foto: Magnussen, Friedrich (1914-1987) - Stadtarchiv Kiel / CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons)

Die Zeit der Warenhäuser ist vorbei

Was für ein Niedergang! Einst war die Warenhaus-Branche eine Sammlung klangvoller Namen: Horten, Hertie, Karstadt, Kaufhof teilten sich den großen Umsatzkuchen. Dann kam Amazon und machte den Weg...
In Deutschland leben etwa 17 Millionen Menschen in Single-Haushalten, vor allem in Städten und Großstädten.
Foto: Joseph Gruenthal

Soziale Isolation kostet uns Lebensjahre

Der international bekannte Psychiater, Hochschullehrer und Stressforscher Mazda Adli rechnet mit einer Zunahme psychischer Belastung der Bevölkerung infolge der Corona-Krise. "Ich gehe davon aus,...
Besonders lange dauert dabei die sogenannte Kundenphase von der Antragstellung bis zum Eingang der vollständigen Antragsunterlagen.
Foto: succo / CC0 (via Pixabay)

Arbeitslosengeld: Im Schnitt 49 Tage von Antragstellung bis Auszahlung

Wer seinen Job verliert und Arbeitslosengeld beantragt, muss im Schnitt 49 Kalendertage bis zur Auszahlung warten. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der...
Back To Top