#zeitfokus.

Freitag, 03 Apr 2020
Endlich - Friedrich Roeingh zur Coronakrise.

Mainz (ots) - Endlich! Endlich verliert der Staat die Geduld mit denjenigen, die noch nicht verstanden haben, was die Stunde geschlagen hat. Mit denen, die den sogenannten Shutdown - die Stilllegung des öffentlichen Lebens - zum Anlass nehmen, Eiscafés und Grünflächen zu ihren Partyzonen zu machen. Die Empörung ist berechtigt: Wer noch immer nicht verstanden hat, dass die Sorglosigkeit nicht so Gefährdeter schon bald den Tod von älteren Menschen und Vorgeschädigten bedeutet, dem ist in der aktuellen Lage wohl tatsächlich nur mit Freiheitsentzug beizukommen. So wie man sich über diese Egoshooter nur aufregen kann, so verwunderlich ist zugleich, mit welcher Seelenruhe die weit überwiegende Mehrheit die reihenweise Aussetzung von Grundrechten aufnimmt, die vor 14 Tagen noch nicht vorstellbar schienen: "Wir sind doch nicht in China!" Freizügigkeit, Recht auf Versammlungsfreiheit, Recht auf Religionsausübung, Reisefreiheit, Freiheit der Berufsausübung - es scheint, als würde den Einschränkungen unserer Grundrechte fast applaudiert wie in einem torreichen Fußballspiel. Natürlich ist diese Zustimmung getrieben von den Geschichten und den Bildern aus Italien, wo die Klinikärzte rund um die Uhr um Leben kämpfen und alle Stunde entscheiden müssen, wer ein Intensivbett bekommen kann und wer nicht. Natürlich ist diese Zustimmung getragen von der Empörung über die Asozialen, die nicht verstehen wollen, dass in diesen Tagen buchstäblich jeder Verantwortung für den anderen trägt. Dennoch muss der Applaus irritieren, mit dem die Grundrechtseinschränkungen aufgenommen werden. So verständlich das Aufatmen ist, dass in der Krise nicht die Populisten die Oberhand haben, sondern die geschmähten Parteien Mut und Handlungsfähigkeit beweisen. So berechtigt das Lob für die Überwindung des kleinlichen Parteienstreits zugunsten einer Krisenbewältigung in gebotenem Ernst ist: In mancher Zustimmung dieser Tage schwingt auch so etwas wie die Wiederentdeckung der klaren Ansage, des Autoritären mit. Das wird eine der vielen Spuren sein, welche die Coronakrise neben aller gesundheitlichen und wirtschaftlichen Verwüstung hinterlassen wird. Im Guten kann das bedeuten, dass die Politik auch nach dieser Krise bereit sein wird, Reformen anzugehen, die Erstarrungen auflösen. Im Schlechten aber können die Feinde der individuellen Freiheiten ungeahnten Zulauf bekommen. Dabei müssen Eingriffe in die Grundrechte vor allem eines sein: endlich.



Quelle: ots/Allgemeine Zeitung Mainz


DKG-Präsident Gerald Gaß fordert zusätzlich einen sofortigen finanziellen "Schutzschirm für alle Krankenhäuser".
Foto: stux / CC0 de (via Pixabay)

DGB fordert angesichts der Corona-Krise deutlich mehr Geld für Krankenhäuser

Mainz (ots) - Endlich! Endlich verliert der Staat die Geduld mit denjenigen, die noch nicht verstanden haben, was die Stunde geschlagen hat. Mit denen, die den sogenannten Shutdown - die Stilllegung des öffentlichen Lebens - zum Anlass nehmen, Eiscafés und Grünflächen zu ihren Partyzonen zu machen. Die Empörung ist berechtigt: Wer noch immer nicht verstanden hat, dass die Sorglosigkeit nicht so Gefährdeter schon bald den Tod von älteren Menschen und Vorgeschädigten bedeutet, dem ist in der aktuellen Lage wohl tatsächlich nur mit Freiheitsentzug beizukommen. So wie man sich über diese Egoshooter nur aufregen kann, so verwunderlich ist zugleich, mit welcher Seelenruhe die weit überwiegende Mehrheit die reihenweise Aussetzung von Grundrechten aufnimmt, die vor 14 Tagen noch nicht vorstellbar schienen: "Wir sind doch nicht in China!" Freizügigkeit, Recht auf Versammlungsfreiheit, Recht auf Religionsausübung, Reisefreiheit, Freiheit der Berufsausübung - es scheint, als würde den Einschränkungen unserer Grundrechte fast applaudiert wie in einem torreichen Fußballspiel. Natürlich ist diese Zustimmung getrieben von den Geschichten und den Bildern aus Italien, wo die Klinikärzte rund um die Uhr um Leben kämpfen und alle Stunde entscheiden müssen, wer ein Intensivbett bekommen kann und wer nicht. Natürlich ist diese Zustimmung getragen von der Empörung über die Asozialen, die nicht verstehen wollen, dass in diesen Tagen buchstäblich jeder Verantwortung für den anderen trägt. Dennoch muss der Applaus irritieren, mit dem die Grundrechtseinschränkungen aufgenommen werden. So verständlich das Aufatmen ist, dass in der Krise nicht die Populisten die Oberhand haben, sondern die geschmähten Parteien Mut und Handlungsfähigkeit beweisen. So berechtigt das Lob für die Überwindung des kleinlichen Parteienstreits zugunsten einer Krisenbewältigung in gebotenem Ernst ist: In mancher Zustimmung dieser Tage schwingt auch so etwas wie die Wiederentdeckung der klaren Ansage, des Autoritären mit. Das wird eine der vielen Spuren sein, welche die Coronakrise neben aller gesundheitlichen und wirtschaftlichen Verwüstung hinterlassen wird. Im Guten kann das bedeuten, dass die Politik auch nach dieser Krise bereit sein wird, Reformen anzugehen, die Erstarrungen auflösen. Im Schlechten aber können die Feinde der individuellen Freiheiten ungeahnten Zulauf bekommen. Dabei müssen Eingriffe in die Grundrechte vor allem eines sein: endlich.



Quelle: ots/Allgemeine Zeitung Mainz


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