Freitag, 10 Jul 2020
Das Virus hat sich an Konsumausgaben, Industrieproduktion, Investitionen, den globalen Handel, an Kapitalströme und Lieferketten angedockt.
Foto: K. Kliche

Langfristige Schäden

Berlin (ots) - Es ist ein schwarzer Tag: Am Freitag sind die Beschäftigten des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof informiert worden, welche Filialen in Deutschland geschlossen werden sollen. Insgesamt, das war seit Donnerstag klar, sind 62 Häuser deutschlandweit betroffen. Am Freitag erfolgte nun die bittere Nachricht: In Berlin werden sechs der elf Häuser ihre Türen schließen, womöglich auch die Karstadt Sport-Filiale in Charlottenburg, Hunderte Beschäftigte verlieren ihren Job. Die Corona-Krise - sie hat wahrlich verheerende wirtschaftliche Auswirkungen. Millionen Menschen sind seit Wochen in Kurzarbeit, nun werden Tausende Stellen abgebaut. Nicht nur bei Galeria Karstadt Kaufhof, auch andere große Unternehmen wie die Autohersteller greifen zu drastischen Maßnahmen - am Freitag gab BMW bekannt, dass 6000 Stellen wegfallen werden. Es gehört, so bitter es ist, aber zur Wahrheit dazu, dass einige dieser Unternehmen schon vor der Corona-Pandemie große Probleme hatten. Auch Karstadt und Kaufhof. Schon seit vielen Jahren, schon lange vor der weltweiten Ausbreitung des Virus. Man erinnere sich nur an die vielen Rettungsrunden für Karstadt, an Investoren wie Nicolas Berggruen, die bald wieder aufgaben; im Jahr 2018 kam es dann zur Fusion, um so beide Warenhäuser in die neue Zeit zu führen - und zu retten. Die strukturellen Probleme sind mit der Fusion Ende 2018 aber nicht gelöst worden. Warenhäuser haben in vielen Innenstädten zwar eine wichtige Ankerfunktion, denn sie ziehen die Menschen an, die dort dann auch noch im Einzelhandel shoppen oder ein Café, eine Gaststätte aufsuchen. Aber das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich doch nachhaltig geändert. Viele Menschen meiden heutzutage ein Warenhaus - und wer die Häuser an der Müllerstraße, am Kurfürstendamm oder am Tempelhofer Damm kennt, der weiß, dass man dort wahrlich nicht von einem "Einkaufserlebnis" sprechen kann. Immer mehr Menschen shoppen stattdessen online - und man kann es ihnen weder verdenken und schon gar nicht verbieten. Denn am PC oder Tablet, selbst am Smartphone kann man in Ruhe aussuchen, was man haben möchte, da ist rund um die Uhr geöffnet, natürlich auch sonntags, wenn Zeit ist - nicht nur werktags von 10 bis 20 Uhr. Diese strukturellen Probleme, die teilweise kaum zu lösen sind, haben sich durch die Corona-Krise verschärft, sodass dem Konzern-Management kaum etwas anderes übrig bleibt, als jetzt Konsequenzen zu ziehen. In Berlin sind nach Berechnungen der Gewerkschaft Verdi von den Standort-Schließungen rund 600 von 2100 Beschäftigten betroffen. Für sie neue Jobs zu finden, das wird nicht einfach werden. Und es erfordert eine hohe Flexibilität, denn auch nach der Pandemie wird es kein Zurück in alte Zeiten geben, die Veränderungen im Handel, in den Innenstädten werden sich nach Einschätzung von Experten eher noch beschleunigen. Deshalb ist es auch für die Galeria Kaufhof Karstadt-Filialen, die noch bestehen bleiben, so wichtig, dass für diese Häuser zukunftsträchtige Konzepte entwickelt werden. Selbst so große Häuser wie das KaDeWe in Berlin, das für viele Millionen Euro umgebaut wird, das ein Shop-in-Shop-System mit exklusiven Angeboten bietet, haben inzwischen zu kämpfen. Es braucht gute Ideen, damit das Einkaufen in Warenhäusern wieder attraktiver wird, damit eben nicht nur die großen Shopping-Center aufgesucht werden, sondern beispielsweise auch ein Karstadt-Haus am Hermannplatz. Aber schon dort zeigt sich das Problem: In Kreuzberg müsste der Eigentümer René Benko endlich von den Bezirkspolitikern grünes Licht für seine Umbaupläne bekommen, denn andernfalls hat auch diese Filiale keine Zukunft.

Quelle: ots/Berliner Morgenpost
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