Freitag, 10 Jul 2020
Weiß oder schwarz zu sein, ist ein soziales Konstrukt.
Foto: Olayinka Babalola

Eine freie Gesellschaft kennt keine Rassen

Berlin (ots) - Die Zustimmung vor dreieinhalb Jahren war groß: Von einem "Mut machenden Beispiel" sprach Berlins Innensenator Andreas Geisel, von einer "klaren Kante" der damalige Polizeipräsident Klaus Kandt. Kurz zuvor waren die beiden Kudamm-Raser Hamdi H. und Marvin N., die im Februar 2016 bei einem illegalen Autorennen durch die City West einen Unbeteiligten töteten, nicht etwa wegen fahrlässiger Tötung, sondern wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Von "Rechtsgeschichte" war die Rede. Als der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil ein Jahr später jedoch kippte, blieben solche Reaktionen aus. Dabei waren sie nicht falsch, nur verfrüht. Denn es dauerte weitere Jahre, bis diese Rechtsgeschichte wirklich geschrieben wurde. Am Donnerstag war es dann soweit. Der BGH gab dem zweiten Versuch des Berliner Landgerichts in Teilen Recht und bestätigte zumindest das Mordurteil gegen Hamdi H. Er hatte damals mit seinem Wagen das Auto des Opfers gerammt und ihn - das darf man jetzt sagen - durch sein rücksichtloses Verhalten nicht nur getötet, sondern ermordet. Das Lob, das nach dem ersten Urteil den Berliner Richtern ausgesprochen wurde, ist nun angebracht. Denn klarer könnte die Kante, die Hamdi H. gezeigt wurde, nicht sein. In ähnlichen Fällen, die es bestenfalls nie mehr geben sollte, ermutigt es Richter hoffentlich, ähnlich hart zu urteilen. Denn Raser, egal ob auf Berlins Straßen oder in anderen Städten, gefährden Leben. Wer mit aufheulendem Motor durch Tempo 30-Zonen fährt oder auf 170 Stundenkilometer auf dem Kudamm beschleunigt, bringt nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr. Das Urteil gegen Hamdi H. zeigt diesen Menschen, dass sie beim Messen ihres Egos etwas verlieren können, was ihnen vielleicht mehr wert als ihre Gesundheit ist: für lange Zeit ihre Freiheit.

Quelle: ots/Berliner Morgenpost
Back To Top