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Freitag, 03 Apr 2020
Medizinhistoriker sieht in Corona-Krise "eindeutig historisches Ereignis".

Osnabrück (ots) - Medizinhistoriker Philipp Osten wertet die Corona-Krise als "eindeutig historisches Ereignis". Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) sagte der Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik in der Medizin beim Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: "Das, was wir erleben, ist historisch. Wir können unseren Kindern nicht sagen, dass wir so etwas schon einmal erlebt hätten." Für viele Menschen sei die Corona-Krise einschneidend, sie würden sich künftig ein Leben lang daran erinnern. Am ehesten sei die Situation mit dem Reaktor-Unglück von Tschernobyl zu vergleichen.

Mit Blick auf die teils drastischen Schilderungen der Lage in überfüllten italienischen Krankenhäusern sagte Osten: "Die Situation, jemanden, der eigentlich rettbar ist, von der Maschine zu nehmen, weil jemand anderes da ist, der nach gewissen Kriterien bessere Überlebenschancen hat - auf so etwas können Sie keinen Mediziner vorbereiten." Diese sogenannten Triage-Entscheidungen hätten ihren Ursprung in der Kriegschirurgie zu Napoleons Zeiten.

Wichtig sei, bei den Beurteilungen eine Art von Gerechtigkeit herzustellen. "Der 80-jährige Bankdirektor darf nicht besser behandelt werden als der 30-jährige Bankräuber. Es darf nur um medizinische Kriterien gehen." Selbst dann seien solche Entscheidungen den Angehörigen aber "nicht vermittelbar". Osten sagte, "fast sicher" lösten solch belastende Situationen beim medizinischen Personal Traumata aus.

Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung
Rüdiger Lucassen
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

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Osnabrück (ots) - Medizinhistoriker Philipp Osten wertet die Corona-Krise als "eindeutig historisches Ereignis". Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) sagte der Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik in der Medizin beim Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: "Das, was wir erleben, ist historisch. Wir können unseren Kindern nicht sagen, dass wir so etwas schon einmal erlebt hätten." Für viele Menschen sei die Corona-Krise einschneidend, sie würden sich künftig ein Leben lang daran erinnern. Am ehesten sei die Situation mit dem Reaktor-Unglück von Tschernobyl zu vergleichen.

Mit Blick auf die teils drastischen Schilderungen der Lage in überfüllten italienischen Krankenhäusern sagte Osten: "Die Situation, jemanden, der eigentlich rettbar ist, von der Maschine zu nehmen, weil jemand anderes da ist, der nach gewissen Kriterien bessere Überlebenschancen hat - auf so etwas können Sie keinen Mediziner vorbereiten." Diese sogenannten Triage-Entscheidungen hätten ihren Ursprung in der Kriegschirurgie zu Napoleons Zeiten.

Wichtig sei, bei den Beurteilungen eine Art von Gerechtigkeit herzustellen. "Der 80-jährige Bankdirektor darf nicht besser behandelt werden als der 30-jährige Bankräuber. Es darf nur um medizinische Kriterien gehen." Selbst dann seien solche Entscheidungen den Angehörigen aber "nicht vermittelbar". Osten sagte, "fast sicher" lösten solch belastende Situationen beim medizinischen Personal Traumata aus.

Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung
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