Freitag, 27 Nov 2020
Erwartungsgemäß hat der amtierende Präsident bereits in der Wahlnacht damit begonnen, Zweifel an Briefwahlstimmen sowie dem amtlichen Endergebnis zu säen, und den Sieg faktisch für sich in Anspruch genommen.
Foto: Obi Onyeador

Auf Messers Schneide

Mainz (ots) - Es scheint, als hätte die Rumpelstilzchen-Dämmerung eingesetzt. Um den abgewählten amerikanischen Präsidenten wird es einsamer. Und Donald Trumps Bruder im Geiste, der britische Zerstörer Boris Johnson, verliert neben dem Verbündeten im Weißen Haus nun auch noch seinen engsten Vertrauten. Die Bedeutung Dominic Cummings, dem Architekten der "Vote Leave"-Kampagne und Betreiber eines harten Brexits, kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Cummings war das vermeintliche Mastermind hinter Johnsons verstörendem Politikprogramm, so wie es der radikale Steve Bannon einst hinter Donald Trump war. Offenbar ist Cummings am Ende nicht einer höheren Einsicht des Premiers zum Opfer gefallen, sondern der Intrige von Johnsons Verlobter Carrie Symonds, einst ebenfalls PR-Expertin der britischen Konservativen. "Dallas in Downing Street" könnte man in Anlehnung an eine alte TV-Serie titeln. Es war wohl das miserable Management der Corona-Pandemie mit den weitaus höchsten Todeszahlen in Europa, an der Johnsons machtbewusster Einflüsterer am Ende gescheitert ist - und nicht dessen Brexit-Kurs. Das macht deutlich, dass die EU nach Cummings Entmachtung nicht damit rechnen kann, auf den letzten Metern der Verhandlungen um das Vermeiden eines harten Brexits doch noch auf einen vernunftbegabten Verhandlungspartner zu treffen. Zunächst wird sich Johnsons Regierungsapparat, den Cummings mit seinen Vertrauten durchsetzt hatte, neu sortieren müssen. Und dann muss vorrangig ein überzeugenderes Management der Pandemie her. Europa ist leider das Letzte, woran die Briten - besser die Engländer - zurzeit denken.



Quelle: ots/Allgemeine Zeitung Mainz
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